Aleph Farms aus Israel und Mottainai Food Tech aus Singapur bekommen je eine Million Singapur-Dollar, umgerechnet rund 780.000 US-Dollar, aus einem Förderprogramm mit Geld von Jeff Bezos’ Klimafonds. Aleph Farms baut Steak aus Rinderzellen, Mottainai macht aus Soja-Resten eine Fleischzutat. Für Tiere klingt das erst mal nach einer guten Nachricht. Der Chef von Aleph Farms sagt allerdings selbst, dass sein Steak die Rinderhaltung gar nicht ablösen soll.
Kurz gesagt
- Das Geld: je 1 Mio. Singapur-Dollar, zur Hälfte von Singapurs Wirtschaftsbehörde, zur Hälfte aus Bezos-Mitteln
- Aleph Farms: Steak aus Rinderzellen und einer Basis aus Soja und Weizen, Start in Singapur für das erste Halbjahr 2027 geplant
- Mottainai: fermentierte Okara aus der Sojaproduktion, auch zum Mischen mit Hähnchen oder Schwein gedacht
- Für Tiere: weniger Fleisch im Produkt, aber kein veganes Steak und laut Aleph auch kein Ersatz für die Rinderhaltung
Inhalt6 Kapitel
Wer das Geld gibt.
„Bezos-backed“ steht über den meisten Meldungen, die ganze Summe kommt aber nicht von ihm. Das Programm heißt Sustainable Protein Growth Stage Grant und läuft über das Bezos Centre an der National University of Singapore und über Enterprise Singapore, die staatliche Wirtschaftsförderung. Laut der Ausschreibung zahlt jede Seite pro Firma bis zu 500.000 Singapur-Dollar. Das Bezos-Centre schöpft dabei aus einer Zuwendung des Bezos Earth Fund über 3 Millionen US-Dollar.
Bewerben durften sich Firmen mit pflanzlichen, kultivierten oder fermentierten Proteinen, deren Technik kurz vor dem Markt steht. Die beiden Gewinner wurden auf dem Asia-Pacific Agri-Food Innovation Summit in Singapur bekannt gegeben. Das sind für diese Branche kleine Beträge. Aleph Farms hat nach einem Bericht von CleanThinking bisher 147 Millionen US-Dollar eingesammelt.
Was im Steak von Aleph Farms steckt.
Das Produkt heißt in Singapur Thin-Cut Steak, in Israel Petit Steak. Die Zellen wachsen auf einer Pflanzenmatrix aus Soja und Weizen. Rindfleisch aus Zellkultur macht laut FoodNavigator nur 10 bis 20 Prozent des Steaks aus. Der große Rest ist also die pflanzliche Basis.
Singapurs Lebensmittelbehörde hat das Steak im August 2026 zugelassen, knapp vier Jahre nach dem Antrag. Israel hatte es Anfang 2024 freigegeben. In Singapur soll es im ersten Halbjahr 2027 in ausgewählte Restaurants kommen, zunächst in kleinen Mengen und zu einem Preis, den Aleph noch nicht genannt hat. Weitere Anträge laufen unter anderem in der Schweiz und in Großbritannien. Auch in der EU ist laut CleanThinking einer gestellt, entschieden ist er nicht. Kultiviertes Fleisch ist hier also weiterhin nicht zu kaufen.
Gründer Didier Toubia sagt gegenüber FoodNavigator, Rentabilität und Skalierbarkeit seien bei den richtigen Produkten inzwischen belegt. Das ist bisher vor allem eine Rechnung auf dem Papier: Die Zahlen, die CleanThinking nennt, stammen aus einer von Aleph selbst beauftragten Analyse. Im selben Bericht steht, dass die Firma die eigene Produktion an Vertragspartner abgibt und mehrere Entlassungsrunden hinter sich hat.
Wie belastbar die Umweltzahlen sind.
Aleph wirbt mit 92 Prozent weniger CO₂, 98 Prozent weniger Fläche und 99 Prozent weniger Wasser im Vergleich zu Rindfleisch. Die 92 Prozent führt die Firma auf ihrer Website auf eine Studie von CE Delft zurück und nennt die Bedingungen dazu: Produktion im großen Maßstab mit erneuerbarer Energie, verglichen mit intensiver Rindfleischproduktion in Westeuropa.
Das ist also ein Szenario für eine Industrie, die es so noch nicht gibt. Für die 98 und 99 Prozent haben wir auf der Website keinen Beleg gefunden, sie bleiben deshalb Firmenangaben. Gemessen an einem fertigen Steak aus heutiger Kleinproduktion sagen alle drei Zahlen wenig.
Mottainai: Soja-Reste als Fleischzutat.

Der zweite Gewinner ist für uns der interessantere. Okara bleibt übrig, wenn Sojamilch und Tofu hergestellt werden, wir erklären das im Artikel zur Sojamilch. Mottainai Food Tech fermentiert diesen Rückstand zu einer Zutat namens Jiro Meat. Die Pilotanlage in Singapur kann laut Firma bis zu 100 Tonnen Nebenprodukte im Jahr verarbeiten.
Mitgründer Daryl Pek setzt dabei auch auf Mischprodukte. Ersetzt man die Hälfte von Hähnchen oder Schwein durch Jiro Meat, sinken die Kosten pro gegartem Kilo laut Mottainai um 18 Prozent. Unabhängig geprüft sind diese Werte nicht. Jiro Meat gilt als pflanzlich, eine vollständige Zutatenliste haben wir aber nicht gefunden. Ob jede Rezeptur vegan ist, können wir deshalb nicht sagen.
Tierethische Einordnung.
Ein Steak aus Zellkultur braucht pro Portion keine Schlachtung. Das zählt. Vegan ist es trotzdem nicht: Laut Aleph stammen die Zellen aus einer befruchteten Eizelle der Kuh Lucy. Woher die Wachstumsfaktoren im Nährmedium kommen, schreibt die Firma auf dieser Seite nicht. Warum das eine wichtige Frage ist, steht in unserem Artikel über fetales Kälberserum.
Entscheidender ist, was die Firma selbst will. „Unser Ziel ist es, konventionelle Rindfleisch-Lieferketten zu ergänzen, nicht sie zu ersetzen“, sagt Toubia in der August-Meldung. Im aktuellen Gespräch formuliert er es so: „Wir wollen Fleisch besser machen.“ Das ist ein ehrlicher Satz, und er passt zur Zielgruppe, die Aleph mit Premium-Zuschnitten erreichen will. Wer in solchen Steaks das Ende der Rinderhaltung sieht, liest mehr hinein, als der Hersteller verspricht.
Ähnlich ist es bei den Mischprodukten. Ein Nugget mit halb so viel Hähnchen kann Tieren durchaus etwas bringen, wenn es tatsächlich Fleisch verdrängt. Es bleibt aber ein Nugget mit Hähnchen. Und ein Hersteller, der billiger produziert, kann davon auch einfach mehr verkaufen. Wie sich das Geld in der Branche gerade verschiebt, haben wir bei den Investitionen in alternative Proteine zusammengefasst.
Was du tun kannst.
Bis Aleph-Steaks irgendwo auf der Karte stehen, vergeht noch Zeit, und in Europa ist ohnehin nichts entschieden. Fermentierte Soja gibt es längst ganz ohne Zellkultur: Tempeh liegt im Bioladen und im gut sortierten Supermarkt.
Wie wir recherchiert haben
Anlass ist ein Bericht von FoodNavigator vom 30.10.2026. Förderbedingungen und Zulassung haben wir mit weiteren Berichten von FoodNavigator und CleanThinking sowie den Angaben von Aleph Farms abgeglichen. Eine eigene Mitteilung der Förderer zu den Gewinnern und die Bescheide der Behörden konnten wir nicht einsehen. Das Datum der israelischen Freigabe wird unterschiedlich angegeben: FoodNavigator nennt 2023, das Gesundheitsministerium machte sie im Januar 2024 öffentlich. Alle Umwelt-, Kosten- und Margenzahlen sind Angaben der Firmen. Aleph wirbt außerdem mit Nährwertvorteilen, die wir nicht geprüft haben und deshalb nicht wiedergeben. Mit Aleph Farms, Mottainai Food Tech und dem Bezos Earth Fund bestehen keine geschäftlichen Beziehungen.
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FAQ - Das fragen andere
Wer das Geld gibt.?
Was im Steak von Aleph Farms steckt.?
Wie belastbar die Umweltzahlen sind.?
Was du tun kannst.?
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