Deutschland bekommt einen Bundesminister, der vegan lebt. Alexander Schweitzer (SPD), bis Mai Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, wird neuer Bundesminister für Arbeit und Soziales. Er folgt auf Bärbel Bas, die am 12. Oktober 2026 zurückgetreten ist. Schweitzer isst nach eigenen Angaben seit rund zehn Jahren keine tierischen Produkte. Laut ZDF ist er der einzige deutsche Spitzenpolitiker, von dem das bekannt ist.
Kurz gesagt
- Wer: Alexander Schweitzer, 53, SPD, zuletzt Fraktionschef im Mainzer Landtag
- Was: wird Bundesminister für Arbeit und Soziales, die Vereidigung im Bundestag ist für den 14. Oktober 2026 angesetzt
- Vegan seit: rund zehn Jahren, mehrere Medien nennen 2016
- Sein Grund: „Ich möchte nicht, dass Tiere für mein Essen sterben.“
- Seine Haltung: Er will niemanden bekehren und macht seine Ernährung nicht zum politischen Thema
Inhalt7 Kapitel
Was passiert ist.
Bärbel Bas hat am Montag, 12. Oktober, ihr Amt als Bundesarbeitsministerin und als Co-Vorsitzende der SPD niedergelegt. Sie nannte persönliche Gründe. SPD-Chef Lars Klingbeil schlug daraufhin Alexander Schweitzer als Nachfolger vor, Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, ihn dem Bundespräsidenten vorzuschlagen. Nach Angaben des Bundestags erhält Schweitzer am 13. Oktober seine Ernennungsurkunde und wird am 14. Oktober zu Beginn der Plenarsitzung vereidigt.
Für das Amt bringt er Erfahrung mit. Von 2021 bis 2024 war er Arbeits- und Sozialminister in Rheinland-Pfalz, danach knapp zwei Jahre Ministerpräsident. Seit Mai 2026 ist Gordon Schnieder (CDU) Ministerpräsident, Schweitzer führte zuletzt die SPD-Fraktion im Landtag. Er ist 2,06 Meter groß, stammt aus einer Arbeiterfamilie in der Südpfalz und ist verheiratet.
„Es fing mit Neugierde an“.
Über seine Ernährung spricht Schweitzer selten von sich aus, auf Nachfrage aber offen. „Es fing zunächst mit Neugierde an. Ich habe es als Experiment begonnen und bin einfach dabeigeblieben“, sagte er dem Mainzer Portal Merkurist. Er komme aus einer Familie, in der Fleisch zu jeder ordentlichen Mahlzeit gehört habe. Heute begründet er den Verzicht ethisch: „Das hat etwas mit Tierrechten und meiner Tierliebe zu tun.“
Der Satz, der am häufigsten zitiert wird, stammt aus einem Interview mit der Zeitschrift Bunte: „Ich möchte nicht, dass Tiere für mein Essen sterben. Aber ich gönne jedem seinen Saumagen.“ Saumagen ist das Nationalgericht der Pfalz, und wer dort Ministerpräsident ist, kommt an ihm kaum vorbei. Schweitzer lehnt dann nach eigenen Worten dankend ab. Auch im Stadion des 1. FC Kaiserslautern verzichtet er auf die Wurst.
Zu Hause wird gemischt gegessen. Seine Frau lebe eher vegetarisch, die beiden Söhne äßen Fleisch, erzählte er. „Die haben wir auch nicht missioniert.“
Vegan, aber kein Aktivist.
Wer von Schweitzer vegane Politik erwartet, wird enttäuscht. „Ich bin ein sehr unmissionarischer Mensch“, sagt er über sich, und sein Motto lautet „Leben und leben lassen“. Fotos von seinem Essen postet er nicht, weil er es nicht für seine Aufgabe halte, sich „zum Essensinfluencer zu entwickeln“.
In seiner Zeit als Ministerpräsident ist keine Initiative bekannt, die sich aus seiner Ernährung ableiten ließe. Im Gegenteil: Vor dem Bauern- und Winzerverband sagte er Anfang 2026, Deutschland brauche eine starke Lebensmittelproduktion, und stellte Weidetierhaltern Unterstützung im Umgang mit dem Wolf in Aussicht. Wer in Rheinland-Pfalz regiert, regiert ein Land der Winzer und Landwirte. Schweitzer hat nie den Eindruck erweckt, daran etwas ändern zu wollen.
Was das Arbeitsministerium mit Tieren zu tun hat.
Auf den ersten Blick nichts. Das Ministerium kümmert sich um Rente, Arbeitsmarkt und Grundsicherung, und genau dort warten die großen Konflikte mit der Union. Für Tierschutz ist das Landwirtschaftsministerium zuständig.
Eine Verbindung gibt es trotzdem, und sie führt in die Schlachthöfe. Das Arbeitsministerium verantwortet das Arbeitsschutzkontrollgesetz, das seit 2021 Werkverträge und Leiharbeit beim Schlachten und Zerlegen verbietet. Es war die Antwort auf die Corona-Ausbrüche in den Fleischfabriken und auf Arbeitsbedingungen, die über Jahre bekannt waren. Im Januar 2026 hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot bestätigt. Für das Gesetz ist künftig Schweitzer zuständig, kontrolliert wird es von den Behörden der Länder.
Das ist kein Tierschutzgesetz. Aber die Fleischindustrie beruht darauf, dass Menschen für wenig Geld eine Arbeit machen, die sonst kaum jemand machen will. Wer dort für faire Bedingungen sorgt, macht Fleisch teurer und die Wirklichkeit hinter dem Produkt sichtbarer.
Wie vegan ist die deutsche Politik?.
Schweitzer ist eine Ausnahme. Cem Özdemir, der frühere Landwirtschaftsminister, lebt seit seiner Jugend vegetarisch. Ein vegan lebendes Mitglied einer Bundesregierung war bisher nicht bekannt. Ob Schweitzer wirklich der erste ist, lässt sich nicht beweisen, weil niemand die Essgewohnheiten früherer Minister erfasst hat. Er ist aber der erste, von dem man es weiß.
Im Bundestag gibt es Abgeordnete, die Tierschutz zu ihrem Thema gemacht haben. Eine von ihnen ist die Grüne Zoe Mayer. Mit ihr haben wir im Bundestag eine Folge unseres Podcasts aufgenommen. Das Interview mit Zoe Mayer kannst du bei uns nachlesen, die ganze Folge gibt es als Video auf YouTube.
Dass vegane Ernährung im politischen Betrieb noch immer als Angriffsfläche gilt, zeigt ein Blick nach rechts. Wie die AfD das Thema nutzt, haben wir in unserem Artikel über „vegane Zwangsernährung“ beschrieben.
Tierethische Einordnung.
Ein veganer Minister ändert für Tiere zunächst nichts. Schweitzer wird keine Schlachthöfe schließen und keine Subventionen umlenken, das ist weder sein Ressort noch sein Stil. Wer darauf hofft, überschätzt, was ein persönlicher Lebensstil in einem Kabinett bewirkt.
Trotzdem hat die Personalie Gewicht. Vegan lebende Menschen gelten in vielen Debatten noch als weltfremd, urban und abgehoben. Schweitzer ist das Gegenteil dieses Klischees: Sohn eines Binnenschiffers, Pfälzer, Sozialdemokrat, zuständig für Rente und Arbeit. Dass so jemand am Kabinettstisch sitzt und sagt, er wolle nicht, dass Tiere für sein Essen sterben, macht den Satz normaler.
Über „Leben und leben lassen“ lässt sich streiten. Die Tiere, um die es geht, werden nicht leben gelassen. Toleranz gegenüber dem Saumagen ist freundlich gegenüber den Menschen, die ihn essen, und sagt nichts über das Schwein. Aber Schweitzer zeigt, dass man aus Überzeugung vegan leben kann, ohne andere vor den Kopf zu stoßen. Für viele, die sich den Schritt bisher nicht zutrauen, ist das womöglich überzeugender als jede Kampagne. Warum Menschen Tiere mögen und sie trotzdem essen, erklärt unser Artikel Ich liebe Tiere, esse aber Fleisch.
Wer wissen will, wie der Einstieg gelingt, findet Hilfe in unserem Ratgeber Wie werde ich Veganer?. Einen guten Überblick über die ethischen Argumente geben Bücher zur Tierethik.
Häufige Fragen.
Ist Alexander Schweitzer vegan?
Ja. Er verzichtet nach eigenen Angaben seit rund zehn Jahren auf tierische Produkte in seiner Ernährung und begründet das mit Tierliebe und Tierrechten.
Seit wann lebt Schweitzer vegan?
Mehrere Medien nennen das Jahr 2016. Die taz schrieb 2024 von „fast zehn Jahren“.
Ist er der erste vegane Bundesminister?
Er ist der erste, von dem es öffentlich bekannt ist. Beweisen lässt sich das nicht, weil es keine Übersicht über die Ernährung früherer Minister gibt.
Wann wird Schweitzer vereidigt?
Laut Bundestag am Mittwoch, 14. Oktober 2026, zu Beginn der Plenarsitzung.
Quellen ●
ZDFheute vom 12. Oktober 2026. Deutscher Bundestag zur Vereidigung. Interview bei Merkurist. Bunte-Interview, zitiert nach Evangelische Zeitung, 22. Oktober 2025. top agrar vom 12. März 2026. Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 27. Januar 2026. Foto: © SPD-Landtagsfraktion RLP/Reißmann. Stand des Artikels: 13. Oktober 2026. Der Link zu Amazon ist ein Affiliate-Link, als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen.
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