Die britische Marke allplants gehört seit dem 20. Oktober 2026 komplett dem französischen Lebensmittelkonzern Fleury Michon. Der ist in Frankreich vor allem für abgepackten Schinken bekannt. Für allplants ist es der zweite Eigentümerwechsel in weniger als zwei Jahren. Für den Markt ist es ein weiterer Fall eines Musters, das wir aus Deutschland kennen: Die Tierindustrie kauft sich ins Pflanzliche ein.
Kurz gesagt
- Was passiert: Fleury Michon übernimmt 100 Prozent von allplants, inklusive Team, Vertrieb und Markenrechten
- Wie groß: allplants macht rund 5 Millionen Euro Umsatz im Jahr, weniger als 1 Prozent des Konzernumsatzes von 836 Millionen Euro
- Warum: Fleury Michon will über allplants seine eigenen pflanzlichen Produkte in britische Supermärkte bringen
- Der Haken: Die „Tranches Végé“ des Käufers enthalten laut Zutatenliste Eiweißpulver aus Hühnerei, sind also nicht vegan
- Was bleibt: Ella Mills, die die Marke 2025 aus der Insolvenz holte, bleibt laut vegconomist Markenbotschafterin
Inhalt7 Kapitel
Was genau verkauft wurde.
Fleury Michon hat die Übernahme am 20. Oktober 2026 per Pressemitteilung bekannt gegeben. Unterschrift und Vollzug fielen auf denselben Tag. Der Konzern übernimmt das komplette Kapital der britischen Gesellschaft, dazu die Vertriebsaktivitäten, das Team und die Rechte an der Marke allplants. Den Kaufpreis nennt er nicht. Das Geschäft ist überschaubar: etwa 5 Millionen Euro Jahresumsatz, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen liegt laut Mitteilung „nahe der Gewinnschwelle“.
Entscheidend ist, was Fleury Michon mit der Marke vorhat. allplants soll die „Basis“ werden, um die eigene pflanzliche Range in britischen Supermärkten zu platzieren. Der britische Markt für pflanzliche Produkte sei weiter entwickelt als der französische, heißt es in der Mitteilung. Übersetzt: Der Konzern kauft sich Regalplätze bei Tesco, Sainsbury’s, Waitrose, Ocado und Whole Foods, wo allplants nach eigenen Angaben gelistet ist.
allplants: Vom Vorzeige-Start-up in die Insolvenz und zurück ins Regal.
Die Geschichte der Marke erzählt den britischen Veggie-Boom und seinen Kater im Zeitraffer. 2016 gründeten die Brüder Jonathan und Alex Petrides allplants als Lieferdienst für tiefgekühlte vegane Fertiggerichte. 2021 sammelte das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde 38 Millionen Pfund ein. Danach ging es bergab: Im Geschäftsjahr bis März 2023 stand laut Branchenmedien ein Vorsteuerverlust von 9,86 Millionen Pfund, im Jahr davor waren es über 10 Millionen. Am 22. November 2024 ging allplants in die Insolvenzverwaltung, 65 Beschäftigte verloren ihren Job.
Dann kam Ella Mills. Die Gründerin von Deliciously Ella hatte ihr Unternehmen im September 2024 an den Schweizer Hero-Konzern verkauft, die kleine Marke Plants aber behalten. Im Februar 2025 kauften sie und ihr Mann Matthew Mills den Namen allplants und die Kundendaten aus der Insolvenzmasse. Die Rezepte waren nicht dabei, die sicherte sich der Kochboxen-Anbieter Grubby. Mills baute allplants als Kühlregal-Marke neu auf: Burger aus schwarzen Bohnen und Süßkartoffel, gefüllte Tortelloni, Tofu-Goujons, Pesto, Protein-Fusilli und Bowls, dazu wieder tiefgekühlte Gerichte im eigenen Shop. Die Produkte werden als „100 Prozent pflanzlich“ beworben.

Jetzt, acht Monate nach dem Neustart, verkauft das Paar erneut. Auf Instagram schrieb Mills laut vegconomist, sie und Matthew hätten zwölf Jahre zusammengearbeitet und zwei Lebensmittelfirmen aufgebaut und verkauft. Sie bleibt als Markenbotschafterin an Bord.
Wer Fleury Michon ist.
Fleury Michon ist ein Familienunternehmen aus Pouzauges in der Vendée, gegründet 1905, an der Pariser Börse notiert und in Frankreich so präsent wie hierzulande die Rügenwalder Mühle. Das Kerngeschäft: Schweineschinken, Wurst, Geflügelaufschnitt, Surimi und Fertiggerichte. Dazu kommt Catering für Fluggesellschaften, das inzwischen 13 Prozent des Umsatzes ausmacht. 2025 setzte der Konzern 836 Millionen Euro um, 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Verdient hat er daran wenig: Das operative Ergebnis lag bei 12,2 Millionen Euro, eine Marge von 1,5 Prozent. Als Grund nennt das Unternehmen die explodierten Preise für Hähnchen- und Putenfleisch nach der Vogelgrippe.
Das Wachstum im französischen Handel kam 2025 laut Konzern aus zwei Ecken: aus der Schweinewurst und aus den „Tranches Végé“. Diese Scheiben aus Kichererbsen, roten Linsen und weißen Bohnen brachte Fleury Michon im März 2024 auf den Markt, nach eigenen Angaben nach drei Jahren Entwicklung und 300 Rezeptversuchen. Schon 2023 hatte der Konzern mit dem Schweizer Start-up planted pflanzliche Geschnetzeltes-Varianten in französische Supermärkte gebracht. Konzernchef Billy Salha beschrieb die Strategie bei der Einführung der Scheiben so: ein Ernährungsmodell, in dem pflanzliche Proteine die tierischen „ergänzen“. Von ersetzen war keine Rede.
Der Haken: „Végé“ heißt bei Fleury Michon nicht vegan.
Wer jetzt denkt, da kauft ein Schinkenhersteller eine vegane Marke, um selbst vegan zu werden, sollte auf die Zutatenliste schauen. Wir haben das am 23. Oktober 2026 auf der Website von Fleury Michon getan. Die „Tranches Végé Pois Chiches“ bestehen aus Wasser, 19,6 Prozent Kichererbsen und als dritter Zutat „blanc d’œuf poudre“, also Eiweißpulver aus Hühnerei. Dasselbe gilt für die neue Variante „Haricots Blancs saveur Jambon“, weiße Bohnen mit Schinkengeschmack. Für die Sorten mit roten Linsen und roten Bohnen listet die Datenbank Open Food Facts ebenfalls Eiweißpulver. Alle vier Scheiben sind damit vegetarisch, keine davon vegan. Auf der Website taucht das Wort „vegan“ nirgends auf.

Das macht die Übernahme interessanter, als sie auf den ersten Blick wirkt. Fleury Michon will laut eigener Aussage die eigene pflanzliche Range über allplants nach Großbritannien bringen. Was genau dort unter welcher Marke im Regal landet, sagt der Konzern nicht. Sollten die Ei-Scheiben unter dem allplants-Label verkauft werden, wäre das Versprechen „100 Prozent pflanzlich“ Geschichte. Wir haben dazu keine Presseanfrage gestellt, die Antwort steht also aus. Wer allplants kauft, sollte ab jetzt die Zutatenliste lesen.
Das Muster: Die Tierindustrie kauft, was sie bedroht.
allplants ist der jüngste Eintrag in einer langen Liste. Der weltgrößte Fleischkonzern JBS kaufte 2021 die niederländische Marke Vivera und über sie im September 2025 The Vegetarian Butcher von Unilever. In Deutschland übernahm die Müller-Gruppe, eine Molkerei, in diesem Sommer den Pflanzendrink- und Tofuhersteller Berief, wir haben die Hintergründe in Müller kauft Berief aufgeschrieben. Die Marke Endori wandert ab 2027 zur Rügenwalder Mühle, die neben ihren Alternativen weiter rund 11.000 Tonnen Fleisch im Jahr verarbeitet. Vantastic Foods und der Onlineshop velivery gehören seit 2017 zur Ponnath-Gruppe, einem Fleisch- und Wurstkonzern aus der Oberpfalz. Und in Nordamerika sammelte der Fleischkonzern Maple Leaf Foods 2017 und 2018 für zusammen 260 Millionen Dollar Lightlife und Field Roast ein.

Die Logik dahinter ist betriebswirtschaftlich schlüssig. Pflanzliche Marken sind nach dem Hype von 2021 billig zu haben, viele schreiben Verluste oder stehen wie allplants kurz vor dem Aus. Die Konzerne bringen Vertrieb, Produktionskapazität und Kapital mit, das kleinen Marken fehlt. Und sie sichern sich damit gegen den Tag ab, an dem ihr Kerngeschäft schrumpft. Fleury Michon formuliert es selbst so: Die Übernahme biete „langfristige Wachstumsperspektiven“.
Für Marken wie allplants ist der Deal oft die einzige Alternative zur zweiten Insolvenz. Das ist nachvollziehbar. Es ändert nur nichts daran, wo das Geld am Ende landet.
Tierethische Einordnung: Wem dein Geld gehört.
Wenn du einen allplants-Burger kaufst, finanzierst du ab sofort ein Unternehmen, dessen Hauptgeschäft aus Schweinen und Hühnern besteht. Das richtet sich weder gegen Ella Mills noch gegen das Team in London, es beschreibt schlicht die Geldflüsse. Die Marge aus dem Kühlregal fließt in einen Konzern, der 2025 vor allem an Schweinewurst gewachsen ist und die Hühnerpreise als sein größtes Problem beschreibt.
Man kann das zweifach lesen. Die optimistische Lesart: Jeder Euro, den Fleury Michon mit Pflanzlichem verdient, macht den Konzern ein Stück unabhängiger vom Tier, und ein Schinkenhersteller, der Kichererbsen-Scheiben zum Kassenschlager macht, verschiebt den französischen Markt mehr als ein Start-up mit 5 Millionen Umsatz. Die nüchterne Lesart: Dieselbe Firma bewirbt ihre pflanzlichen Scheiben als Ergänzung zu Schinken, mischt Hühnerei hinein und hat gerade eine Variante „mit Schinkengeschmack“ gelauncht. Von einem Ausstieg aus der Tierhaltung redet niemand. Das Tier bleibt Geschäftsmodell, das Pflanzliche ist die Absicherung.
Für dich heißt das: Wer beim Einkauf darauf achtet, dass sein Geld nicht an Firmen mit Tiergeschäft geht, muss inzwischen die Eigentümerstruktur kennen, die Verpackung verrät sie nicht. Unsere Übersicht Wem gehört dein Tofu? listet unabhängige Hersteller, und auch bei Aufschnitt gibt es sie, von Taifun bis zu kleinen Bio-Marken im Hofladen. Wer in Großbritannien einkauft, hat mit allplants ab sofort eine Marke weniger auf dieser Liste.
Häufige Fragen.
Wem gehört allplants jetzt?
Seit dem 20. Oktober 2026 zu 100 Prozent dem französischen Lebensmittelkonzern Fleury Michon, bekannt für Schinken, Wurst, Surimi und Fertiggerichte. Davor gehörte die Marke seit Februar 2025 Ella und Matthew Mills, die sie aus der Insolvenz gekauft hatten.
Sind die Produkte von allplants vegan?
allplants bewirbt sein Sortiment als „100 Prozent pflanzlich“. Ob das nach der Übernahme so bleibt, ist offen. Die eigenen „Tranches Végé“ von Fleury Michon enthalten Eiweißpulver aus Hühnerei und sind damit nicht vegan.
Gibt es allplants in Deutschland?
Nein. Die Marke wird in britischen Supermärkten wie Tesco, Sainsbury’s, Waitrose, Ocado und Whole Foods verkauft und liefert tiefgekühlte Gerichte innerhalb Großbritanniens.
Warum kauft ein Fleischkonzern eine vegane Marke?
Weil pflanzliche Marken nach dem Hype günstig zu haben sind und Konzernen Zugang zu Regalplätzen, neuen Kundengruppen und Wachstum verschaffen, während das Fleischgeschäft stagniert oder teurer wird. Fleury Michon nennt als Grund ausdrücklich den weiter entwickelten britischen Markt und die eigene pflanzliche Range.
Quellen und Methodik ●
Übernahme: Pressemitteilung von Fleury Michon vom 20. Oktober 2026 (Umsatz, Ergebnis, Umfang, Begründung). Ella Mills als Markenbotschafterin, Instagram-Zitat und Händlerliste: vegconomist, 23. Oktober 2026. Konzernzahlen 2025: Jahresergebnis von Fleury Michon vom 8. April 2026, wiedergegeben bei Zonebourse. Tranches Végé: Pressemitteilung vom 27. März 2024 mit Zitat Billy Salha; Zutatenlisten auf den Produktseiten Pois Chiches und Haricots Blancs saveur Jambon, abgerufen am 23. Oktober 2026; für Linsen und rote Bohnen Open Food Facts (nutzergepflegte Datenbank, Stand Oktober 2026). planted-Kooperation: Mitteilung von planted, Juni 2023.
allplants-Geschichte: just-food zur Insolvenz (November 2024), Food Manufacture zu Grubby und den Rezepten (März 2025), just-food zum Verkauf von Deliciously Ella (September 2024). Sortiment und Händler laut allplants.com, 23. Oktober 2026.
Weitere Übernahmen: just-food zu Vivera und The Vegetarian Butcher, Maple Leaf Foods zu Field Roast, Lebensmittel Praxis zu Ponnath und Vantastic. Müller/Berief und Endori/Rügenwalder: eigene Recherchen, verlinkt im Text.
Was offen ist: Der Kaufpreis, die Zukunft der Marke Plants und welche Fleury-Michon-Produkte unter welchem Namen nach Großbritannien kommen. Wir haben keine Presseanfrage gestellt. Die Einordnung im Abschnitt „Tierethische Einordnung“ ist unsere redaktionelle Bewertung.
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