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Zwölf Lebensmittelfirmen fordern ein Verbot von Kinderwerbung, auch für ihre eigenen Produkte

Mutter und Tochter wählen im Supermarktregal ein Produkt aus
Einkauf im Supermarkt. Foto: Gustavo Fring / Pexels

Zwölf Lebensmittelfirmen fordern Regeln, die sie selbst treffen würden: Mit der Petition „Weniger Werbung – weniger Nein“ verlangen sie von der Bundesregierung ein gesetzliches Verbot von Werbung, die sich gezielt an Kinder richtet, wenn die beworbenen Produkte die Nährwertkriterien der Weltgesundheitsorganisation verfehlen. Unter den Initiator*innen sind auch mehrere pflanzliche Marken.

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Kurz gesagt

  • Die Petition: „Weniger Werbung – weniger Nein“, gestartet am 16. Oktober 2026 auf innn.it
  • Wer: zwölf Lebensmittelfirmen, darunter die Vegane Fleischerei und Hülsenreich, koordiniert von der Berliner Initiative „Berlin isst anders“
  • Die Forderung: keine Kinderwerbung in Kitas, Schulen, Apps und Games, kein Targeting, keine Influencer mit jungem Publikum, keine Comicfiguren auf Verpackungen
  • Der Maßstab: das Nährwertprofil der WHO für Europa
  • Adressaten: Agrarminister Alois Rainer und Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig
Inhalt6 Kapitel
  1. 01Was die Firmen fordern
  2. 02Warum Firmen sich selbst beschränken wollen
  3. 03Wie viel Werbung Kinder sehen
  4. 04Tierethische Einordnung
  5. 05Was du tun kannst
  6. 06Häufige Fragen

Was die Firmen fordern.

Die Petition richtet sich an Bundesagrarminister Alois Rainer und an Justiz- und Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig. Sie stellt vier Forderungen:

  • Kein Umfeld für Kinderwerbung: keine Werbung in Schulen, Kitas, Kinderprogrammen, Apps oder Games.
  • Kein digitales Kindermarketing: kein gezieltes Ansprechen von Kindern über Targeting, Tracking oder spielerische Werbeformate.
  • Keine Kinder-Influencer: kein Marketing über Creator*innen, deren Publikum überwiegend jung ist.
  • Keine Kinderverpackungen: keine gezielt kindgerechte Gestaltung, etwa mit Comic- oder Lizenzfiguren aus Filmen, Serien und Spielen.

Gelten soll das für Produkte, die das Nährwertprofilmodell der WHO für Europa nicht erfüllen. Das Modell legt unter anderem Grenzwerte für Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz fest. Verkauft und an Erwachsene beworben werden dürfen solche Produkte weiterhin.

Warum Firmen sich selbst beschränken wollen.

Ungewöhnlich ist, wer hier fordert. Laut Pressemitteilung führen die meisten der beteiligten Firmen selbst Produkte, die die WHO-Kriterien nicht erfüllen. Die Regeln würden sie also im eigenen Geschäft treffen. Ihr Argument: Der Schutz von Kindern dürfe nicht davon abhängen, welche Unternehmen freiwillig verzichten. Die Regeln sollen für alle gelten.

„Eltern müssen täglich oft genug Nein sagen“, sagt Julia Möckel, Chefin von Ackerherz. „Ein Nein weniger wäre ein guter Anfang.“ Emilie Wegner, Gründerin von Hülsenreich und Ernährungswissenschaftlerin, fordert „endlich faire Regeln“.

Die Initiator*innen sind Ackerherz, die Vegane Fleischerei, HaferZeit, Kaska Drinks, Miss Mineva’s, Our Greenery, pack&satt, Quarkwerk, Rice Up, PENG, supernutural und Hülsenreich. Nicht alle davon sind vegan, Quarkwerk etwa stellt Milchprodukte her. Koordiniert wird die Petition von „Berlin isst anders“, einem Netzwerk der Berliner Firma Civocracy, mit Förderung aus einem Programm des Bundeswirtschaftsministeriums für gemeinwohlorientierte Unternehmen.

Anna Stiegemann von HaferZeit hält ein Schild mit Ein Nein weniger
Daniel Bosman von Our Greenery mit einem Schild Ein Nein weniger
Das Team von Berlin isst anders mit einem Schild Ein Nein weniger

Unterstützer*innen der Petition, unter anderem von HaferZeit und Our Greenery. Fotos: Berlin isst anders

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Wie viel Werbung Kinder sehen.

Die Initiative beruft sich auf eine Studie der Universität Hamburg von 2021. Danach sehen Kinder zwischen drei und 13 Jahren, die Medien nutzen, im Schnitt 15,48 Werbespots oder Online-Anzeigen pro Tag für Lebensmittel, die nach WHO-Kriterien nicht an Kinder vermarktet werden sollten. Die Werbung erreicht sie im Fernsehen, auf YouTube, in Spielen und auf der Verpackung im Supermarkt.

Ein Gesetz gegen solche Werbung wird in Deutschland seit Jahren diskutiert. Ein Entwurf des früheren Agrarministers Cem Özdemir für ein Kinder-Lebensmittel-Werbegesetz kam in der vergangenen Legislaturperiode nicht durch. Die Lebensmittelwirtschaft hatte damals mit einer eigenen Kampagne dagegen mobilisiert. Dass jetzt Hersteller selbst für Regeln eintreten, ist deshalb neu.

Tierethische Einordnung.

In der Debatte geht es um Zucker, Fett und Salz. Wir schauen zusätzlich auf die Bilder, mit denen Kindern Lebensmittel verkauft werden. Wurstscheiben mit Bärchengesicht, Joghurt mit lachender Kuh, Milchsnacks mit Comicfiguren: Gerade bei Tierprodukten zeigt Kinderwerbung oft eine Welt, die mit der Realität in den Ställen nichts zu tun hat. Kinder lernen so früh, dass Tiere fröhlich ihre Milch hergeben und Wurst ein lustiges Gesicht hat.

Ein Verbot gezielter Kinderwerbung würde je nach Nährwerten auch viele solcher Produkte treffen. Es würde Eltern Diskussionen am Regal ersparen und Kindern ermöglichen, sich später selbst ein Bild davon zu machen, woher ihr Essen kommt.

Was du tun kannst.

Häufige Fragen.

Was fordert die Petition „Weniger Werbung – weniger Nein“?

Ein gesetzliches Verbot von Werbung, die sich gezielt an Kinder richtet, für Lebensmittel, die die WHO-Nährwertkriterien nicht erfüllen. Dazu gehören Werbung in Kitas, Schulen und Games, digitales Targeting, Kinder-Influencer und Comicfiguren auf Verpackungen.

Wer steht hinter der Petition?

Zwölf Lebensmittelfirmen, darunter die Vegane Fleischerei, Hülsenreich, HaferZeit und Ackerherz. Koordiniert wird sie von „Berlin isst anders“, einer Initiative der Berliner Firma Civocracy.

Dürfen Süßigkeiten dann gar nicht mehr beworben werden?

Doch. Verkauf und Werbung an Erwachsene sollen erlaubt bleiben. Nur gezielt an Kinder gerichtete Werbung soll für Produkte wegfallen, die die WHO-Kriterien verfehlen.

Quellen ●

Pressemitteilung und Factsheet von „Berlin isst anders“ (Civocracy) vom 16. Oktober 2026, Bericht der Lebensmittel Zeitung, Mitteilung der Universität Hamburg zur Kinderwerbestudie 2021. Titelbild: Gustavo Fring / Pexels. Weitere Fotos: Berlin isst anders. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

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