Der Konzern hinter der Marke LIKE wächst weiter. Das LIVEKINDLY Collective hat die Übernahme des niederländischen Herstellers Dalco abgeschlossen, das hat das Unternehmen am 9. Oktober 2026 mitgeteilt. Verkäufer ist ausgerechnet ein Fleischkonzern: die britische Hilton Food Group. Der Deal zeigt, wie sich der Markt für pflanzliche Fleischalternativen gerade neu sortiert.
Kurz gesagt
- Käufer: LIVEKINDLY Collective mit den Marken LIKE, Oumph!, Fry’s und NoMeat
- Gekauft: Dalco Food aus Oosterhout in den Niederlanden, Hersteller pflanzlicher Produkte für Handelsmarken und Gastronomie
- Verkäufer: Hilton Food Group, ein britischer Fleisch- und Fischverarbeiter
- Preis: LIVEKINDLY nennt keinen. Hilton hat seinen Aktionären 5,4 Millionen Pfund gemeldet
- Als Nächstes: Die Übernahme des Münchner Herstellers Greenforce soll in den kommenden Wochen folgen
Inhalt6 Kapitel
Wer hier wen kauft.
Das LIVEKINDLY Collective wurde 2020 gegründet, um mehrere pflanzliche Marken unter einem Dach zu bündeln. In Deutschland kennt man vor allem LIKE, das bis vor Kurzem LikeMeat hieß und im Kühlregal vieler Supermärkte steht. Zur Gruppe gehören außerdem Oumph! aus Schweden, Fry’s aus Südafrika und NoMeat. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen rund 450 Menschen und verkauft in 40 Ländern. Produziert wird bisher in den Niederlanden, in Schweden und in Südafrika, der deutsche Sitz ist Düsseldorf.
Dalco ist ein anderer Typ Unternehmen. Der Betrieb aus Oosterhout wurde 1975 gegründet und hat rund 100 Beschäftigte. Eigene Marken kennt kaum jemand, denn Dalco produziert für andere: für die Eigenmarken von Supermärkten, für Gastronomie und für Lebensmittelhersteller. Gut möglich also, dass du schon einmal ein paniertes Schnitzel oder Nuggets von Dalco gegessen hast, ohne es zu wissen. Das Formen und Panieren pflanzlicher Produkte gilt als Spezialität des Werks.

Dalco soll am Standort mit dem bestehenden Team weiterarbeiten. Der Betriebsrat hat der Übernahme laut LIVEKINDLY ohne Einschränkungen zugestimmt.
Ein Fleischkonzern steigt aus.
Interessant ist, wer verkauft. Die Hilton Food Group verpackt und verarbeitet Fleisch und Fisch für große Handelsketten. 2018 stieg sie mit 50 Prozent bei Dalco ein, 2021 übernahm sie den Rest. Damals galt pflanzliches Fleisch als sicherer Wachstumsmarkt, und viele Fleischunternehmen kauften sich ein.
Jetzt zieht Hilton sich zurück. Im Juli 2026 meldete der Konzern den Verkauf für 5,4 Millionen Pfund und begründete ihn damit, sich auf das Kerngeschäft konzentrieren zu wollen. In seinem Halbjahresbericht steht eine Wertminderung von 16,7 Millionen Pfund auf das Geschäft. Hilton hat mit Dalco also deutlich Geld verloren.
Das passt zu den Marktzahlen. In Deutschland wurden 2025 laut Statistischem Bundesamt 124.900 Tonnen Fleischersatz hergestellt, 1,2 Prozent weniger als im Jahr davor. Nach Jahren mit zweistelligem Wachstum tritt die Branche auf der Stelle. Besonders die Eigenmarken des Handels, also genau das Geschäft von Dalco, haben nach Daten des Good Food Institute zuletzt an Menge verloren.
Was LIVEKINDLY vorhat.
Wenn ein Markt nicht mehr wächst, überleben die Großen. LIVEKINDLY setzt genau darauf. Das Unternehmen will nach eigenen Worten der führende Anbieter pflanzlicher Lebensmittel in Europa werden, mit eigenen Marken und als Produzent für andere. Mit Dalco bekommt es ein zusätzliches Werk, feste Kunden im Handel und Technik, die den eigenen Fabriken bisher fehlte.
„Genau das bauen wir auf: das führende Unternehmen für pflanzliche Lebensmittel in Europa.“
David Suarez, CEO des LIVEKINDLY Collective. Foto: LIKE
Der Zukauf ist Teil einer Serie. Im Juni wurde LIVEKINDLY als B Corp zertifiziert. Im Sommer unterschrieb das Unternehmen den Vertrag zur Übernahme von Greenforce aus München, bekannt für pflanzliche Produkte auf Erbsenbasis. Dieser Abschluss soll laut LIVEKINDLY in den kommenden Wochen folgen. Und im Herbst 2025 meldete die Gruppe ihren ersten Monat mit Gewinn. Umsatzzahlen veröffentlicht sie nicht.
Was sich für dich ändert.
Im Regal zunächst nichts. LIKE, Oumph! und Fry’s bleiben, was sie sind, und die Eigenmarken-Produkte aus Oosterhout tragen weiter den Namen des jeweiligen Händlers. Mittelfristig könnten neue Produkte dazukommen, vor allem Paniertes, weil Dalco dafür die Anlagen hat.
Die Produkte von LIKE sind laut Hersteller zu 100 Prozent pflanzlich. Bei Handelsmarken lohnt weiterhin der Blick auf die Zutatenliste, denn manche vegetarischen Eigenmarken-Produkte enthalten Hühnereiweiß. Wer LIKE noch nicht kennt, findet die Produkte im Kühlregal und teilweise bei Amazon.
Tierethische Einordnung.
Dass ein pflanzlicher Konzern einen Betrieb von einem Fleischkonzern übernimmt, klingt nach einer guten Nachricht, und für die rund 100 Beschäftigten ist es wohl auch eine. Ein Werk, das einem Fleischverarbeiter nur ein Nebengeschäft war, gehört jetzt einem Unternehmen, dessen einziges Geschäft pflanzliche Lebensmittel sind.
Ganz so einfach ist das Bild aber nicht. Zu den Investoren des LIVEKINDLY Collective gehört nach Berichten der Fachpresse die PHW-Gruppe, Deutschlands größter Geflügelkonzern und Mutter von Wiesenhof. Wer ein LIKE-Schnitzel kauft, isst kein Tier. Ein Teil des Gewinns kann trotzdem bei einem Unternehmen landen, das jedes Jahr hunderte Millionen Hühner schlachten lässt. Für PHW ist Pflanzliches ein zweites Standbein, wie wir im Artikel über den ProVeg-Report zu Proteinzielen beschrieben haben.
Für Tiere zählt am Ende, ob pflanzliche Produkte Fleisch ersetzen oder nur ergänzen. Solange die Schlachtzahlen nicht sinken, ist ein größerer Veggie-Konzern eine Veränderung im Regal und noch keine im Stall. Günstiger, besser und überall erhältlich zu werden, ist trotzdem der Weg, auf dem pflanzliche Produkte Fleisch verdrängen können. Dafür braucht es Unternehmen, die groß genug sind, um das zu leisten.
Häufige Fragen.
Wem gehört die Marke LIKE?
Dem LIVEKINDLY Collective. LIKE hieß früher LikeMeat. Zur selben Gruppe gehören Oumph!, Fry’s und NoMeat.
Was ist Dalco?
Ein niederländischer Hersteller pflanzlicher Lebensmittel aus Oosterhout, gegründet 1975. Dalco produziert vor allem für Handelsmarken, Gastronomie und andere Lebensmittelfirmen.
Was hat LIVEKINDLY für Dalco bezahlt?
LIVEKINDLY nennt keinen Preis. Der Verkäufer Hilton Food Group hat in einer Börsenmitteilung 5,4 Millionen Pfund angegeben.
Übernimmt LIVEKINDLY auch Greenforce?
Der Vertrag ist unterschrieben. Der Abschluss steht laut LIVEKINDLY in den kommenden Wochen an.
Quellen ●
Pressemitteilung des LIVEKINDLY Collective vom 9. Oktober 2026. Börsenmitteilung der Hilton Food Group vom 31. Juli 2026 und deren Halbjahresbericht. Statistisches Bundesamt zur Produktion von Fleischersatz 2025. Good Food Institute Europe zum deutschen Markt. Angaben zu Investoren und zum Einstieg von Hilton bei Dalco nach Berichten von Just Food und FoodNavigator. Bilder: LIKE. Der Link zu Amazon ist ein Affiliate-Link, als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Dieser Artikel ist keine Kooperation.
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