Zwei Tiger, mehrere Löwen, Jaguare, Ozelots und zahlreiche Papageien: Bei einer von INTERPOL koordinierten Aktion in neun Ländern Lateinamerikas und der Karibik haben Ermittler mehr als 1.000 lebende Tiere aus den Händen von Schmugglern geholt. 233 Menschen wurden festgenommen. Die Operation zeigt auch, wie eng Wildtierhandel, Abholzung und illegaler Goldabbau zusammenhängen, und dass die Spuren bis nach Europa führen.
Kurz gesagt
- Die Aktion: Operation „Madre Tierra VIII“, 1. Juni bis 31. Juli 2026, neun Länder von Mexiko bis Kolumbien
- Die Bilanz: 233 Festnahmen, 312 identifizierte Verdächtige, 313 Sicherstellungen, mehr als 330 Fälle
- Die Tiere: mehr als 1.000 lebende Tiere, darunter Großkatzen, Papageien, Aras, Reptilien und seltene Insekten
- Der Wald: 60.000 Hektar illegal gerodete Fläche identifiziert
- Das Geld: Deutschland finanziert die Arbeit über das Bundesumweltministerium mit
Inhalt7 Kapitel
Tiger an der Kette, Papageien im Karton.
Die meisten Tiere fanden die Behörden in Mexiko. Dort stießen Ermittler auf mehrere Großkatzen, darunter zwei Bengal-Tiger, einer davon ein seltener weißer Tiger, außerdem Löwen, Ozelots und Jaguare. Die Tiere wurden entlang von Routen entdeckt, über die kriminelle Netzwerke sonst Drogen und andere Schmuggelware bewegen. Wildtiere sind für diese Gruppen eine Ware unter vielen.
In Nicaragua beschlagnahmte die Polizei eine größere Zahl geschützter Vögel, vor allem Papageien sowie grüne und rote Aras. In Guatemala steckten Papageien in Kartons, in Costa Rica holten die Behörden Tukane und Leguane aus dem Handel, an einem mexikanischen Flughafen flogen geschmuggelte Käfer auf. Reptilien, seltene Insekten und exotische Vögel machten laut INTERPOL den größten Teil der Funde aus.
Hinzu kommen 165 Kilogramm getrocknete Haiflossen mit einem geschätzten Wert von 280.000 US-Dollar. Für diese Menge mussten viele Haie sterben. Beim sogenannten Finning werden den Tieren die Flossen abgeschnitten, oft noch lebend, und der Rest des Körpers geht zurück ins Meer.
Ein Wald so groß wie 73.000 Fußballfelder.
Die Operation richtete sich nicht nur gegen Tierhändler. Insgesamt identifizierten die Behörden 60.000 Hektar illegal gerodeten Wald. Der größte Einzelfall spielt in Kolumbien. Das Land hatte INTERPOL schon 2025 um Hilfe gebeten, weil elf ausländische Unternehmen im Verdacht stehen, im Amazonasgebiet mehr als 52.000 Hektar geschützten Wald abgeholzt zu haben. Das entspricht rund 73.000 Fußballfeldern.
Im Zuge der neuen Operation tauchten Verbindungen zu weiteren 161 Firmen und 65 Personen auf mehreren Kontinenten auf. Die Ermittler sprechen von gefälschten Genehmigungen, Briefkastenfirmen und Auslandsinvestitionen als Tarnung. INTERPOL gab mehrere internationale Fahndungs- und Warnmeldungen heraus, bei Razzien in Kolumbien wurden 16 Menschen festgenommen. Es handelt sich bisher um Verdachtsfälle, Urteile gibt es nicht.
In Costa Rica stellten die Behörden rund 4,6 Tonnen Zyanid und elf Behälter Quecksilber sicher. Beide Stoffe werden im illegalen Goldabbau eingesetzt und vergiften Flüsse, Böden und alles, was darin lebt.
Dem Geld folgen.
Neu ist vor allem der Ansatz. Statt nur die Menschen zu fassen, die Bäume fällen oder Tiere fangen, verfolgen die Ermittler Zahlungen, Firmen und Grundstücke. „Dem Geld zu folgen“, sagt Krandall Gullock, Leiter des INTERPOL-Regionalbüros für Zentralamerika, lenke den Blick auf die Unternehmen, die den Handel finanzieren, steuern und daran verdienen. Als Beispiel nennt er den Weg von einer illegalen Goldmine in Panama zu einem Käufer in Nordamerika, Europa oder Asien.
Thomas Ungerbuehler, stellvertretender Direktor für Umweltsicherheit bei INTERPOL, spricht von einem grenzüberschreitenden Problem. Länder mit großer Artenvielfalt würden immer häufiger zur Quelle für wertvolle Ware, die auf illegalen Märkten in aller Welt landet.
Was das mit Europa zu tun hat.
Laut INTERPOL hat die Operation Schmuggelkorridore offengelegt, die Lateinamerika mit Abnehmern in Europa und Asien verbinden. Europa ist einer der größten Märkte für exotische Haustiere. Papageien, Reptilien, Vogelspinnen und Käfer werden auch in Deutschland auf Börsen und im Internet gehandelt. Vieles davon ist legal, und genau das macht es Schmugglern leicht. Ein gefangener Wildvogel lässt sich mit den richtigen Papieren als Nachzucht ausgeben.
Deutschland ist an der Operation beteiligt, allerdings als Geldgeber. Sie lief im Rahmen des INTERPOL-Projekts GAIA, das vom Bundesumweltministerium über die Internationale Klimaschutzinitiative unterstützt wird. Ein zweites Projekt finanziert Norwegen. Koordiniert wurde von El Salvador aus.
Tierethische Einordnung.
Mehr als 1.000 gerettete Tiere sind eine gute Nachricht. Sie sind aber nur der Teil, der gefunden wurde. Für jeden Papagei, der lebend beim Käufer ankommt, sterben viele beim Fang und auf dem Transport, eingezwängt in Kartons, Rohre oder Koffer. Und für die geretteten Tiere ist die Geschichte nicht vorbei. Ein in Gefangenschaft aufgewachsener Tiger kann nicht ausgewildert werden. Er verbringt den Rest seines Lebens in einer Auffangstation, wenn es gut läuft.
Der Schmuggel existiert, weil es Menschen gibt, die ein wildes Tier besitzen wollen. Solange ein Ara im Wohnzimmer als schönes Hobby gilt und ein Tiger im Garten als Statussymbol, wird jemand liefern. Wer Tiere mag, kauft keine Wildtiere, auch keine legalen. Wie groß das Geschäft ist, zeigte schon eine frühere Razzia mit 20.000 geretteten Tieren. Und was Gefangenschaft für Wildtiere bedeutet, auch wenn sie legal ist, steht in unserem Artikel Warum Zoos nicht cool sind.
Was du tun kannst.
- Keine Wildtiere kaufen. Das gilt für Papageien, Reptilien und Insekten genauso wie für Souvenirs aus Haut, Zähnen, Federn oder Korallen.
- Auf Reisen keine Fotos mit Wildtieren. Tigerbabys, Faultiere oder Aras zum Anfassen stammen oft aus genau diesem Handel.
- Verdächtiges melden. Angebote für geschützte Arten im Netz kannst du beim Zoll oder bei der Naturschutzbehörde deines Bundeslands melden.
- Dich einlesen. Einen guten Einstieg ins Thema bieten Bücher über Wildtierhandel und Artenschutz.
Häufige Fragen.
Was ist die Operation Madre Tierra?
Eine wiederkehrende, von INTERPOL koordinierte Polizeiaktion gegen Umweltkriminalität in Lateinamerika und der Karibik. Die achte Ausgabe lief vom 1. Juni bis 31. Juli 2026 in neun Ländern.
Welche Länder waren beteiligt?
Kolumbien, Costa Rica, die Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua und Panama.
Was passiert mit den geretteten Tieren?
Dazu macht INTERPOL keine Angaben. In der Regel kommen beschlagnahmte Tiere in Auffangstationen. Heimische Arten werden wenn möglich wieder ausgewildert, bei Tigern und Löwen geht das nicht.
Ist der Handel mit exotischen Tieren in Deutschland verboten?
Nein. Für viele Arten braucht es Papiere nach dem Artenschutzabkommen CITES, ein generelles Verbot für den Handel mit Wildtieren gibt es nicht.
Quellen ●
Mitteilung von INTERPOL vom 7. Oktober 2026. Zitate aus dem Englischen übersetzt. Foto: Davide Negro / Pexels. Das Foto ist ein Symbolbild und zeigt keines der beschlagnahmten Tiere. Der Link zu Amazon ist ein Affiliate-Link, als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Dieser Artikel ist keine Kooperation.
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