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Straßenkatzen kastrieren wirkt, sagen Tierärzt*innen. Es fehlt vor allem Geld

Schwarz-weiße Katze vor einer verwitterten Holzwand
Straßenkatze. Foto: Burak Argun / Pexels

Kastrieren, kennzeichnen, zurücksetzen: Die meisten Tierärzt*innen, die sich an einer neuen Umfrage beteiligt haben, halten Kastrationsprogramme für Straßenkatzen für wirksam. Trotzdem werden zu wenige Tiere erreicht. Der wichtigste Grund ist das Geld. Das zeigt eine Online-Befragung von Humane World for Animals Deutschland unter 207 Tierärzt*innen, die am 15. Oktober 2026 erschienen ist.

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Kurz gesagt

  • Die Methode: 76 Prozent halten Trap-Neuter-Return für sehr wirksam, 18 Prozent für mäßig wirksam, niemand für unwirksam
  • Das Problem: 78 Prozent sagen, in ihrer Region werden zu wenige Katzen kastriert
  • Die größte Hürde: fehlendes Geld, 68 Prozent nennen es ein erhebliches Hindernis
  • Die Kommunen: Nur 8 Prozent der beteiligten Praxen arbeiten häufig mit ihrer Stadt oder Gemeinde zusammen
  • Die Forderung: eine bundesweite Katzenschutzverordnung mit Kastrationspflicht für Freigänger
Inhalt9 Kapitel
  1. 01Was Trap-Neuter-Return bedeutet
  2. 02Die Methode wirkt, aber sie erreicht zu wenige Katzen
  3. 03Woran es scheitert
  4. 04Die Kommunen halten sich raus
  5. 05Was die Tierärzt*innen fordern
  6. 06Wie belastbar die Umfrage ist
  7. 07Tierethische Einordnung
  8. 08Was du tun kannst
  9. 09Häufige Fragen

Was Trap-Neuter-Return bedeutet.

Hinter dem englischen Begriff steht ein einfaches Prinzip: Straßenkatzen werden mit Lebendfallen eingefangen, in einer Tierarztpraxis kastriert, gekennzeichnet und möglichst auch behandelt und dann dort wieder freigelassen, wo sie leben. Die Tiere bleiben in ihrem Revier, bekommen aber keinen Nachwuchs mehr. Über die Jahre schrumpft so die Gruppe.

Wie groß das Problem ist, haben wir in unserem Artikel über zwei Millionen Straßenkatzen in Deutschland beschrieben. Die Tiere leben auf Bauernhöfen, in Industriegebieten und Kleingärten. Viele sind krank, unterernährt und scheu. Fast alle stammen von Hauskatzen ab, die entlaufen sind, ausgesetzt wurden oder als Freigänger nie kastriert wurden.

Eine getigerte Katze läuft an einer Lebendfalle mit Humane-World-Aufkleber vorbei
Mit Lebendfallen werden Straßenkatzen für die Kastration eingefangen. Foto: Humane World for Animals

Die Methode wirkt, aber sie erreicht zu wenige Katzen.

Von den 207 Befragten sind 80 selbst an solchen Programmen beteiligt, 127 nicht. Über alle hinweg ist das Urteil deutlich: 76 Prozent halten die Methode für sehr wirksam. Gleichzeitig nennen 78 Prozent zu niedrige Kastrationsraten als Grund, warum sie in ihrer Region nicht genug bewirkt.

Das passt zu dem, was die Praxen leisten können. 59 Prozent der beteiligten Tierärzt*innen kastrieren 100 Straßenkatzen im Jahr oder weniger. Nur elf von 80 kommen auf mehr als 250 Eingriffe, zwei auf mehr als 500. Getragen wird die Arbeit fast nur von kleinen Praxen und nicht von Kliniken mit größeren Kapazitäten.

Ob die Zahl der Katzen tatsächlich sinkt, kann kaum jemand belegen. 41 Prozent der Befragten beobachten einen Rückgang, haben ihn aber nicht gemessen. 27 Prozent sehen keine Veränderung, und 32 Prozent sagen, sie hätten keine Daten. Der Bericht fordert deshalb, die Bestände künftig systematisch zu erfassen.

Woran es scheitert.

Auf einer Skala von 1 bis 5 erreicht fehlendes Geld als Hindernis einen Wert von 3,83, höher als alles andere. Auf Platz zwei folgt Zeitmangel. Nur ein Viertel der beteiligten Praxen rechnet die Kastrationen normal nach der Gebührenordnung ab. Die übrigen leben von Zuschüssen durch Tierschutzvereine oder Kommunen, verlangen weniger oder arbeiten teils umsonst.

Die Bereitschaft wäre da. 65 Prozent aller Befragten sagen, dass Zuschüsse vom Staat oder von Tierschutzorganisationen ihr Engagement „definitiv“ oder „wahrscheinlich“ erhöhen würden. Unter denen, die bisher gar nicht mitmachen, sind es 62 Prozent.

Dass die Bevölkerung gegen solche Programme wäre, sehen die Befragten kaum. Widerstand in der Bevölkerung bekam mit 1,45 den niedrigsten Wert aller Hindernisse. Allerdings nennen 58 Prozent mangelnde Unterstützung durch die Bevölkerung als Grund, warum die Programme in ihrer Region weniger wirken. Ablehnung ist also selten, Mithilfe aber auch.

Eine Tierärztin und ein Tierarzt bei einer Kastration im Behandlungsraum
Kastrationen bei Straßenkatzen übernehmen meist kleine Praxen. Foto: Humane World for Animals

Die Kommunen halten sich raus.

Die eigentliche Arbeit leisten Ehrenamtliche. 83 Prozent der beteiligten Tierärzt*innen arbeiten häufig oder sehr häufig mit privaten Katzenschützer*innen zusammen. Mit der eigenen Kommune tun das nur 8 Prozent häufig, 41 Prozent nie.

„Straßenkatzen sind ein gesellschaftliches und auch ein kommunales Tierschutzproblem“, sagt Sylvie Kremerskothen Gleason, Landesdirektorin von Humane World for Animals Deutschland. Ihre Versorgung bleibe aber vor allem an Ehrenamtlichen und Tierschutzvereinen hängen. „Das muss sich grundlegend ändern.“

Wie es um die Tierheime steht, die viele der Katzen am Ende aufnehmen, zeigt die Klage des Deutschen Tierschutzbunds gegen die Bundesregierung.

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Was die Tierärzt*innen fordern.

In den frei formulierten Antworten an die Politik stand eine Forderung mit Abstand vorn: eine bundesweite Katzenschutzverordnung. Sie würde Halter*innen von Freigängern verpflichten, ihre Katzen kastrieren, per Mikrochip kennzeichnen und registrieren zu lassen. Solche Regeln gibt es bisher nur in einzelnen Städten, Gemeinden und Ländern. 54 Prozent der Befragten haben eine in ihrer Region, und fast alle davon halten sie zumindest für teilweise hilfreich. Wer sie für nutzlos hält, begründet das meist damit, dass niemand sie durchsetzt.

Daneben wünschen sich die Befragten eine verlässliche öffentliche Finanzierung, mehr Fortbildungen, eine bessere Abstimmung mit Tierschutz und Kommunen und bundesweite Leitlinien für die Behandlung. Letzteres hat einen Grund: 74 Prozent der beteiligten Praxen impfen die Katzen bei der Kastration nicht, meist wegen der Kosten. Für viele Tiere ist der Eingriff aber der einzige Kontakt zu einer Tierärztin oder einem Tierarzt in ihrem Leben.

Auch in der Bevölkerung gibt es Rückhalt. Laut dem Tierschutz-Barometer 2026 von Humane World for Animals unterstützen 71,3 Prozent der Menschen in Deutschland eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigänger. Die Organisation sammelt dafür mit der Kampagne „Mandat für Tiere“ Unterschriften.

Wie belastbar die Umfrage ist.

Die Umfrage ging im Oktober 2025 an rund 6.000 Tierärzt*innen, die Datenerhebung endete im März 2026. Geantwortet haben 3,5 Prozent. Aus Hamburg und Bremen kam keine einzige Antwort. Der Bericht sagt selbst, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ sind. Wahrscheinlich haben vor allem diejenigen mitgemacht, die sich für das Thema interessieren, was die hohe Zustimmung zur Methode erklären kann.

Herausgeberin ist eine Tierschutzorganisation, die selbst Kastrationsprogramme fördert, seit 2024 in Schleswig-Holstein und seit 2025 in weiteren Bundesländern. Das macht die Zahlen nicht falsch. Es lohnt sich aber, sie als Stimmungsbild aus der Praxis zu lesen und nicht als Messung.

Tierethische Einordnung.

Hinter den zwei Millionen steht jede einzelne Katze, die mit Katzenschnupfen, Parasiten oder Bisswunden auf einem Hof lebt und jedes Jahr neue Junge bekommt, von denen viele nicht lange überleben. Kastration verringert dieses Leid, ohne dass ein Tier dafür getötet wird. Dass Praxen und Ehrenamtliche diese Arbeit fast allein und teils unbezahlt stemmen, zeigt, wie wenig Gewicht das Leben dieser Tiere in der Politik hat.

Die Ursache liegt bei uns Menschen. Straßenkatzen sind keine Wildtiere. Sie gibt es, weil Katzen als Freigänger unkastriert nach draußen dürfen, weil Kitten verschenkt und später ausgesetzt werden und weil niemand für ihren Nachwuchs geradesteht. Eine Kastrationspflicht für Freigänger würde genau dort ansetzen, wo das Problem jeden Tag neu entsteht.

Eine Katze sitzt nach der Kastration in einer Lebendfalle mit Decke
Nach dem Eingriff kommen die Katzen zurück in ihr Revier. Foto: Humane World for Animals

Was du tun kannst.

  • Die eigene Katze kastrieren lassen. Das gilt für jede Katze mit Freigang, auch wenn sie „nur im Garten“ unterwegs ist. Lass sie außerdem chippen und kostenlos bei TASSO oder FINDEFIX registrieren.
  • Straßenkatzen melden. Wenn du scheue, ungepflegte Katzen in deiner Nähe siehst, wende dich an den örtlichen Tierschutzverein. Fang sie nicht selbst ein.
  • Einen Katzenschutzverein unterstützen. Mit Geld, Futter oder Zeit. Viele Vereine brauchen Hilfe beim Transport in die Praxis, etwa mit einer stabilen Transportbox.
  • Bei deiner Gemeinde nachfragen. Ob es bei dir eine Katzenschutzverordnung gibt, weiß das Ordnungsamt. Wenn nicht, kannst du anregen, eine einzuführen.
  • Adoptieren statt kaufen. Tierheime haben jedes Jahr viele Katzen, die ein Zuhause suchen.

Häufige Fragen.

Was ist Trap-Neuter-Return?

Eine Methode, um Straßenkatzen-Bestände ohne Tötung zu verkleinern. Die Katzen werden eingefangen, kastriert, gekennzeichnet und in ihr Revier zurückgebracht. Sie leben weiter, bekommen aber keinen Nachwuchs mehr.

Gibt es in Deutschland eine Kastrationspflicht für Katzen?

Nicht bundesweit. Das Tierschutzgesetz erlaubt den Ländern, Katzenschutzverordnungen zu erlassen, die sie meist an Städte und Gemeinden weitergeben. Deshalb gilt eine Pflicht zur Kastration, Kennzeichnung und Registrierung von Freigängern nur in einzelnen Regionen.

Wie viele Straßenkatzen gibt es in Deutschland?

Tierschutzorganisationen schätzen ihre Zahl auf rund zwei Millionen. Eine amtliche Zählung gibt es nicht.

Ist die Umfrage repräsentativ?

Nein. Geantwortet haben 207 von rund 6.000 angeschriebenen Tierärzt*innen. Die Ergebnisse geben ein Bild aus der Praxis, lassen sich aber nicht auf alle Tierärzt*innen in Deutschland übertragen.

Quellen ●

Bericht „TNR in Deutschland: Was Tierärzt*innen leisten, erleben und benötigen“ und Pressemitteilung von Humane World for Animals Deutschland vom 15. Oktober 2026, Tierschutz-Barometer 2026. Titelbild: Burak Argun / Pexels. Weitere Fotos: Humane World for Animals. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

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