Weltweit im Tierheim helfen, ohne dafür zu zahlen: die Plattform World Animal Welfare
Zwanzig Tierheime angeschrieben, achtzehn haben nie geantwortet. Diese Erfahrung von vor sieben Jahren ist der Grund, warum es World Animal Welfare heute gibt. Die Plattform bringt Tierheime, Rescues und Lebenshöfe weltweit mit Freiwilligen zusammen, kostenlos für beide Seiten. Wir stellen das Projekt vor, ordnen ein, was Volunteering leisten kann, und sagen offen, warum wir als Partner dabei sind.
Quick-Answer: Was ist World Animal Welfare?
World Animal Welfare ist eine kostenlose Plattform, die Tierheime, Rescues und Lebenshöfe weltweit mit Freiwilligen zusammenbringt. Weder die Organisationen noch die Volunteers zahlen etwas, es gibt keine Programmgebühren und kein Pay-to-Volunteer. Gegründet hat sie die Unternehmensberaterin Jessica Dzikonski, die selbst jahrelang in Tierheimen mitgearbeitet hat. Nach Angaben der Organisation sind seit dem Launch im Juli 2026 über 85 Partnerorganisationen in mehr als 20 Ländern dabei, dazu rund 7.000 Community-Mitglieder. Wer helfen will, legt ein kostenloses Profil an, filtert nach Ort, Zeitraum und Fähigkeiten und schreibt die Einrichtung direkt an. Wichtig für Spenden aus Deutschland: World Animal Welfare ist als Nonprofit in den USA registriert, Spenden sind hierzulande nicht steuerlich absetzbar.
Zwanzig Anfragen, eine Zusage
Jessica Dzikonski, von allen Jessi genannt, arbeitet als Unternehmensberaterin und reist seit fast einem Jahrzehnt um die Welt. Wo sie ankam, suchte sie sich lokale Tierheime und bot ihre Zeit an. Kostenlos, an Wochenenden, im Urlaub, abends nach der Arbeit.
Vor sieben, acht Jahren schrieb sie rund zwanzig Einrichtungen an. Achtzehn antworteten nie. Eine sagte ab. Eine sagte zu.
Das klingt nach Desinteresse, ist aber das Gegenteil. In den meisten kleinen Tierheimen arbeiten zwei oder drei Menschen, die ohnehin am Limit sind. Jede beantwortete E-Mail ist eine Stunde weniger bei den Tieren. Eine unbekannte Person einzuarbeiten, ohne zu wissen, ob sie zwei Tage oder zwei Monate bleibt, ob sie mit einem verängstigten Hund umgehen kann oder beim ersten Anblick eines verletzten Tieres zusammenbricht, kostet Kraft, die niemand übrig hat.

Auf den bestehenden Volunteer-Plattformen fand sie kaum Abhilfe. Tierschutz ist dort meist eine kleine Kategorie neben Farmarbeit, Hostelrezeption und Sprachreisen. Wer alles wegfiltert, was nichts mit Tieren zu tun hat, bleibt mit einer Handvoll Angebote zurück, von denen die Hälfte veraltet ist.
500 Dollar pro Woche, um arbeiten zu dürfen
Bei ihrer Suche stieß Jessi auf ein Programm, das 500 US-Dollar pro Woche verlangte. Unterkunft und Verpflegung waren darin nicht enthalten. Das Geld war der Preis dafür, überhaupt mitarbeiten zu dürfen.
„Ein Volunteer gibt das Wertvollste, das er hat: seine Zeit.“
Ihr Argument dagegen ist schlicht: Zeit bekommt niemand zurück. Wer zusätzlich zahlen muss, um sie zu verschenken, kauft am Ende ein Erlebnis, bei dem die Einrichtung zur Kulisse wird. Genau dieses Muster ist aus der Voluntourismus-Debatte bekannt und hat in einigen Ländern eine Industrie hervorgebracht, in der Tiere zur Attraktion für zahlende Gäste werden.
Dass es beim Auslandstierschutz auf Seriosität ankommt, haben wir an anderer Stelle ausführlich aufgeschrieben: Woran du seriösen Auslandstierschutz erkennst.

Der Engpass ist das Matching
Der Kern ist keine Frage des guten Willens. Es fehlt an Struktur. Eine Einrichtung braucht vorab konkrete Angaben: Wie lange bleibst du? Hast du Erfahrung mit Hunden aus schlechter Haltung? Kannst du bei einer Kastrationsaktion assistieren, oder wird dir schlecht? Ohne diese Informationen kostet jede Anfrage mehrere Runden Hin und Her.
World Animal Welfare dreht den Ablauf um. Freiwillige legen ein Profil mit Fähigkeiten, Zeitraum und Belastbarkeit an. Organisationen veröffentlichen Einsätze mit Aufgaben, Unterkunft und Anforderungen. Danach schreiben die Freiwilligen direkt an, ohne Vermittlungsstelle dazwischen.
„Wir haben World Animal Welfare so aufgebaut, dass eine kleine Organisation mit drei Volunteers die gleiche Chance hat, gefunden zu werden, wie ein großes, gut finanziertes Sanctuary.“
Aktuell finden sich auf der Plattform Einsätze in einem Hundeheim im ländlichen Sizilien, auf den Galapagosinseln, in Moalboal auf den Philippinen, auf der Karibikinsel Mayreau, in Málaga, bei einem Affenprojekt im peruanischen Iquitos und in Hyderabad in Indien. Gesucht werden längst nicht nur Tierärztinnen. Auf den Listen stehen Gassigehen, Füttern, Ausmisten, Bauarbeiten, Social Media und Fundraising, das auch aus der Ferne funktioniert.

Wer hinter der Plattform steckt
World Animal Welfare ist Jessis Purpose-Projekt neben ihrem Job als Unternehmensberaterin. Die Organisation ist nach eigenen Angaben komplett bootstrapped, finanziert sich also aus eigener Tasche und hat keine Einnahmequelle. Es gibt keine Gebühren, keine Provision, kein Abo.
Das ist der Punkt, an dem man bei solchen Projekten normalerweise skeptisch wird, und die Skepsis ist berechtigt: Ein Modell ohne Einnahmen muss dauerhaft aus privater Kraft getragen werden. Bisher trägt es. Was die Plattform langfristig finanziert, ist die offene Frage, die auch Jessi so benennt.

Was als Nächstes geplant ist
Drei Vorhaben stehen auf der Roadmap, alle noch nicht live:
- Emergency Fund: Spenden sollen gebündelt und gezielt dorthin fließen, wo der Bedarf am dringendsten ist, statt einzelne Einrichtungen mit lauteren Kampagnen zu bevorzugen.
- Flight Angels: Adoptierte Tiere können nicht allein fliegen. Das Programm soll Reisende, die ohnehin ins Zielland fliegen, mit Tieren zusammenbringen, die auf ihre Ausreise warten. Der oder die Reisende bucht das Tier auf das eigene Ticket.
- Prozessberatung vor Ort: Jessi will Partnereinrichtungen jährlich besuchen, sie medial sichtbar machen und mit ihrer Beratungserfahrung helfen, Verwaltung zu automatisieren. Jede Stunde weniger Papierkram ist eine Stunde mehr bei den Tieren.

Ehrlich eingeordnet: Was Volunteering kann und was nicht
Wir halten das Projekt für sinnvoll und wollen trotzdem nicht so tun, als sei Freiwilligenarbeit im Ausland unkompliziert.
Zwei Wochen Hundeausführen lösen kein strukturelles Problem. Straßenhundpopulationen schrumpfen durch konsequente Kastrationsprogramme, nicht durch Besuche. Wer nur ein paar Tage bleibt, kann eine Einrichtung mehr Einarbeitungszeit kosten, als er an Arbeit zurückgibt. Deshalb ist die ehrliche Angabe des eigenen Zeitraums der wichtigste Teil des Profils.
Dazu kommt die Frage, was ein Einsatz mit einem selbst macht. Wer zum ersten Mal sieht, in welchem Zustand Tiere in ein Shelter kommen, geht damit nicht unberührt nach Hause. In unserem Gespräch mit Samara Eckardt ist genau das ein großes Thema, sie spricht offen über ihre Belastungsstörung nach Jahren im Tierschutz.
Und der unbequeme Teil: Ein Großteil des Leids, um das sich Tierheime kümmern, entsteht durch Entscheidungen, die weit vor dem Tierheim getroffen werden. Zucht, Aussetzen, ein Ernährungssystem, das Tiere als Ware behandelt. Ein Wochenende im Shelter ersetzt keine dieser Debatten. Es ersetzt aber auch nichts, wenn niemand hilft. Beides gilt gleichzeitig.

Warum wir als Partner dabei sind
This Is Vegan ist seit September 2026 offizieller Medienpartner von World Animal Welfare, unser Logo steht auf der Partnerseite der Plattform. Wir bekommen dafür kein Geld und geben keines. Wir stellen Reichweite zur Verfügung.
Der Grund ist unspektakulär: Eine kostenlose Plattform, auf der ein Tierheim in Guatemala genauso gefunden wird wie ein Sanctuary mit Marketingbudget, hat genau ein Problem, nämlich Bekanntheit. Ohne Freiwillige, die sie kennen, nützt das beste Matching nichts. Das ist die Stelle, an der ein Magazin tatsächlich etwas beitragen kann.
Wir werden über die Plattform weiter berichten, Einsätze vorstellen und Partnereinrichtungen sichtbar machen. Kritische Berichterstattung schließt das nicht aus. Wenn uns etwas auffällt, schreiben wir es.
Häufige Fragen
Kostet die Nutzung wirklich nichts?
Die Plattform selbst ist für Freiwillige und Organisationen kostenlos, es gibt keine Vermittlungs- oder Programmgebühr. Reise, Versicherung und meist auch die Unterkunft zahlst du selbst. Manche Einrichtungen stellen eine Unterkunft, das steht dann in der jeweiligen Ausschreibung.
Brauche ich eine Ausbildung im Tierbereich?
Nein. Viele Einsätze sind Grundarbeit: füttern, säubern, Gassi gehen, Gehege reparieren, Öffentlichkeitsarbeit. Für tiermedizinische Aufgaben ist eine entsprechende Qualifikation nötig, das steht in der Ausschreibung.
Wie lange sollte ich mindestens bleiben?
Je länger, desto besser für die Einrichtung. Zwei Wochen sind ein üblicher Einstieg, viele Organisationen wünschen sich einen Monat oder mehr. Kürzere Einsätze sind möglich, entlasten aber weniger, als viele denken.
Sind Spenden aus Deutschland steuerlich absetzbar?
Nein. World Animal Welfare ist nach eigenen Angaben ein in Delaware registriertes Nonprofit mit 501(c)(3)-Status, das gilt für Spenden aus den USA. Für Deutschland liegt keine Gemeinnützigkeit vor, eine Zuwendungsbestätigung fürs Finanzamt gibt es also nicht. Die Organisation gibt an, an einer Anerkennung in weiteren Ländern zu arbeiten.
Kann ich auch von zu Hause helfen?
Ja. Fundraising, Social Media, Übersetzungen und Webarbeit lassen sich remote erledigen und werden von vielen Einrichtungen dringender gebraucht als eine weitere Person vor Ort.
Was ist mit Lebenshöfen in Deutschland?
Die Plattform ist international ausgerichtet. Wer lieber in der Nähe helfen will, findet in unserem Lebenshof-Atlas Höfe im deutschsprachigen Raum, die fast alle Unterstützung suchen.
Unser Take
Es gibt viele Plattformen, die Gutes versprechen und dafür kassieren. Eine, die den Zugang verschenkt und das Geld weglässt, ist selten genug, um sie zu unterstützen.
Ob das Modell trägt, entscheidet sich in den nächsten Jahren an einer Frage: Bleiben genug Menschen dabei, damit ein Tierheim in Guatemala tatsächlich Hilfe bekommt und nicht nur ein weiteres Profil im Netz hat. Bekanntheit entscheidet hier über alles Weitere.
Wer ohnehin reist und ein paar Wochen Zeit hat: Das Profil ist in fünf Minuten angelegt. Wer nicht reist, kann von der Couch aus beim Fundraising helfen. Und wer beides nicht kann, teilt den Artikel mit jemandem, der es kann.
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Hinweis zur Transparenz: This Is Vegan ist Medienpartner von World Animal Welfare. Es fließt kein Geld in eine der beiden Richtungen. Angaben zu Reichweite, Partnerzahlen und Gemeinnützigkeit stammen von der Organisation und ließen sich von uns nicht unabhängig prüfen. Fotos: privat / World Animal Welfare. Titelbild: Straßenhunde-Foto Adobe Stock, Screenshot world-animal-welfare.com.
FAQ - Das fragen andere
Wer hinter der Plattform steckt?
Was als Nächstes geplant ist?
Warum wir als Partner dabei sind?
Kostet die Nutzung wirklich nichts?
Brauche ich eine Ausbildung im Tierbereich?
Wie lange sollte ich mindestens bleiben?
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