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Harvard-Affenversuche: Die NIH verkündete das Aus, doch Livingstones Labor bekommt weiter Fördergeld

Im Mai 2025 meldete die US-Gesundheitsbehörde NIH, sie habe die Förderung für Harvard-Studien an jungen Affen beendet.

Rhesusaffen-Mutter läuft über eine Mauer, ihr Junges sitzt auf ihrem Rücken
Symbolbild. Rhesusaffen-Mutter mit Jungtier in freier Umgebung in Indien. Foto: Adobe Stock

Ende Mai 2025 verkündete die US-Gesundheitsbehörde NIH einen Erfolg: Die Förderung für Harvard-Studien, bei denen jungen Affen die Augen zugenäht wurden, sei beendet. Sechzehn Monate später sieht die Förderdatenbank derselben Behörde anders aus. Die Neurobiologin Margaret Livingstone wird dort weiter als Leiterin von vier laufenden NIH-Projekten geführt, am 11. September 2026 kam ein neuer Bescheid über 850.148 Dollar dazu. Aufgebracht hat das der Daily Caller, ein konservatives US-Onlinemedium, am 23. September. Wir haben die Förderdaten selbst nachgesehen, und das Bild ist uneindeutiger, als es beide Seiten gern hätten.

Kurz gesagt

Die US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) schrieb am 29. Mai 2025 auf X, sie habe die Förderung für Harvard-Studien mit zugenähten Affenaugen beendet. In der NIH-Datenbank RePORTER laufen aber weiter vier Projekte unter Leitung von Margaret Livingstone. 2026 gingen 576.201 Dollar für ein Primatenprojekt und 850.148 Dollar für ein Harvard-weites Sehforschungszentrum an sie.

Offen ist, ob damit die umstrittenen Versuche an Affenbabys weiterlaufen. Für die beiden Projekte zur gestörten frühen Sehentwicklung zeigt die Datenbank 2026 keine neue Tranche. NIH-Direktor Jay Bhattacharya, Livingstone und das Gesundheitsministerium HHS haben laut Daily Caller nicht auf Anfragen reagiert.

Inhalt9 Kapitel
  1. 01Was passiert ist
  2. 02Was die NIH-Förderdatenbank zeigt
  3. 03Worum es in den Versuchen geht
  4. 04Kritik und Gegenposition
  5. 05Der Kurswechsel der US-Behörden
  6. 06Und in Deutschland?
  7. 07Tierethische Einordnung
  8. 08Wie Forschung ohne Affen gehen kann
  9. 09Häufige Fragen

Was passiert ist.

Am 29. Mai 2025 postete der offizielle NIH-Account auf X, man habe die Förderung „für Studien beendet, bei denen jungen Affen die Augen zugenäht wurden“ (übersetzt). Der Post stellte das in eine Reihe mit dem Ende von Versuchen an Katzen und Hunden in Militärlaboren. Tierrechtsorganisationen feierten, allen voran PETA, die zweieinhalb Jahre gegen Livingstones Labor kampagnt hatte. Eine Fördernummer nannte die Behörde nicht.

Am 21. September 2026 stellte das US-Gesundheitsministerium HHS eine neue Übersichtsseite zu seinem Kurs gegen Tierversuche online. Dort steht der Harvard-Fall bis heute als Meilenstein: „Cut funding“ für ein Harvard-Labor, datiert auf den 28. Mai 2025.

Zwei Tage später erschien im Daily Caller ein Bericht der Reporterin Emily Kopp mit der These, die NIH unter Direktor Jay Bhattacharya halte das Projekt trotz der Ankündigung am Leben. Der Daily Caller ist ein konservatives US-Onlinemedium, der Text rückt Bhattacharyas Verbindungen zu Harvard in den Vordergrund. Diese politische Lesart übernehmen wir nicht. Die Förderzahlen dagegen lassen sich öffentlich prüfen.

Was die NIH-Förderdatenbank zeigt.

In NIH RePORTER, der öffentlichen Datenbank aller NIH-Förderungen, ist Margaret S. Livingstone (Harvard Medical School) Stand 28. September 2026 Leiterin von vier Projekten:

  • R01EY025670, „Development of domains in inferotemporal cortex“ (Augenforschungsinstitut NEI, seit 2015). Laut Projektbeschreibung geht es um die Folgen abnormaler früher Seherfahrung bei jungen Makaken. Die letzte Tranche über 654.104 Dollar wurde am 14. März 2025 bewilligt, also vor der NIH-Ankündigung. Für 2026 ist keine neue Tranche verzeichnet, die Laufzeit reicht aber bis 31. März 2027. Laut White Coat Waste Project wurde sie im Januar 2026 kostenneutral verlängert.
  • R01NS123778, „Effects of abnormal early experience on IT circuitry“ (Neurologie-Institut NINDS). Auch hier geht es um die Wirkung gestörter früher Erfahrung auf das Objekterkennen im Gehirn. Bewilligt wurden 615.600 Dollar am 7. August 2025, gut zehn Wochen nach dem verkündeten Aus. Laufzeit bis 31. August 2027, eine Tranche für 2026 ist bisher nicht eingetragen.
  • R01EY036839, „Hierarchy of visuospatial codes in the primate temporal lobe“ (NEI), neu seit 1. Mai 2025 und bis 30. April 2029 angelegt. Bewilligt: 576.474 Dollar im April 2025 und 576.201 Dollar am 1. Juni 2026. Das Projekt arbeitet mit dauerhaft implantierten Elektroden im Schläfenlappen von Primaten, von Deprivation ist in der Beschreibung keine Rede.
  • P30EY012196, „Core Grant for Vision Research“ (NEI). Ein Infrastruktur-Zuschuss für Werkstätten, Viren-Labor und Rechentechnik, den laut Antrag 17 Sehforschungslabore in Harvard nutzen. Am 11. September 2026 bewilligt: 850.148 Dollar. Livingstone leitet das Zentrum, es finanziert aber keinen einzelnen Versuch.

Damit stimmt die Kernaussage des Daily Caller: Livingstones Labor bekommt weiter NIH-Geld für Forschung an Primaten. Belegt ist aber nicht, dass die Versuche an Affenbabys mit neuem Geld weiterlaufen. Die zwei Projekte, deren Beschreibung gestörte frühe Erfahrung nennt, haben 2026 keine neue Tranche erhalten.

Dazu kommt ein juristischer Faktor. Am 3. September 2025 hob Bundesrichterin Allison Burroughs in Massachusetts alle Förderstopps und Kündigungen gegen Harvard auf, die seit dem 14. April 2025 ergangen waren. Die Regierung ging in Berufung, das Verfahren liegt beim Bundesberufungsgericht für den First Circuit. Ob Livingstones Projekte unter diese Kündigungen fielen, geht aus den öffentlichen Unterlagen nicht hervor.

Worum es in den Versuchen geht.

Livingstone erforscht, wie das Gehirn lernt, Gesichter und Objekte zu erkennen. Ihr bekanntestes Verfahren: Junge Makaken werden von Geburt an ohne ihre Mütter aufgezogen, und zwar so, dass sie monatelang praktisch keine Gesichter zu sehen bekommen. In einem Preprint vom Februar 2026 beschreibt ihr Labor drei solche Tiere, die ein Jahr, 1,2 und 1,8 Jahre lang von Pflegepersonal mit Schweißermasken versorgt wurden. Später wurden den Affen Elektroden-Arrays dauerhaft ins Gehirn implantiert, um die Nervenzellen abzuleiten. Das Ergebnis der Arbeit, die noch kein Peer-Review durchlaufen hat: Die Tiere lernten später, Gesichter anzusehen, ihre Gesichtsverarbeitung blieb aber dauerhaft verändert.

Das Zunähen von Augenlidern, auf das sich der NIH-Post bezog, hat Livingstone 2022 gegenüber der Harvard Crimson eingeräumt. Es habe zwei Fälle im Jahr 2016 gegeben, weitere seien nicht geplant, sagte sie damals.

Größere Empörung löste 2022 ein Aufsatz in der Fachzeitschrift PNAS aus. Unter dem Titel „Triggers for mother love“ beschreibt Livingstone Affenmütter, denen ihre Neugeborenen kurz nach der Geburt weggenommen wurden. Nach dem Aufwachen aus der Betäubung bekamen einige von ihnen weiche Stofftiere angeboten, die sie annahmen und teils monatelang mit sich herumtrugen. Livingstone knüpft ausdrücklich an die Versuche von Harry Harlow aus den 1950er-Jahren an, der Affenbabys mit Ersatzmüttern aus Draht und Stoff aufzog. Die Beobachtungen seien nebenbei bei anderen Versuchen entstanden, erklärte sie später.

Kritik und Gegenposition.

Kurz nach Erscheinen des PNAS-Aufsatzes forderten mehr als 250 Wissenschaftler:innen in einem Brief an die Zeitschrift den Rückzug. PNAS zog den Text nicht zurück. Im Februar 2023 baten mehr als 380 Forschende die NIH in einem weiteren Brief, Primatenversuche an der Harvard Medical School ohne ökologische Aussagekraft nicht mehr zu finanzieren. Initiiert hatten ihn Mitglieder der Animal Law & Policy Clinic der Harvard Law School und das Wild Minds Lab der schottischen Universität St Andrews.

PETA führte ab Herbst 2022 eine Kampagne mit Anzeigen, Beschwerden bei Bundesbehörden und nach eigenen Angaben 700.000 E-Mails. Auf den Daily-Caller-Bericht reagierte die Organisation mit Widerspruch: Die Informationen seien falsch, die Förderung der Versuche an Affenbabys sei gestrichen, sagte PETA-Vizepräsidentin Kathy Guillermo gegenüber US-Medien. Das White Coat Waste Project, das gegen steuerfinanzierte Tierversuche kampagnt, sieht es anders. Der Daily Caller zitiert Präsident Anthony Bellotti, die Lichter in Livingstones Primatenlabor „brennen noch“ (übersetzt).

Harvard und Livingstone verteidigen die Forschung. Die Harvard Medical School nannte die PETA-Darstellung 2022 irreführend, Teile der gezeigten Videos und Fotos stammten nicht aus Livingstones Labor. Die Beobachtungen zur Mutterbindung könnten helfen, Frauen nach einer Fehl- oder Totgeburt beizustehen. Harvard hält den regulierten Einsatz von Tiermodellen für unverzichtbar. Livingstone selbst verwies laut Daily Caller auf mögliche Therapieansätze bei Tremor, Alzheimer und dem Hirntumor Glioblastom. Einen konkreten Nachweis dafür hat sie öffentlich nicht vorgelegt, PETA fordert ihn seit Jahren. Beide oben genannten Fachaufsätze geben an, dass die Tierversuchskommission der Harvard Medical School die Versuche genehmigt hat.

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Der Kurswechsel der US-Behörden.

Der Fall Livingstone spielt vor einem größeren Umbau. Seit 2025 haben die US-Gesundheitsbehörden eine ganze Reihe von Schritten weg vom Tierversuch angekündigt:

  • 10. April 2025: Die Arzneimittelbehörde FDA legt einen Fahrplan vor, um Tierversuchspflichten zuerst bei monoklonalen Antikörpern schrittweise abzubauen. Gerade dort wurden bisher viele Affen eingesetzt.
  • 29. April 2025: Die NIH kündigt an, humanbasierte Forschungsmethoden zu bevorzugen.
  • 10. Juli 2025: Die NIH schreibt keine Förderprogramme mehr aus, die ausschließlich Tiermodelle unterstützen.
  • 1. Oktober 2025: Fördergeld darf nun auch dafür verwendet werden, Versuchstiere in den Ruhestand oder in Vermittlung zu geben.
  • 2. Dezember 2025: Die FDA legt einen Leitlinienentwurf vor, der Sicherheitsstudien an Primaten für bestimmte Antikörper verschlanken soll.
  • 18. März 2026: Die NIH gibt 150 Millionen Dollar für sogenannte New Approach Methodologies (NAMs), also tierfreie Verfahren. Im Juni folgt ein eigenes NIH-Büro dafür.
  • 21. September 2026: Das HHS verkündet ein neues Paket. Die NIH investiert mehr als 88 Millionen Dollar in Infrastruktur, plant ein Labor für standardisierte menschliche Organoide und prüft per öffentlicher Anfrage, ob sie künftig jährlich veröffentlicht, wie viele Wirbeltiere in NIH-finanzierten Projekten eingesetzt werden. Die FDA streicht per Verordnung Formulierungen wie „Tierversuche“ aus ihren Regeln und ersetzt sie durch „nichtklinische Tests“. Nach HHS-Angaben sollen mehrere FDA-Leitlinien der vergangenen Monate jährlich Hunderten Primaten Versuche ersparen. Die Seuchenschutzbehörde CDC will gesunde Affen dauerhaft in einer Auffangstation unterbringen.

Das ist eine echte Richtungsänderung. Verboten wird damit aber nichts. Die FDA-Regel erlaubt tierfreie Methoden, sie schreibt sie nicht vor. Und die NIH finanziert weiter Tierversuche in großem Umfang, wie viele Tiere genau, weiß die Öffentlichkeit bisher nicht. Genau diese Lücke soll die geplante Zählung schließen. Der Harvard-Fall zeigt, wie weit Pressemitteilung und Förderpraxis auseinanderliegen können.

Und in Deutschland?.

Auch hierzulande werden Affen in Tierversuchen eingesetzt, allerdings in sinkender Zahl. Laut der Versuchstierstatistik 2024 des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) gab es 1.088 Einsätze von Affen und Halbaffen, 35 Prozent weniger als im Vorjahr und ein neuer Tiefstand. Weil rund 19 Prozent der Tiere mehrfach verwendet werden, waren es 876 Affen, die zum ersten Mal in der Statistik auftauchten. Eingesetzt werden sie vor allem für gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen bei der Zulassung neuer Arzneimittel. Menschenaffen wurden in Deutschland zuletzt 1991 für Versuche verwendet. Insgesamt zählte das Bf3R für 2024 rund 1,33 Millionen Versuchstiere.

Rechtlicher Rahmen ist die EU-Tierversuchsrichtlinie 2010/63/EU. Nach Artikel 8 dürfen Affen nur für bestimmte Zwecke eingesetzt werden, darunter Grundlagenforschung, Forschung zu schweren oder lebensbedrohlichen Krankheiten und vorgeschriebene Sicherheitsprüfungen. Versuche an Menschenaffen sind bis auf eine Notfallklausel verboten. Grundlagenforschung an Affen, wie Livingstone sie betreibt, ist in der EU also grundsätzlich genehmigungsfähig. Auch der EU-Fahrplan vom Juni 2026 für den Ausstieg aus Tierversuchen bei der Sicherheitsbewertung klammert die Grundlagenforschung aus, mehr dazu in unserem Überblick über Alternativen zu Tierversuchen. Zum Vergleich die Schweiz: Dort stieg die Zahl der eingesetzten Primaten 2025 von 195 auf 224, wie unsere Auswertung der Schweizer Tierversuchsstatistik zeigt.

Tierethische Einordnung.

Rhesusaffen sind hochsoziale Tiere. Junge bleiben monatelang am Körper der Mutter, sie lernen über Blicke, Mimik und Berührung, wer zur Gruppe gehört und wem sie trauen können. Genau diese Bindung ist in Livingstones Versuchen das Material. Ein Jungtier, das in seinem ersten Lebensjahr kein Gesicht sehen darf, und eine Mutter, die nach dem Aufwachen ein Stofftier an sich drückt, sind keine Randnotizen eines Versuchsprotokolls. Beide erleben den Verlust.

Drei Makaken sitzen eng aneinandergeschmiegt, in der Mitte ein Jungtier

Symbolbild. Makaken leben in engen sozialen Verbänden, Jungtiere bleiben lange bei der Mutter. Foto: Adobe Stock

Ob solche Versuche wissenschaftlich ergiebig sind, lässt sich diskutieren, und die Studienlage zur Übertragbarkeit von Tierversuchen fällt ernüchternd aus. Für uns entscheidet das die Frage allerdings nicht. Auch ein Versuch, der funktioniert, macht aus einem fühlenden Tier kein Werkzeug. Dass Harry Harlows Mutterentzugs-Experimente heute als Lehrbuchbeispiel für Grausamkeit gelten, während 2022 eine Fortsetzung desselben Gedankens in einer der angesehensten Fachzeitschriften erscheint, sagt viel über die Gewöhnung an Tierleid im Labor.

Auffällig ist auch, wie ungleich der Maßstab angelegt wird. Wer in den USA Videos von gequälten Affen in Auftrag gibt, kann dafür jahrelang ins Gefängnis gehen. Im genehmigten Versuch gilt dasselbe Leid als Kosten eines Erkenntnisgewinns. Die Debatte um Livingstone ist deshalb eine Debatte darüber, wo wir die Grenze ziehen, und die NIH hat sie mit ihrem Post vom Mai 2025 selbst eröffnet. Wer das Ende grausamer Versuche verkündet, muss es auch in den eigenen Förderdaten einlösen.

Wie Forschung ohne Affen gehen kann.

Die Frage, wie das Gehirn Gesichter erkennen lernt, lässt sich auch ohne Tierleid bearbeiten. Bildgebung wie fMRT funktioniert schon bei Säuglingen, ohne Eingriff. Eine besonders aussagekräftige Quelle sind Kinder, die blind geboren wurden, etwa durch angeborenen Grauen Star, und erst nach einer Operation sehen lernen. Projekte wie Project Prakash des MIT in Indien untersuchen genau diese späte Sehentwicklung, und die Kinder bekommen dabei eine Behandlung, die ihnen sonst fehlen würde. Dazu kommen Computermodelle wie tiefe neuronale Netze, die in der Sehforschung längst Standard sind. Selbst Livingstones aktuelles Primatenprojekt nutzt sie.

Hand im blauen Handschuh pipettiert Flüssigkeit in eine Zellkulturplatte im Labor

Symbolbild. Zellbasierte Methoden gehören zu den Verfahren, die die US-Behörden stärker fördern wollen. Foto: Adobe Stock

Für Medikamente und Sicherheitsprüfungen, wo in Deutschland die meisten Affen eingesetzt werden, entstehen Organoide, Organ-Chips und computergestützte Verfahren, einige sind schon behördlich anerkannt. Was davon heute schon trägt und wo es noch hakt, haben wir im Ratgeber zu den Alternativen zu Tierversuchen zusammengetragen. Wie Ärztinnen und Ärzte selbst auf Tierversuche blicken, erklärt das Experteninterview mit Ärzte gegen Tierversuche, auch als Video:

Dass Umsteuern möglich ist, zeigen andere Länder: Großbritannien steckt 22 Millionen Pfund in tierversuchsfreie Forschung, und beim Botox-Test an Mäusen rückt ein Ende näher. Wenn selbst die US-Gesundheitsbehörden inzwischen Hunderte Affen pro Jahr aus der Arzneimittelprüfung herausnehmen wollen, ist tierfreie Forschung keine Utopie mehr. Sie braucht Geld, Validierung und Behörden, die ihre Ankündigungen auch in der Förderpraxis umsetzen. Wir bleiben dran.

Häufige Fragen.

Wer ist Margaret Livingstone?

Margaret S. Livingstone ist Neurobiologin an der Harvard Medical School in Boston. Sie erforscht seit Jahrzehnten das Sehen und die Gesichtserkennung, vor allem an Rhesusaffen. Bekannt wurde sie außerhalb der Fachwelt durch Versuche, bei denen junge Affen ohne Gesichter aufwachsen, und durch ihren PNAS-Aufsatz „Triggers for mother love“ von 2022.

Hat die NIH die Harvard-Affenversuche gestoppt?

Die NIH erklärte am 29. Mai 2025, die Förderung beendet zu haben, nannte aber keine Fördernummer. In der Datenbank RePORTER laufen unter Livingstones Leitung weiter vier Projekte, 2026 wurden 576.201 und 850.148 Dollar neu bewilligt. Für die zwei Projekte zu gestörter früher Seherfahrung ist 2026 bisher keine neue Tranche eingetragen. Ob die Versuche an Jungtieren noch laufen, ist öffentlich nicht belegt.

Werden in Harvard Affenbabys die Augen zugenäht?

Nach Livingstones eigener Aussage von 2022 gab es zwei solche Fälle im Jahr 2016, weitere seien nicht geplant. Die Gesichtsdeprivation lief nach ihren Veröffentlichungen über Pflegepersonal mit Schweißermasken, sodass die Jungtiere monatelang keine Gesichter sahen.

Wie viele Affen werden in Deutschland für Tierversuche eingesetzt?

Laut Bf3R gab es 2024 in Deutschland 1.088 Einsätze von Affen und Halbaffen, 35 Prozent weniger als 2023. 876 Tiere wurden erstmals gemeldet. Sie werden überwiegend für vorgeschriebene Prüfungen im Rahmen der Arzneimittelzulassung eingesetzt.

Ist der Daily Caller eine seriöse Quelle?

Der Daily Caller ist ein konservatives US-Onlinemedium mit klarer politischer Ausrichtung. Wir haben ihn deshalb nur als Anlass genutzt und die Kernaussagen an den Primärquellen geprüft, vor allem an NIH RePORTER, den Veröffentlichungen von HHS und NIH sowie Livingstones Fachaufsätzen.

So haben wir recherchiert

Anlass war der Bericht des Daily Caller vom 23. September 2026. Alle Förderbeträge, Bewilligungsdaten und Laufzeiten stammen direkt aus NIH RePORTER (Abfrage vom 28. September 2026, Projekte R01EY025670, R01NS123778, R01EY036839, P30EY012196). Die NIH-Aussage stammt aus dem NIH-Post auf X vom 29. Mai 2025, der Behördenkurs aus der HHS-Mitteilung und der HHS-Übersicht vom 21. September 2026 sowie der FDA-Mitteilung vom 10. April 2025. Zu den Versuchen haben wir die Originalarbeiten gelesen: Livingstone, PNAS 2022 und Sharma und Livingstone, bioRxiv 2026 (Preprint ohne Peer-Review). Livingstones Aussage zu den zugenähten Augenlidern und die Briefe der Forschenden sind in der Harvard Crimson dokumentiert. Deutsche Zahlen: Bf3R, Versuchstierzahlen 2024.

Offen: Welche Förderung die NIH im Mai 2025 konkret gekündigt hat, hat die Behörde nicht öffentlich benannt. Ebenso offen ist, ob Livingstones Projekte von der Gerichtsentscheidung vom September 2025 betroffen waren. Die Angabe zur kostenneutralen Verlängerung von R01EY025670 stammt vom White Coat Waste Project und ist in RePORTER nur indirekt über die verlängerte Laufzeit sichtbar. PETA, White Coat Waste Project, Harvard und die US-Behörden sind in dieser Auseinandersetzung Partei, ihre Aussagen sind als solche gekennzeichnet. NIH, HHS und Livingstone haben sich zum Daily-Caller-Bericht nicht geäußert.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was passiert ist.?
Am 29. Mai 2025 postete der offizielle NIH-Account auf X, man habe die Förderung „für Studien beendet, bei denen jungen Affen die Augen zugenäht wurden“ (übersetzt). Der Post stellte das in eine Reihe mit dem Ende von Versuchen an Katzen und Hunden in Militärlaboren. Tierrechtsorganisationen feierten, allen voran PETA, die zweieinhalb Jahre gegen Livingstones Labor kampagnt hatte.
Was die NIH-Förderdatenbank zeigt.?
In NIH RePORTER, der öffentlichen Datenbank aller NIH-Förderungen, ist Margaret S. Livingstone (Harvard Medical School) Stand 28. September 2026 Leiterin von vier Projekten: R01EY025670, „Development of domains in inferotemporal cortex“ (Augenforschungsinstitut NEI, seit 2015). Laut Projektbeschreibung geht es um die Folgen abnormaler früher Seherfahrung bei jungen Makaken.
Wie Forschung ohne Affen gehen kann.?
Die Frage, wie das Gehirn Gesichter erkennen lernt, lässt sich auch ohne Tierleid bearbeiten. Bildgebung wie fMRT funktioniert schon bei Säuglingen, ohne Eingriff. Eine besonders aussagekräftige Quelle sind Kinder, die blind geboren wurden, etwa durch angeborenen Grauen Star, und erst nach einer Operation sehen lernen.
Wer ist Margaret Livingstone?
Margaret S. Livingstone ist Neurobiologin an der Harvard Medical School in Boston. Sie erforscht seit Jahrzehnten das Sehen und die Gesichtserkennung, vor allem an Rhesusaffen. Bekannt wurde sie außerhalb der Fachwelt durch Versuche, bei denen junge Affen ohne Gesichter aufwachsen, und durch ihren PNAS-Aufsatz „Triggers for mother love“ von 2022.
Hat die NIH die Harvard-Affenversuche gestoppt?
Die NIH erklärte am 29. Mai 2025, die Förderung beendet zu haben, nannte aber keine Fördernummer. In der Datenbank RePORTER laufen unter Livingstones Leitung weiter vier Projekte, 2026 wurden 576.201 und 850.148 Dollar neu bewilligt. Für die zwei Projekte zu gestörter früher Seherfahrung ist 2026 bisher keine neue Tranche eingetragen.
Werden in Harvard Affenbabys die Augen zugenäht?
Nach Livingstones eigener Aussage von 2022 gab es zwei solche Fälle im Jahr 2016, weitere seien nicht geplant. Die Gesichtsdeprivation lief nach ihren Veröffentlichungen über Pflegepersonal mit Schweißermasken, sodass die Jungtiere monatelang keine Gesichter sahen.