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Weiße Labormaus im Porträt vor dunklem Hintergrund
Hinter jeder Zahl in der Statistik steht ein einzelnes empfindungsfähiges Tier.
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Für glatte Stirnen ersticken bis heute Mäuse. Damit könnte bald Schluss sein: Das Europäische Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) hat angekündigt, den qualvollen Maus-Test für Botox schrittweise aus dem Europäischen Arzneibuch zu streichen. Ärzte gegen Tierversuche wertet das als Erfolg von fast zwei Jahrzehnten Kampagnenarbeit.

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Was ist passiert?

Das EDQM und die Europäische Pharmakopöe-Kommission setzen ihre Arbeitsgruppe zu Botulinumtoxin wieder ein. Sie soll einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus dem LD50-Maustest entwickeln und die entsprechenden Texte des Europäischen Arzneibuchs überarbeiten. Angekündigt hat das EDQM den Schritt am 7. August, Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) hat ihn am 25. August öffentlich eingeordnet.

Verbindliche Fristen gibt es noch keine, genau die fordert ÄgT jetzt.

Der Test, um den es geht

Hand mit Plastikhandschuhen hält eine weiße Labormaus
Für die Qualitätskontrolle von Botox werden bis heute Mäuse eingesetzt. Symbolbild.

Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, wird medizinisch eingesetzt, etwa bei Lidkrämpfen oder bestimmten Bewegungsstörungen. Überwiegend dient das Nervengift aber der Faltenglättung. Für die Qualitätskontrolle werden Mäuse unterschiedlichen Dosen ausgesetzt: Sie erleiden Lähmungen und Atemnot, viele ersticken qualvoll. Der sogenannte LD50-Test ermittelt die Dosis, die für die Hälfte der Tiere tödlich ist, und ist nach EU-Recht in den höchsten Schweregrad „schwer” eingestuft.

Das Absurde daran: Zuverlässige zellbasierte, tierversuchsfreie Testmethoden stehen seit Jahren zur Verfügung. Wie viele Mäuse jährlich für Botox-Tests eingesetzt werden, zu welchen Zwecken und bei welchen Unternehmen, ist übrigens bis heute nicht transparent, auch das kritisiert ÄgT. Warum Tierversuche generell schlechter übertragbar sind, als ihr Ruf behauptet, haben wir in unserer Auswertung der Studienlage aufgeschrieben.

Fast zwei Jahrzehnte Druck

Wissenschaftlerin am Mikroskop im Labor
Zellbasierte Methoden können den Maus-Test ersetzen, verfügbar sind sie seit Jahren. Symbolbild.

Ärzte gegen Tierversuche und die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) kämpfen seit fast zwanzig Jahren gegen die Botox-Tests. 2023 übergaben sie mehr als 164.000 Unterschriften aus ganz Europa an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), die das Thema daraufhin auf ihre Agenda setzte. Aktuell laufen die Kampagnen „Stoppt Botox-Tierversuche” (ÄgT) und „Stop Botox Animal Testing!” (ECEAE).

„Wir freuen uns außerordentlich über das klare Bekenntnis des EDQMs, die grausamen LD50-Tests für Botox endlich auslaufen zu lassen. Entscheidend ist nun, dass der angekündigte Fahrplan zügig entwickelt wird und verbindliche Fristen enthält, die kurzfristig in Kraft treten.”

Dr. Dilyana Filipova, wissenschaftliche Referentin bei Ärzte gegen Tierversuche

„Unsere beharrliche gemeinsame Arbeit und der Druck zehntausender Unterstützer haben dazu beigetragen, dass die Problematik heute nicht mehr ignoriert werden kann.”

Dr. Dilyana Filipova

Erst die Kaninchen, jetzt die Mäuse

Die EDQM-Mitteilung trägt einen bemerkenswerten Titel: „First rabbits, now mice”, erst Kaninchen, jetzt Mäuse. Gemeint ist das Muster dahinter: Das Europäische Arzneibuch hat bereits den Pyrogentest an Kaninchen gestrichen, jetzt ist der Maus-Test für Botox dran. Tierversuchsfreie Methoden ersetzen Stück für Stück Tests, die jahrzehntelang als alternativlos galten.

Nur noch bis 31. August: Petition gegen das Tierversuchsgesetz

Parallel läuft der Endspurt der Bundestagspetition gegen das geplante Tierversuchsgesetz, das den Tierschutz nach Einschätzung von zehn Verbänden schwächen würde. Über 65.000 Menschen haben bereits unterschrieben, das Quorum ist längst erreicht, gezeichnet werden kann nur noch bis zum 31. August. Worum es geht, steht in unserem Artikel zur Petition.

Ärzte gegen Tierversuche im TIV-Podcast

Wie sinnvoll Tierversuche wirklich sind, warum über 90 Prozent der im Tierversuch erfolgreichen Wirkstoffe beim Menschen scheitern und was moderne Forschung stattdessen kann, darüber haben wir mit Dr. med. vet. Corina Gericke und Claus Kronaus von Ärzte gegen Tierversuche gesprochen. Das ausführliche Interview gibt es hier zum Nachlesen, die komplette Podcast-Folge direkt hier. Ein Klick auf das Vorschaubild startet den Player, vorher lädt nichts von YouTube.

Wir verfolgen, wie schnell aus der Ankündigung ein verbindlicher Fahrplan wird, und melden uns, sobald das EDQM Fristen nennt.

Transparenz und Quellen

Grundlage dieses Artikels sind die Pressemitteilung von Ärzte gegen Tierversuche e.V. vom 25. August 2026 und die dort zitierte EDQM-Mitteilung „First rabbits, now mice” vom 7. August 2026, Stand 27. August 2026. Die Zitate von Dr. Dilyana Filipova stammen aus der ÄgT-Mitteilung. Die Angaben zur Bundestagspetition (über 65.000 Unterschriften, Frist 31. August) stammen von Ärzte gegen Tierversuche, Stand 10. August 2026.

Die Bilder in diesem Artikel sind Symbolbilder aus unserer Mediathek.

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