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Bonnie Strange in der Katjes-Kampagne zur Umstellung der Fruchtgummis auf vegan
Foto: Katjes
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Katjes meldet für das erste Halbjahr 2026 ein Umsatzplus von 55 Prozent auf 256 Millionen Euro. Wer jetzt denkt, die veganen Fruchtgummis hätten den Sprung gemacht, liegt falsch: Die Zahl kommt von einer anderen Gesellschaft als der mit den Grün-Ohr Hasen, und getrieben hat sie eine Skimodenmarke. Trotzdem steckt in der Katjes-Gruppe eine der konsequentesten veganen Umbaugeschichten der deutschen Süßwarenbranche. Wir haben beides auseinandersortiert.

Quick-Answer: Wächst Katjes wegen der veganen Produkte?

Nein, jedenfalls nicht in diesen Zahlen. Die gemeldeten 256 Millionen Euro Umsatz und das Plus von 55 Prozent stammen von Katjes International, der Markenholding der Gruppe. Der Sprung kommt vor allem aus der Übernahme der Modemarke Bogner (September 2025) und dem Zukauf der britischen Snackmarke Graze (Februar 2026). Die veganen Fruchtgummis macht die rechtlich eigenständige Schwester Katjes Fassin, die keine eigenen Halbjahreszahlen veröffentlicht. Das vegane Wachstum ist trotzdem real: Katjes stellte 2016 das komplette Sortiment auf vegetarisch um, inzwischen ist der Großteil vegan, und laut Tagesspiegel hält die Marke rund 50 Prozent Marktanteil bei veganen Fruchtgummis in Deutschland.

Bonnie Strange in der Katjes-Kampagne zur Umstellung der Fruchtgummis auf vegan
2022 verkündete Katjes mit Bonnie Strange die Umstellung eines Großteils der Fruchtgummis auf vegan. Foto: Katjes

Was in der Mitteilung steht

Am 8. September hat Katjes International die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Der Konzernumsatz stieg um rund 55 Prozent auf 256,0 Millionen Euro (Vorjahr: 164,8 Millionen). Das EBITDA legte um rund 14 Prozent auf 15,8 Millionen Euro zu. Zum 30. Juni lag das Eigenkapital bei 255,1 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote bei rund 30 Prozent, die Liquidität bei 74,1 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bestätigt das Unternehmen die Prognose von mindestens 650 Millionen Euro Umsatz bei einer EBITDA-Marge zwischen 10 und 12 Prozent.

Das Unternehmen nennt die Treiber selbst: die erstmalige Einbeziehung der Bogner-Gesellschaften, an denen Katjes seit September 2025 die Mehrheit hält, und die Konsolidierung von Graze seit Februar 2026. Graze ist eine britische Healthy-Snacking-Marke, die Katjes von Unilever übernommen hat, samt Produktionsstandort in London mit rund 180 Mitarbeitenden. Im Mai 2026 kamen noch rund 27 Prozent an der italienischen Luxusmarke Missoni dazu.

Weil das Modegeschäft traditionell in der zweiten Jahreshälfte stattfindet, erwartet Katjes für den weiteren Jahresverlauf eine deutliche Ergebnissteigerung. Mit Fruchtgummi hat das alles wenig zu tun.

Drei Schwestern, ein Name

Der Grund für das Missverständnis liegt in der Struktur. Hinter dem Namen Katjes stecken drei rechtlich selbstständige Gesellschaften mit Sitz in Emmerich am Rhein, die nebeneinander stehen, nicht untereinander:

  • Katjes Fassin ist die Süßwarenmarke, die alle kennen. Grün-Ohr Hasen, Tappsy, Yoghurt-Gums, Salzige Heringe, Chocjes. Sie veröffentlicht keine eigenen Halbjahreszahlen.
  • Katjes International ist die Markenholding, die europäische Konsumgütermarken kauft und weiterentwickelt. Sie hat die Zahlen gemeldet. Zum Portfolio gehören unter anderem Piasten mit Treets, Sperlari in Italien, Dallmann's, Bübchen, mehrere Zahnpflegemarken von Henkel sowie neuerdings Bogner und Missoni.
  • Katjes Greenfood ist der Investmentarm der Gruppe, der sich selbst als „führender VegInvestor im Bereich Future Food” beschreibt. Im Portfolio stehen mymuesli, der glutenfreie Backwarenhersteller Genius, Cookie Bros, Seven Sundays, die Saucenmarke hellotaste und das vegane Hundefutter Vegdog.

Alle drei gehören derselben Eigentümerfamilie, wirtschaftlich sind sie getrennt. Wenn also Schlagzeilen von „Katjes wächst um 55 Prozent” laufen, ist damit die Holding gemeint, nicht die Tüte im Supermarktregal.

Infografik: Die drei Katjes-Schwestergesellschaften Katjes International, Katjes Fassin und Katjes Greenfood mit ihren Rollen, dazu die Wachstumstreiber Bogner und Graze sowie Zahlen zum veganen Sortiment
Wer macht was im Katjes-Universum. Grafik gern teilen, Quelle: this-is-vegan.com.
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Wo Katjes tatsächlich vegan wächst

Jetzt zum interessanten Teil. Denn auch wenn diese Halbjahreszahlen nichts über vegane Gummis aussagen, ist die Katjes-Gruppe eines der wenigen Beispiele dafür, dass eine komplette Sortimentsumstellung wirtschaftlich funktioniert hat.

Der Umbau begann früh. Schon 2011 meldete das Unternehmen ein Wachstum von 26 Prozent unter der Überschrift, dass „Veggie im Trend” liege. 2013 wurde der Grün-Ohr Bär zum Bestseller, ausdrücklich wegen der vegetarischen Umsätze. 2016 stellte Katjes das gesamte Sortiment auf vegetarisch um und verzichtete damit vollständig auf Schlachtabfall-Gelatine. 2019 folgte mit Chocjes eine vegane Schokoladenlinie unter dem Slogan „Cool ohne Kuh”, die 2020 den PETA Vegan Food Award gewann. Und im Januar 2022 kündigte das Unternehmen an, einen Großteil der Fruchtgummis von vegetarisch auf vegan umzustellen.

Heute schreibt Katjes auf der eigenen Website, man habe „fast das gesamte Katjes-Sortiment in Deutschland auf vegan umgestellt”, ohne tierische Gelatine, mit natürlichen Farben und palmölfrei. Die Schwester Katjes Greenfood formuliert es so: Seit 2016 seien alle Katjes-Produkte vegetarisch, der Großteil des Sortiments inzwischen vegan.

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Grün-Ohr Hasen von Katjes, rosa und weiße Schaumzucker-Hasen
Der Grün-Ohr Hase war schon 2013 Bestseller, ausdrücklich wegen der vegetarischen Umsätze. Foto: Katjes

Die härteste Zahl dazu kommt aus einem Tagesspiegel-Porträt vom März 2025: Inzwischen ist demnach jedes fünfte in Deutschland verkaufte Fruchtgummi oder Kaubonbon vegan, und Katjes hält daran etwa 50 Prozent Marktanteil. Anders gesagt: In der Kategorie, die Katjes selbst mit aufgebaut hat, verkauft das Unternehmen jedes zweite Produkt.

Auch bei der Holding taucht das Thema auf, wenn auch kleiner. Candy Kittens, die britische Marke für vegane und glutenfreie Gourmet-Fruchtgummis, gehört seit 2024 zu 88 Prozent zu Katjes International, nachdem der Einstieg 2019 mit 25 Prozent begonnen hatte. Und die Schokolinsen-Marke Treets aus dem Piasten-Portfolio hat 2024 ihre erste vegane Variante bekommen und baut sie seitdem aus. Die vegane Linie ist bei der Holding also eine Position, die über die Jahre gewachsen ist.

Bunte Chocjes-Riegel von Katjes, vegane Schokolade ohne Kuhmilch
Chocjes kam 2019 als vegane Schokoladenlinie auf den Markt und gewann 2020 den PETA Vegan Food Award. Foto: Katjes

Was bei Katjes nicht vegan ist

„Fast das gesamte Sortiment” heißt eben nicht das gesamte Sortiment, und beim Rest der Gruppe wird es noch gemischter. Wer bei Katjes vegan einkauft, sollte diese Punkte kennen:

  • Yoghurt-Gums, einer der bekanntesten Katjes-Klassiker, enthalten Milchbestandteile und sind vegetarisch, nicht vegan. Das ist uns bei unserem Test veganer Süßigkeiten selbst aufgefallen, weil die Sorte oft irrtümlich als vegan gehandelt wird.
  • Sperlari, die italienische Tochter der Holding, ist unter anderem für Torrone bekannt, italienisches Nougat, das traditionell mit Honig und Eiweiß gemacht wird.
  • Bogner führt im Onlineshop eigene Produktkategorien für „Daune / Stepp” und „Fell / Leder”. Eine Modemarke im Portfolio zu haben, deren Sortiment auf Tiermaterialien aufbaut, passt schlecht zu einer Gruppe, die ihr Süßwarengeschäft konsequent tierfrei gemacht hat. Das steht so auf der Website des Unternehmens.

Katjes selbst würde vermutlich einwenden, dass die Gesellschaften getrennt sind und jede Beteiligung ihre eigene Geschäftsführung behält. Das stimmt formal. Für die Frage, wohin das Geld einer Familie fließt, ist es trotzdem eine Beobachtung wert. Eine öffentliche Position der Gruppe zu Tiermaterialien im Modeportfolio ist uns bislang nicht bekannt.

Tierethik: Was der Gelatine-Ausstieg konkret bedeutet

Gelatine wird aus Schwarten, Knochen und Häuten geschlachteter Tiere gewonnen, überwiegend von Schweinen. Für die Süßwarenindustrie ist sie ein Nebenprodukt der Fleischproduktion und deshalb billig. Wer sie ersetzt, wechselt meist zu Pektin aus Früchten oder zu Stärke, und das ist der Grund, warum vegane Fruchtgummis oft etwas anders kauen.

Eine Umstellung in dieser Größenordnung wirkt an zwei Stellen. Sie nimmt den Schlachtnebenprodukten eine Absatzmöglichkeit und verschlechtert damit die Wirtschaftlichkeit der Fleischproduktion an einem kleinen Punkt. Und sie senkt den Fußabdruck des Produkts messbar: Das Handelsblatt beschrieb 2020, wie die Abkehr von tierischer Gelatine bei Katjes die CO2-Emissionen deutlich senkte und Teil des Weges zur klimaneutralen Produktion in Deutschland war.

Bemerkenswert ist vor allem die Reichweite. Katjes hat das Hauptsortiment umgebaut statt eine Sonderlinie danebenzustellen, samt Werbung im Hauptabendprogramm. Genau das ist der Unterschied zwischen einem veganen Produkt und einem veganen Markt.

Bunte Fruchtgummis und Gummibärchen in Nahaufnahme
Jedes fünfte in Deutschland verkaufte Fruchtgummi ist inzwischen vegan. Symbolbild.

Was das für dich im Supermarkt heißt

Der praktische Teil ist unspektakulär und deshalb gut: Bei Katjes kannst du fast blind zugreifen, solltest aber die Rückseite trotzdem kurz prüfen, weil einzelne Klassiker weiter Milchbestandteile enthalten. Das Vegan-Logo auf der Vorderseite ist bei den umgestellten Sorten der schnellste Weg.

Wenn du wissen willst, welche veganen Süßigkeiten gerade wo im Angebot sind, lohnt sich unser Sparradar Vegan Alarm. Dort sammeln wir jede Woche die aktuellen Deals aus den Supermärkten und Discountern, inklusive Fruchtgummis und Schokolade. Und welche Marken bei uns im Test überzeugt haben, steht in unserem Vergleich veganer Süßigkeiten sowie in der Übersicht zu veganen Süßigkeiten ohne Zucker.

Werbemotiv mit zwei Tüten Katjes Grün-Ohr Hase
Katjes hat das Hauptsortiment umgebaut, nicht eine Nischenlinie danebengestellt. Foto: Katjes

Häufige Fragen

Sind alle Katjes-Produkte vegan?

Nein. Seit 2016 sind alle Produkte der Marke Katjes vegetarisch, also frei von tierischer Gelatine. Der Großteil des deutschen Sortiments ist inzwischen zusätzlich vegan, einzelne Klassiker wie die Yoghurt-Gums enthalten aber weiterhin Milchbestandteile.

Warum wächst Katjes International so stark?

Weil zwei Zukäufe erstmals voll in die Bilanz einfließen: die Modemarke Bogner seit September 2025 und die britische Snackmarke Graze seit Februar 2026. Beide haben mit dem Süßwarengeschäft nichts zu tun.

Gehören Bogner und Missoni jetzt zu Katjes?

Zu Katjes International, ja. Die Beteiligungen laufen über die Tochtergesellschaft Katjes Quiet Luxury: bei Bogner eine Mehrheit von 60 Prozent, bei Missoni rund 27 Prozent. Mit der Süßwarenmarke Katjes Fassin haben sie wirtschaftlich nichts zu tun.

Welche veganen Marken hat Katjes im Portfolio?

Bei der Holding vor allem Candy Kittens aus Großbritannien (vegane Fruchtgummis, 88 Prozent) und die vegane Treets-Variante. Der Investmentarm Katjes Greenfood hält unter anderem Anteile am veganen Hundefutterhersteller Vegdog.

Wie viel Marktanteil hat Katjes bei veganen Fruchtgummis?

Laut einem Tagesspiegel-Bericht vom März 2025 rund 50 Prozent. In Deutschland ist demnach jedes fünfte verkaufte Fruchtgummi oder Kaubonbon vegan.

Quellen

Pressemitteilung der Katjes International GmbH & Co. KG vom 8. September 2026 (liegt uns im Volltext vor); Unternehmensangaben auf katjes.de und katjesgreenfood.de (abgerufen am 10. September 2026); Katjes-Pressearchiv für die historischen Meldungen von 2011 bis 2022; Wikipedia-Artikel „Katjes International” für die Markenliste und die Beteiligungshistorie; Tagesspiegel vom 3. März 2025 für Marktanteil und Kategoriegröße; Handelsblatt vom 14. Dezember 2020 für den Zusammenhang von Gelatine-Verzicht und CO2-Bilanz; bogner.com für die Produktkategorien. Die Einordnung der Konzernstruktur und der Hinweis auf die Tiermaterialien im Modeportfolio sind unsere eigene Bewertung. Wir stehen in keiner Geschäftsbeziehung zu Katjes. Dieser Artikel enthält keine Affiliate-Links.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was in der Mitteilung steht?
Am 8. September hat Katjes International die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Der Konzernumsatz stieg um rund 55 Prozent auf 256,0 Millionen Euro (Vorjahr: 164,8 Millionen). Das EBITDA legte um rund 14 Prozent auf 15,8 Millionen Euro zu. Zum 30. Juni lag das Eigenkapital bei 255,1 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote bei rund 30 Prozent, die Liquidität bei 74,1 Millionen Euro.
Wo Katjes tatsächlich vegan wächst?
Jetzt zum interessanten Teil. Denn auch wenn diese Halbjahreszahlen nichts über vegane Gummis aussagen, ist die Katjes-Gruppe eines der wenigen Beispiele dafür, dass eine komplette Sortimentsumstellung wirtschaftlich funktioniert hat. Der Umbau begann früh. Schon 2011 meldete das Unternehmen ein Wachstum von 26 Prozent unter der Überschrift, dass „Veggie im Trend” liege.
Was bei Katjes nicht vegan ist?
„Fast das gesamte Sortiment” heißt eben nicht das gesamte Sortiment, und beim Rest der Gruppe wird es noch gemischter. Wer bei Katjes vegan einkauft, sollte diese Punkte kennen: Yoghurt-Gums, einer der bekanntesten Katjes-Klassiker, enthalten Milchbestandteile und sind vegetarisch, nicht vegan.
Was das für dich im Supermarkt heißt?
Der praktische Teil ist unspektakulär und deshalb gut: Bei Katjes kannst du fast blind zugreifen, solltest aber die Rückseite trotzdem kurz prüfen, weil einzelne Klassiker weiter Milchbestandteile enthalten. Das Vegan-Logo auf der Vorderseite ist bei den umgestellten Sorten der schnellste Weg.
Sind alle Katjes-Produkte vegan?
Nein. Seit 2016 sind alle Produkte der Marke Katjes vegetarisch, also frei von tierischer Gelatine. Der Großteil des deutschen Sortiments ist inzwischen zusätzlich vegan, einzelne Klassiker wie die Yoghurt-Gums enthalten aber weiterhin Milchbestandteile.
Warum wächst Katjes International so stark?
Weil zwei Zukäufe erstmals voll in die Bilanz einfließen: die Modemarke Bogner seit September 2025 und die britische Snackmarke Graze seit Februar 2026. Beide haben mit dem Süßwarengeschäft nichts zu tun.
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