Deutschland und Großbritannien sind die beiden größten Märkte für pflanzliche Lebensmittel in Europa. Seit ein paar Jahren laufen sie aber in entgegengesetzte Richtungen. In Deutschland stieg der Umsatz mit pflanzlichen Alternativen 2025 um 3,1 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro. In Großbritannien sank er um 1,2 Prozent auf 848 Millionen Pfund, umgerechnet 993 Millionen Euro. Die britischen Verkäufe gehen schon seit dem Höchststand 2021 zurück.
Warum das so ist, hat die gemeinnützige Organisation GFI Europe am 5. November 2026 untersucht. Die kurze Antwort: Aldi, Lidl und der Preis an der Kasse.
Kurz gesagt
- Deutsche und Briten wollen gleich oft weniger Fleisch essen: 51 Prozent in beiden Ländern.
- In Deutschland gehen 46 Prozent des Lebensmittelumsatzes an Discounter, in Großbritannien 19 Prozent. Dort laufen günstige Eigenmarken.
- Pflanzendrinks kosten in Deutschland 10 Prozent mehr als Kuhmilch, in Großbritannien 72 Prozent mehr.
- In Großbritannien läuft eine laute Debatte über hochverarbeitete Lebensmittel, die pflanzliche Produkte trifft. In Deutschland spielt sie kaum eine Rolle.
Inhalt8 Kapitel
Gleiche Wünsche, anderer Einkaufswagen.
Auf den ersten Blick ticken beide Länder ähnlich. In einer Befragung von GFI Europe mit HarrisX und Plant Futures bezeichneten sich 8 Prozent der Deutschen und 9 Prozent der Briten als vegan, vegetarisch oder pescetarisch. 51 Prozent wollen in beiden Ländern weniger Fleisch und Milchprodukte essen oder mehr Pflanzliches. Etwa ein Viertel derer, die weniger Fleisch essen, nennt dafür in beiden Ländern die Kosten.
Wenn die Wünsche so ähnlich sind, entscheidet laut GFI vor allem, was im Regal steht, was es kostet und wie die Leute die Produkte wahrnehmen.

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Bei Fleischalternativen ist der Abstand am größten. In Deutschland lag der Umsatz 2025 bei 751 Millionen Euro, ein Plus von 0,2 Prozent nach 4,4 Prozent im Jahr davor. Seitdem zieht es wieder an: Laut Marktforscher Circana wuchs der deutsche Markt für Fleischalternativen in den zwölf Monaten bis August 2026 um 10,8 Prozent beim Umsatz und um 9,4 Prozent bei der Menge. In Großbritannien fiel der Umsatz 2025 um 7,3 Prozent auf 295 Millionen Pfund.
Pflanzendrinks wuchsen in Deutschland um 8,1 Prozent auf 632 Millionen Euro, in Großbritannien blieben sie mit einem Plus von 0,5 Prozent praktisch stehen. Spannend ist der Blick auf die Haushalte: 31,2 Prozent haben 2025 in beiden Ländern mindestens einmal eine Fleischalternative gekauft. Mindestens einmal im Monat taten das in Deutschland aber 9,4 Prozent der Haushalte, in Großbritannien 8,1 Prozent. Probiert wird also gleich oft, wiedergekauft wird in Deutschland öfter.
Aldi und Lidl machen den Unterschied.
Der wichtigste Grund ist laut GFI die Struktur des Handels. Discounter wie Aldi und Lidl kommen in Deutschland auf 46 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes, in Großbritannien auf 19 Prozent. Über Discounter liefen 2025 in Deutschland 31 Prozent der Umsätze mit Fleischalternativen und 33 Prozent bei Pflanzendrinks. In Großbritannien waren es 13 und 24 Prozent.
Dazu kommen die Eigenmarken. In Deutschland stammten 2025 35 Prozent der verkauften Fleischalternativen und 60 Prozent der Pflanzendrinks von Handelsmarken wie Vemondo oder K-take it veggie. In Großbritannien waren es nur 12 und 19 Prozent. Und das, obwohl Eigenmarken im gesamten Lebensmittelhandel in beiden Ländern gleich viel Anteil haben. Die deutschen Handelsmarken treffen bei Pflanzlichem offenbar besser, was die Leute wollen.

Mehr Auswahl, Preisversprechen und Aufschnitt
Die Sortimente sind in Deutschland deutlich größer. Kaufland hatte 2024 mehr als 100 pflanzliche Eigenmarkenprodukte, Lidl Deutschland 2023 rund 100 vegane Produkte unter Vemondo. Lidl in Großbritannien führte Anfang 2025 nur 28 Vemondo-Produkte. Was gerade neu im Regal steht, sammeln wir jeden Monat in Neu & vegan.
Lidl Deutschland und Kaufland haben 2023 versprochen, ihre pflanzlichen Eigenmarken höchstens so teuer zu machen wie das tierische Gegenstück. Bei Lidl stieg der Absatz veganer Produkte danach um 30 Prozent. Kein großer britischer Händler hat sich zu etwas Vergleichbarem verpflichtet. Lidl GB sprach 2024 nur von „marktführenden Preisen“ für pflanzliche Produkte.
Auch die Produkte selbst passen in Deutschland besser zum Alltag. Veganer Aufschnitt läuft hier gut, weil er die Salami auf dem Brot ersetzt und nicht gekocht werden muss. In Großbritannien sind Würstchen und Burger die häufigsten Formate, und die muss man zubereiten. Wer sich beim Kochen mit pflanzlichen Zutaten unsicher fühlt, greift eher zu etwas, das direkt aufs Brot kann.
Pflanzendrinks: 10 gegen 72 Prozent.
Am deutlichsten zeigt sich der Effekt bei Pflanzendrinks. Die Eigenmarken-Drinks waren in Deutschland 2025 pro Liter 5,6 Prozent günstiger als Kuhmilch der Eigenmarken. Über die ganze Kategorie gerechnet lagen Pflanzendrinks damit nur 10 Prozent über Kuhmilch. In Großbritannien betrug der Abstand 72 Prozent.
Pflanzendrinks haben in Deutschland 9,2 Prozent Anteil an der verkauften Milchmenge, in Großbritannien 6,9 Prozent. Laut GFI wächst der Anteil überall dort, wo der Preisabstand kleiner wird. Den restlichen Abstand in Deutschland erklärt die Steuer: Haferdrink wird mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belegt, Kuhmilch mit 7 Prozent. Bei gleicher Besteuerung wäre er laut GFI verschwunden. Wie absurd die Regeln im Detail sind, haben wir im Artikel Sieben Prozent auf Fleisch, neunzehn auf Haferdrink aufgeschrieben. Wer Haferdrink im Vorratspack kauft, findet ihn auch bei Amazon*.

Bei Fleischalternativen ist der Preisvergleich schwieriger, weil vollständige Fleischpreise in beiden Ländern fehlen. Pflanzliche Würstchen waren in Deutschland 2025 laut Circana pro Kilo 44 Prozent teurer als tierische, bei Tesco in Großbritannien liegen Fleischalternativen im Schnitt 34 Prozent über Fleisch. Eine Preisstudie von ProVeg aus dem Jahr 2025 fand aber bei den meisten deutschen Händlern pflanzlichen Aufschnitt, Würstchen, Burger und Schnitzel, die günstiger waren als die günstigste tierische Variante.
Ziele zählen weniger als Taten.
Drei der sieben größten deutschen Händler haben sich Ziele für pflanzliche Produkte gesetzt. Lidl will bis 2030 20 Prozent seines Eiweiß-Sortiments pflanzlich verkaufen, mehr dazu in unserem Artikel zum Protein-Split bei Lidl. Rewe will bis 2035 auf 60 Prozent pflanzliche Lebensmittel kommen. Aldi Süd hat 2026 sein Ziel von 1.400 veganen Produkten erreicht und will den Umsatz mit Pflanzlichem bis 2030 um 20 Prozent steigern. Aldi Nord, Edeka, Kaufland und Netto haben keine solchen Ziele.
In Großbritannien hat nur einer der sechs größten Supermärkte ein Ziel: Lidl GB will bis 2030 25 Prozent seiner Eiweiß-Umsätze mit Pflanzlichem machen. Asda und Tesco haben ihre Ziele verfehlt, Aldi, Morrisons und Sainsbury’s haben keine. Die Zahlen stammen aus dem Protein Shift Hub von ProVeg, den wir im Artikel über den Protein-Split-Report ausführlich vorgestellt haben.
GFI warnt selbst davor, Ziele zu überschätzen. Die Niederlande setzen in Europa die meisten Händlerziele, und trotzdem sinken dort die Verkäufe pflanzlicher Produkte. Entscheidend sind Preise und Sortiment im Laden.
Deutsche reduzieren öfter, Briten streiten über Verarbeitung.
Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern gibt es doch Unterschiede. 39 Prozent der Deutschen sagen, dass sie aktiv weniger Fleisch essen, in Großbritannien 31 Prozent. 26 Prozent der deutschen Fleischreduzierer geben an, dass sich ihr Geschmack verändert hat, in Großbritannien 19 Prozent. Tiere und Ethik nennen 10 Prozent der deutschen Fleischreduzierer als Grund, in Großbritannien nur 3 Prozent.

Gesundheit ist dagegen in Großbritannien das größere Thema: 24 Prozent der britischen Fleischreduzierer nennen sie, in Deutschland 17 Prozent. Dort läuft seit Jahren eine Debatte über hochverarbeitete Lebensmittel, auf Englisch „ultra-processed foods“. Britische Medien verknüpfen sie laut GFI viel häufiger mit pflanzlichen Produkten als deutsche. Fleischalternativen werden dabei meist als hochverarbeitet eingeordnet, und Schlagzeilen machen die Debatte für den Absatzrückgang mitverantwortlich.
Wie stark das wirkt, ist offen. In britischen Fokusgruppen sahen viele Teilnehmende Fleischalternativen als verarbeitet an, lehnten sie deshalb aber nicht automatisch ab. Wer schon vorher mit Geschmack oder Textur unzufrieden war, fand einen weiteren Grund dagegen. Wer gute Erfahrungen gemacht hatte, kaufte trotzdem weiter. Die Debatte verstärkt also Zweifel, entscheidet aber nicht allein. Den Begriff und die Studienlage erklären wir im Artikel Sind vegane Ersatzprodukte hochverarbeitet?
Dazu kommt: Deutsche sehen einen kleineren Abstand zwischen pflanzlichen und tierischen Produkten, etwa beim Vertrauen ins eigene Kochen und bei der Vertrautheit. Ob das an besseren Produkten liegt oder an anderen Erwartungen, kann GFI nicht sagen.
Wie belastbar ist der Vergleich?.
Die Analyse hat Grenzen, und GFI nennt sie selbst. Die britischen Umsatzzahlen enthalten keine Discounter, obwohl pflanzliche Produkte dort gut laufen. Der britische Rückgang dürfte also etwas überzeichnet sein. Außerdem sind Fleischalternativen in beiden Ländern unterschiedlich abgegrenzt: In Großbritannien zählen nur Produkte, die Fleisch nachahmen, in Deutschland auch Formate wie Bohnenburger. Die Zahlen beruhen auf Handelsdaten von Circana und dem Haushaltspanel von NIQ, die Gastronomie ist nicht erfasst.
Wichtig ist auch, wer hier rechnet. GFI Europe ist eine spendenfinanzierte Organisation, die sich für alternative Proteine einsetzt. Die Analyse empfiehlt am Ende britischen Händlern, ihre günstigen Eigenmarken auszubauen, und Herstellern, in Geschmack und einfache Zubereitung zu investieren. Die Daten selbst stammen von unabhängigen Marktforschern. Wer tiefer in die deutschen Zahlen will, findet alle Kategorien in unserem Artikel zum Markt für pflanzliche Lebensmittel in Deutschland.
Was das für die Tiere bedeutet.
Für die Tiere zählt am Ende, wie viel Fleisch, Milch und Eier nicht mehr gekauft werden. Der Umsatz mit Haferdrink allein sagt darüber wenig. Da ist Deutschland trotz Wachstum noch am Anfang: Pflanzliche Wurst hatte 2025 laut GFI einen Anteil von 1,73 Prozent an der Menge aller abgepackten Wurstwaren. Jedes Prozent, das hier dazukommt, steht für Schweine, Rinder und Hühner, die nicht gemästet und geschlachtet werden müssen.
Der Vergleich zeigt auch, was dabei hilft. Ethik ist für die meisten Menschen nicht der Grund, weniger Fleisch zu essen, auch in Deutschland nennen ihn nur 10 Prozent. Das Geld schon. Wenn Pflanzliches im Discounter günstig neben dem Fleisch liegt und ohne Aufwand auf den Teller kommt, greifen mehr Leute regelmäßig zu. Entscheidend ist also das Angebot. Hier können Händler und Politik am meisten bewegen, etwa bei der Mehrwertsteuer.
Häufige Fragen.
Warum wächst der Markt für pflanzliche Lebensmittel in Deutschland?
Laut GFI Europe vor allem wegen der starken Discounter, der großen Eigenmarken-Sortimente und der niedrigeren Preise. Pflanzendrinks kosten in Deutschland nur 10 Prozent mehr als Kuhmilch. Dazu kommt, dass in Deutschland mehr Menschen aktiv weniger Fleisch essen und pflanzliche Produkte als näher an tierischen wahrnehmen.
Warum schrumpft der Markt in Großbritannien?
Die Analyse nennt mehrere Gründe: Discounter haben dort einen viel kleineren Marktanteil, die Eigenmarken-Sortimente sind kleiner, Pflanzendrinks sind 72 Prozent teurer als Kuhmilch, und die Debatte über hochverarbeitete Lebensmittel trifft Fleischalternativen stärker. Ein einzelner Grund erklärt den Rückgang nicht.
Wie groß ist der Markt in beiden Ländern?
Für sechs Kategorien lag der Umsatz 2025 in Deutschland bei 1,71 Milliarden Euro und in Großbritannien bei 848 Millionen Pfund, also etwa 993 Millionen Euro. Die britischen Zahlen enthalten keine Discounter.
Sind Pflanzendrinks in Deutschland günstiger als Kuhmilch?
Bei den Eigenmarken ja, sie waren 2025 pro Liter 5,6 Prozent günstiger. Über alle Marken gerechnet kosten Pflanzendrinks 10 Prozent mehr. Ein Grund ist die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf Pflanzendrinks gegenüber 7 Prozent auf Kuhmilch.
Quellen und Methodik
Grundlage ist die Analyse „Why is Germany’s plant-based market growing while the UK’s stagnates?“ von Helen Breewood, GFI Europe, veröffentlicht am 5. November 2026 (deutsche Fassung). Die Marktdaten stammen von Circana und NIQ, die Befragungsdaten von GFI Europe mit HarrisX und Plant Futures, die Händlerziele aus dem Protein Shift Hub von ProVeg. Die Zahl zur pflanzlichen Wurst stammt aus dem GFI-Report zum deutschen Einzelhandel 2023 bis 2025. Die Infografiken haben wir aus diesen Zahlen selbst erstellt. Umrechnungen von Pfund in Euro übernehmen wir von GFI. Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber ein, erhalten wir eine kleine Provision, am Preis ändert sich nichts. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen.
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