Das FAYAN Interview beginnt mit einer Anfrage, die Yannick selbst erst nicht einordnen konnte: Warum fragt das Management eines Rappers, dessen Song „Verliebt in mich“ 49 Wochen in den deutschen Charts stand, bei einem veganen Podcast an? Die Antwort ist einfach. FAYAN lebt seit fünf Jahren vegan und hat es nie an die große Glocke gehängt.
FAYAN heißt bürgerlich Yannick Steffen, kommt aus Oberkirch im Schwarzwald und wollte mit 14 der nächste 50 Cent sein. Die Mitschüler schmunzelten, in Internet-Gästebüchern stand „voll das Opfer“, und der Rektor machte sich beim Abiball vor allen Eltern über seinen Berufswunsch lustig: Zauberer. Zwölf Jahre später ist er ein mit Gold ausgezeichneter Songwriter, der für Shirin David, Nina Chuba, Mero, 1986zig und Jamule geschrieben hat, seine erste Headliner-Tour war in allen deutschen Städten ausverkauft, und am 6. November 2026 steht er mit Band vor rund 1.000 Leuten im Kesselhaus Berlin.
Yannick und FAYAN sind beide in der Ortenau aufgewachsen und kennen dieselben Clubs. Vielleicht ist das Gespräch deshalb so offen geworden: über Kiffen und 20 Kilo mehr, über zehn Jahre ohne Alkohol, über einen Cheeseburger um drei Uhr nachts und über die Frage, wie die Welt wäre, wenn alle so wären wie du. Hier ist das Gespräch in der Lesefassung.

Wer ist FAYAN? ●
- Rapper, Sänger und Songwriter, bürgerlich Yannick Fabian Steffen, geboren 1991 in Oberkirch im Schwarzwald, lebt in Berlin
- Gelernter Radioredakteur: Praktikum und Volontariat bei Hitradio Ohr in Offenburg, 2014 Deutscher Radiopreis mit dem Team, danach Musikredakteur beim SWR
- Mit Gold ausgezeichneter Songwriter: über 180 Songs für andere, zusammen rund eine Milliarde Streams, unter anderem für Shirin David, Nina Chuba, Mero, 1986zig, Jamule, Elif und Luciano
- „Verliebt in mich“ (mit Dalton, 2025): Platz 18 der deutschen Single-Charts, 49 Wochen platziert, über sieben Millionen Aufrufe für das Video
- Erste Headliner-Tour im April 2026 durch neun Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, alle deutschen Shows ausverkauft; im September 2026 SWR3 New Pop Award
- EP Gute alte Zeit erscheint am 30. Oktober 2026, Release-Konzert am 6. November 2026 im Kesselhaus Berlin (Tickets bei Eventim*, EP und Bundles im Shop)
- Trinkt seit zehn Jahren keinen Alkohol, lebt seit fünf Jahren vegan
- Website: vsil.de, Instagram: @fayan.vsil, YouTube: FAYAN
Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, bekommen wir eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.
Inhalt13 Kapitel
- 01Die ganze Folge mit FAYAN anschauen
- 02Ein 10.000-Einwohner-Dorf, ein Jugendzentrum und „In the Club“
- 03„Voll das Opfer“: Häme im Gästebuch und ein Rektor auf der Bühne
- 04Radio, Kündigung und ein Umzug mit Minus auf dem Konto
- 05Hits für Shirin David, und die eine Frage auf Mallorca
- 06Zehn Jahre ohne Alkohol, Flugmodus und ein Hafer-Cappuccino auf dem Balkon
- 07Kesselhaus Berlin: von 70 Tickets zu 1.000 Leuten
- 08Der Cheeseburger um drei Uhr nachts
- 09„Bro, wie geil ist Gemüse eigentlich?“: Tipps für den Anfang
- 10Veganes Dinner mit Denzel Washington, RAYE und Ronaldo
- 11Hass, Hetze und ein Gesetz, das jeden selbst schlachten lässt
- 12„Liebe ist die Antwort auf jede Frage“
- 13Cap, Schuhe und der eine vegane Tag: unsere Einordnung
Die ganze Folge mit FAYAN anschauen
Das komplette Gespräch gibt es als Video auf YouTube und als Audio auf Spotify und Apple Podcasts. Gut 97 Minuten, mit Kapiteln. Der Player lädt erst, wenn du YouTube-Inhalte zulässt, vorher wird hier nichts von YouTube geladen.
Ein 10.000-Einwohner-Dorf, ein Jugendzentrum und „In the Club“
Du bist wie ich in der Ortenau aufgewachsen. Was steckt von der Zeit noch in dir?
FAYAN: Man kann sich nicht aussuchen, wo man auf dieser Welt geboren wird. Je mehr Abstand ich von meiner Heimat im Schwarzwald bekommen habe, desto mehr habe ich wertzuschätzen gewusst, wie schön es da eigentlich ist. Das, was ich damals so blöd fand, die Natur, die Ruhe, dass alles ein bisschen langsamer geht, finde ich jetzt gerade das Schöne. Meine besten Freunde von damals sind immer noch meine besten Freunde. Dieser Wert von Familie und Freundschaft hat sich da ganz krass verankert.
Mit neun Wu-Tang Clan, später G-Unit. Wie kommt ein kleiner Junge aus Oberkirch zu Hip-Hop?
FAYAN: Ich bin als Kind auf Sport 1 in den Videotext gegangen und habe mir die NBA-Ergebnisse angeguckt, weil ich diesen Style und diesen Swag so geliebt habe. Komplett verfallen war ich spätestens, als ich mit 13, 14 das erste 50-Cent-Video gesehen habe, „In the Club“. Das war der letzte Tropfen. Obwohl Oberkirch ein 10.000-Einwohner-Dorf ist, war Hip-Hop bei uns präsent: ein Jugendzentrum mit DJ, eine Breakdance-Crew, Türkischdeutsche, Russlanddeutsche, die französischen Kasernen. Wenn es einen Melting Pot in Oberkirch gab, dann war der da. Und ich mittendrin.
Ich dachte mir: Ich will genauso sein wie dieser Typ. Muskeln haben, cool aussehen, dicke Autos in meinen Videos. Dann habe ich gesagt: Mom und Dad, ich glaube, ich will Rapper sein. Erst mal still im Kinderzimmer, auf dem Laptop meiner Eltern, mit einem billigen Headset, in einer Zeit ohne YouTube-Tutorials. Aber ich habe gemerkt: Das mache ich Tag und Nacht, ich kann damit nicht aufhören.
„Voll das Opfer“: Häme im Gästebuch und ein Rektor auf der Bühne
Wie kam das bei den Mitschülern an?
FAYAN: Ich habe die Lieder am Fußballplatz rumgezeigt und erst gar nicht gesagt, dass ich das bin. Als ich es gesagt habe, kam so ein Schmunzeln: Jetzt kommt einer aus einem deutschen Dorf im Schwarzwald und rappt auf 50-Cent-Beats auf Englisch, was denkt der, wer er ist? Auf dem Gymnasium hörten alle Linkin Park und Green Day, und ich kam mit Mütze und viel zu weiter Hose zum ersten Schultag und dachte, ich bin 50 Cent. Ich habe mich lange wie ein Paradiesvogel gefühlt, weil ich etwas geliebt habe, was keiner so sehr geliebt hat wie ich.
Es gab damals Gästebücher im Internet, heute würde man wahrscheinlich Cybermobbing sagen. Da haben Leute geschrieben: voll das Opfer, was denkt der, alle möglichen Beleidigungen. Einfach nur, weil ich das gemacht habe, was ich liebe. Mittlerweile bin ich auf niemanden mehr böse, Kinder und Jugendliche können einfach echt scheiße sein. Aber je mehr Widerstand ich erfahren habe, desto mehr habe ich gedacht: Nein, das ist mein Ding, und ich lasse es mir von niemandem ausreden.
War es am Ende ein Mittelfinger-Ding? Ich zeig’s euch?
FAYAN: Vor dem Abiball musste jeder aufschreiben, was er mal werden will. Ich habe aufgeschrieben: Ich will Zauberer werden. Ich will mit der Musik die Leute verzaubern, ich will nicht BWL studieren, nicht Jura, einfach das machen, was ich mache. Der damalige Rektor hat mich dann vor allen Eltern auf der Bühne outgecallt: Haha, und er will das machen. Und ich habe auf diesem Abiball einen Song performt, der hieß „Lebe mein Traum“.
Vom Rektor dafür belächelt zu werden, war pädagogisch wahrscheinlich keine Zehn von Zehn. Aber daraus hat sich diese Mittelfingerhaltung ergeben: Ich kann vielleicht nicht viel, aber ich kann Worte in die richtige Reihenfolge bringen, und ich mache das, bis ich umfalle oder bis es klappt.

Radio, Kündigung und ein Umzug mit Minus auf dem Konto
Schule fertig. Was dann?
FAYAN: Ich hatte eine Quarterlife-Crisis. Nach dem Abi steht einem die Welt offen, und wegen der Fülle der Möglichkeiten entscheidet man sich am Ende für nichts. Ich wusste nur: Studieren will ich nicht. Ich hatte da schon Alben rausgebracht, die in den iTunes-Charts waren, aber ich wusste, das bezahlt mir keine Miete. Dann meinte meine Schwester: Hitradio Ohr aus Offenburg sucht Praktikanten fürs Marketing, Radio hat ja auch mit Musik zu tun. Ich wurde direkt genommen, danach kam das Volontariat in der Redaktion. Eigentlich bin ich gelernter Redakteur. Mit dem Team haben wir sogar den Deutschen Radiopreis gewonnen.
Später bin ich zum SWR, zu DASDING, als Musikredakteur. Das habe ich geliebt: entscheiden, welche Songs im Radio laufen, mit wem man Interviews macht. Das war mein letzter Job im Angestelltenverhältnis.
Und wie kam der Sprung nach Berlin?
FAYAN: Ich habe nie irgendwelchen Rappern meine Lieder geschickt, sondern immer geguckt: Wer arbeitet im Hintergrund, wer ist der A&R, wer schreibt den Song? Dann hat mir eine Songwriterin aus Berlin auf Facebook geschrieben: Das ist fresh, du könntest ein guter Songwriter sein, auch für andere. Ich habe kurzfristig drei Tage Urlaub beim Radio angefragt und wusste nicht mal, was eine Session ist oder eine Topline.
Nach den drei Tagen musste ich zurück nach Baden-Baden, und dann kamen die ganze Zeit Nachrichten: Du kannst mit dem ins Studio, mit der ins Studio. Nachdem ich die dritte, vierte Session absagen musste, habe ich gekündigt. Ich hatte keinen Vertrag, keinen Vorschuss, kein Geld, gar nichts. Ich bin mit Minus auf dem Konto nach Berlin umgezogen und dachte: Das wird schon irgendwie klappen.
„Ich bin mit Minus auf dem Konto nach Berlin umgezogen und dachte: Das wird schon irgendwie klappen.“ ●
War es jemals kurz vor dem Hinschmeißen?
FAYAN: Ich hatte jahrelang nicht wirklich Geld auf dem Konto. Dann kam Corona, und ich war kurz davor, alles hinzuschmeißen, weil es als Selbstständiger finanziell schwierig war. Aber ich habe gedacht: Diese Suppe hast du dir selbst eingebrockt, jetzt löffelst du sie aus. Es wird der Tag kommen, an dem sich das lohnt.
Hits für Shirin David, und die eine Frage auf Mallorca
Bevor FAYAN selbst auf Bühnen stand, hat er jahrelang für andere geschrieben. Sein Verlag Universal Music Publishing führt ihn als mit Gold ausgezeichneten Songwriter, die Liste seiner Kooperationen reicht von Shirin David und Nina Chuba über Mero und 1986zig bis zu Jamule. Den größten Chart-Erfolg hatte „Never Know“ von Luciano und Shirin David, 2020 auf Platz 3 der deutschen Single-Charts. Mit 1986zig und Ayliva entstand „1000 Sterne“, mit Elif die gemeinsame Single „Erinnern“.
Auf deiner Liste stehen Shirin David, Nina Chuba, Elif, Luciano. Stimmt das so?
FAYAN: Irgendwann war es Elif, Shirin David, Nina Chuba. Luciano und Shirin David haben einen Song zusammen, an dem ich mitarbeiten durfte, ich habe also nicht aktiv für Luciano geschrieben, das muss ich klarstellen. Der Song hieß „Never Know“, und das war meine erste goldene Schallplatte. So habe ich mir über die Zeit einen Katalog aufgebaut, und dann hat mal der gefragt, mal die.
2018 bin ich nach Berlin, Ende 2019 noch mal zurück nach Offenburg, weil ich emotional nicht so stabil war wie heute. Nach einem Jahr dachte ich: Dieses Kapitel ist noch nicht zu Ende erzählt. 2021, 2022 war ich dann das erste Mal kurz sorgenfrei: Ich wusste, ich kann diese Miete und die nächsten Mieten bezahlen, in meinem Kühlschrank ist was zu essen. Da habe ich gemerkt: All diese Rückschläge, das hat sich gelohnt.
Wieso dann wieder eigene Musik?
FAYAN: Ich habe es geliebt, im Hintergrund zu sein und andere scheinen zu lassen. Schon beim Radio habe ich lieber Moderationen für andere geschrieben, als selbst zu moderieren. 2024 waren Dalton, der Produzent, der all meine Songs der letzten zwei Jahre produziert hat, und ich auf Mallorca für eine Künstlerin. Da hat jemand gesagt: Du schreibst doch die Songs für die ganzen Leute, wieso machst du keine eigene Musik mehr? Aus dieser einen Frage wurde alles, was in den letzten zwei Jahren passiert ist. Wenn noch mal, dann richtig all in.
Ab September 2024 habe ich alles reingeballert: fünf TikToks jeden Tag, jeden Monat ein neuer Song. Als „Verliebt in mich“ rauskam, habe ich gemerkt, das ist ein neues Level.

Zehn Jahre ohne Alkohol, Flugmodus und ein Hafer-Cappuccino auf dem Balkon
Was trägt dich, wenn es viel wird?
FAYAN: Ich habe nicht das eine Geheimrezept. Aber bevor ich 2024 gesagt habe, ich gehe all in, habe ich mir bewusst die Frage gestellt: Bro, du bist Songwriter, du hast ein chilliges Leben, niemand kennt dich, außer die Supernerds, die in die Credits gucken. Will ich, dass die Öffentlichkeit mich wahrnimmt? Das war ein Deal, den ich mit mir selbst gemacht habe.
Ich trinke seit zehn Jahren keinen Alkohol mehr, ich nehme keine Drogen, ich bin immer nüchtern, ich erlebe alles aktiv. Ich habe Flugmodus an, wenn ich schlafen gehe: Die letzte halbe Stunde vor dem Einpennen bin ich nicht am Handy, im besten Fall auch die erste Stunde nach dem Aufwachen nicht. Stattdessen mache ich mir einen koffeinfreien Hafer-Cappuccino, sitze auf meinem Balkon, gucke an die Wand oder in den Himmel und komme erst mal in dem Tag an, bevor es wieder abgeht auf TikTok.
Es wirkt, als wäre immer alles unter Kontrolle gewesen.
FAYAN: Die ersten Jahre, ohne Geld, ohne Kontakte, da war ich noch am Kiffen. Ich war richtig verloren, Bro, ich war immer am Smoken, voll unzufrieden mit mir selbst und hatte noch 20 Kilo mehr. Irgendwann kam der Switch: Das ist mein Leben, so soll das jetzt sein. Und dann habe ich ein paar Sachen für mich geändert.
Auch ich habe mal einen schlechten Tag, auch ich habe mal keinen Bock auf Sport. Wir sind Menschen, Bro, wir sind nicht bei der Roboter-Olympiade, wir haben Feelings. Der Key ist, alle Gefühle zuzulassen, statt die schlechten wegzudrängen. Am Wochenende saß ich den ganzen Sonntag auf der Couch, habe Fußball-Highlights geguckt und Alben gehört. Im Hustle-Kontext würde man sagen, ich habe Zeit verschwendet. Ich hatte einfach mal einen Sonntag.
„Wir sind nicht bei der Roboter-Olympiade. Wir haben Feelings.“ ●

Kesselhaus Berlin: von 70 Tickets zu 1.000 Leuten
Das größte Konzert deines Lebens steht an. Erzähl.
FAYAN: Am 6. November im Kesselhaus in Berlin, da gehen gut 1.000 Leute rein. Das ist das größte Solo-Konzert, das ich je gespielt habe. Im April haben wir die erste Tour gespielt, drei Länder, neun Städte in elf Tagen, alle Städte in Deutschland ausverkauft. Im Sommer zwölf, dreizehn Festivals, unsere ersten Festivals überhaupt. Vor drei Jahren habe ich in Berlin vielleicht 70 oder 100 Tickets verkauft. Es können nicht alle sofort das Olympiastadion vollmachen.
Am 30. Oktober kommt die EP „Gute alte Zeit“. Es gibt sie überall im Streaming, aber wir machen auch eine CD und eine Vinyl, eine orange Schallplatte. In Zeiten, in denen man sich alles nur von Streaming-Anbietern leiht, habe ich es immer geliebt, von meinen Lieblingsartists etwas in der Hand zu halten. Am 6. November spielen wir das Release-Konzert, zum allerersten Mal mit kompletter Live-Band. Das wird ein absoluter Fiebertraum.
Warum heißt die EP „Gute alte Zeit“?
FAYAN: Jeder Mensch hat eine gute alte Zeit in seinem Leben: das erste Mal verliebt sein, das erste Mal selbst Auto fahren, das erste Mal ausziehen. Ich meinte im Studio zu Dalton: In ein, zwei, fünf oder zehn Jahren werden wir sagen, Bro, weißt du noch, das war die beste Zeit. Aber da sind wir eigentlich gerade jetzt, in diesem Moment. Die gute alte Zeit ist eigentlich immer jetzt. Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, wir haben immer nur das Jetzt in der Hand.
Wenn es für immer so wäre, wie es jetzt gerade ist, wäre ich mega happy. Das, was ich am liebsten mache, ist mein Beruf. Ich bin gesund, ich habe ein Dach über dem Kopf, ich mache den Wasserhahn an und es kommt sauberes Wasser raus. Bro, wie krass soll’s noch werden?

Der Cheeseburger um drei Uhr nachts
Jetzt mal ehrlich: Warum fragt dein Management einen veganen Podcast an?
FAYAN: Ich bin seit fünf Jahren vegan, ernähre mich komplett vegan. Ich habe das nie groß an die Glocke gehängt, ich mache nicht jeden Tag Stories darüber, was für ein toller Veganer ich bin. Ich habe das erst mal einfach für mich gemacht. Davor war ich sechs, sieben Monate vegetarisch.
Was war der Auslöser?
FAYAN: Ich war im Studio außerhalb von Berlin, nachts um drei, alle hatten Hunger, und es gab nur Burger. Der Manager hat für alle Cheeseburger geholt, Classic mit Rind. Ich esse den Burger, der hat so ekelhaft geschmeckt, und ich dachte: Für diesen Burger hätte keine Kuh ihr Leben lassen müssen. Aus dieser einen Situation haben sich in den Folgetagen so viele Fragen ergeben: Warum esse ich das eigentlich? Dann habe ich es ohne Fisch, ohne Fleisch, ohne totes Tier auf dem Teller probiert. In Berlin ist es zu einfach, gut vegan zu sein. Nach fünf, sechs Monaten bin ich komplett auf vegan geswitcht.
„Für diesen Burger hätte keine Kuh ihr Leben lassen müssen.“ ●
Was waren deine Gründe?
FAYAN: Drei Gründe. Der erste war subjektiv: Ich hatte das Gefühl, es könnte ein gesunder Lebensstil sein, und ich wollte mich mal aktiv damit beschäftigen, was ich den ganzen Tag esse und trinke. Der zweite: Bro, wie geil sind Tiere? Hund, Pferd, Kuh, Tiere sind einfach das Beste, was es gibt. Der dritte Grund war eher spirituell. Ich hatte damals ein krasses Hoch, Ernährung umgestellt, aufgehört zu kiffen, wieder Sport gemacht. Und dann habe ich mich gefragt: Wie lebendig kann meine eigene Energie sein, wenn ich mir jeden Tag tote Energie verabreiche? Das klingt für Fleischesser krass. Aber es ist genau so, wie es ist.
Ich habe mir die Frage gestellt: Wie wäre die Welt, wenn alle Menschen so wären wie ich? Wäre sie besser oder schlechter? Das kann sich jeder selbst fragen. Ich dachte: Es gibt Sachen, die kann ich noch optimieren, vor allem die Ernährung.

„Bro, wie geil ist Gemüse eigentlich?“: Tipps für den Anfang
Deine drei Tipps für Leute, die anfangen wollen?
FAYAN: Ich habe mir am Anfang CodeCheck runtergeladen und die Produkte abgescannt, die ich zu Hause hatte. Apfelsaft ist je nach Klärung nicht vegan, Oreos sind vegan, das wissen die meisten nicht. Überleg dir: Was esse und trinke ich am meisten, was davon ist vegan, und wie kann ich den Rest ersetzen? Heute kann man sich den Scanner fast sparen, weil in Deutschland auf allem vegan draufsteht. Vor fünf Jahren gab es im Rewe einen 50-Zentimeter-Kühlschrank mit veganen Produkten, jetzt ist es meterweit. Nicht, dass Ersatzprodukte immer der beste Weg sind, aber am Anfang sind sie eine Hilfeleiter.
Und: Veganismus fühlt sich für mich null wie Verzicht an. Ich habe das Gefühl, ich habe alles dazugewonnen. Wenn die erste Frage an einen Veganer ist, was isst du denn dann, frage ich mich: Ja, was isst du denn den ganzen Tag? Bro, wie geil ist Gemüse eigentlich, was kann man damit alles machen? Ich habe noch nie so gut gegessen wie seit ich vegan bin. Wie oft hört man nach dem Mittagessen: Das Steak hat mich komplett zerfetzt, ich brauche jetzt einen Mittagsschlaf. Dieses Gefühl, mich dreckig vom Essen zu fühlen, hatte ich in fünf Jahren nicht ein einziges Mal.
Was war beim Thema Tierleid der Gamechanger?
FAYAN: Ich komme aus dem Schwarzwald, regional, du siehst die Kuh auf der Weide. Aber auf jedem Streaminganbieter gibt es Dokus, oder man guckt auf YouTube drei Minuten, wie Milch oder Fleisch entsteht. Allein der Fakt bei Kuhmilch: Die Kühe müssen die ganze Zeit schwanger gehalten und von ihren Babys getrennt werden, damit sie weiter Milch produzieren. Viele rechtfertigen sich mit „ich kaufe alles bio“. Aber wie sollen hunderte Millionen Liter Milch mit glücklichen Kühen produziert werden? Das ist nicht möglich. Und wenn du 2,50 Euro für 500 Gramm Hackfleisch bezahlst: Bro, woher glaubst du, kommt das Fleisch?
„Wenn du 2,50 Euro für 500 Gramm Hackfleisch bezahlst: Woher glaubst du, kommt das Fleisch?“ ●
Bist du eher der leise oder der laute Veganer?
FAYAN: Ich versuche, nicht so militant unterwegs zu sein, weil Menschen sich schnell angegriffen fühlen, wenn man ihnen etwas abspricht, was sie schon immer machen. Ich habe das seit fünf Jahren in meinen Stories, aber unterschwellig: Wenn Leute nach meinem Lieblingsessen fragen, sage ich vegane Lasagne. Ich trinke Hafermilch im Kaffee, Mandelmilch im Shake. Ich sage nicht jeden Tag, alle, die nicht vegan sind, sind schlechte Menschen. Das ist ja nicht so. Es ist verbesserungsfähig.
Man muss auch nicht alles von heute auf morgen umstellen. Letztens war ein Bro bei mir in Berlin zu Besuch und hat gesagt: Ich will nur das essen, was du auch isst. Mittwoch esse ich vegan und trinke nur Milchalternativen, als Beispiel. Dann merkt man, das geht voll entspannt, aus dem einen Tag werden zwei und irgendwann vielleicht das ganze Leben. Es scheitert nicht an mangelndem Angebot.
Cap und Schuhe, alles vegan?
FAYAN: Ich habe wahrscheinlich noch Luft nach oben. Ich ernähre mich auf jeden Fall vegan, aber ich weiß nicht, ob meine Mütze oder meine Schuhe zu hundert Prozent aus veganer Herstellung sind und gar kein Tierleid involviert ist. Das ist in so viele Sachen involviert, Bro, es ist zu crazy.

Veganes Dinner mit Denzel Washington, RAYE und Ronaldo
Veganes Dinner, drei Gäste, egal wer. Wen lädst du ein?
FAYAN: Denzel Washington, einer meiner Lieblingsschauspieler aller Zeiten, ich mag, wie er spricht und denkt. Dann RAYE, die Sängerin, die feiere ich übertrieben. Und den brasilianischen Ronaldo. Dann hat man USA, UK und Südamerika abgedeckt. Ich würde für die kochen, weil wenn die alle Insta-Stories davon posten, wie lecker das vegane Essen war, sehen das Fußball-Fans, Film-Fans, Musik-Fans.
Es gibt eine vegane Lasagne mit veganem Hack, weil ich mir vorstellen kann, dass die drei nicht vegan sind. Ein klassisches Gericht auf vegane Art, damit die checken: Alter, ich brauche gar keine Kuh in meiner Lasagne, damit die schmeckt. Als Vorspeise Baked Tofu: Tofu kleinreißen, in Speisestärke, backen, dann mit Agavendicksaft anbraten, dass er leicht karamellisiert. Dazu Zuckerschoten, vielleicht veganes Kimchi. Den Tofu hat man direkt im guten Licht dargestellt.
Zwei Songs für die Plantbased Playlist?
FAYAN: Asake, ein nigerianischer Künstler, der war die letzten drei, vier Jahre in meinem Jahresrückblick immer auf Platz eins. Ich verstehe die Hälfte nicht, weil es Pidgin und Yoruba ist, aber ich fühle alles. Nach seiner Musik fühle ich mich, als wäre meine Seele gereinigt. Der Song: „Gratitude“, Dankbarkeit.
Und Casper, mein deutscher GOAT. Ich habe „Alles war schön und nichts tat weh“ tätowiert. Casper war einer der Menschen, die mir in jungen Jahren Hoffnung gegeben und Licht in meine Dunkelheit gebracht haben, als ich Abi gemacht habe und sehr verloren war. Kid Cudi und Casper haben mein Leben gerettet. Heute bin ich dankbar für alle Hochs und vor allem für die Tiefs. Alles war schön und nichts tat weh.
Fun Fact aus dem Gespräch: Beide standen beim selben frühen Casper-Konzert im Jazzhaus Freiburg, XOXO-Tour, vielleicht 150 Leute im Raum. Wer die Platte nachhören will: Casper, „XOXO“ bei Amazon*.

Hass, Hetze und ein Gesetz, das jeden selbst schlachten lässt
Sebastian Everding von der Tierschutzpartei hat uns eine Frage dagelassen: Findest du es wichtig, dich politisch zu engagieren?
FAYAN: Sehr wichtig. In Zeiten wie diesen muss man dem ganzen Hass und der Hetze etwas entgegenbringen und sich nicht von rechts überrollen lassen. Wenn ich auf Social Media live bin, bringe ich das fast immer zur Sprache, obwohl der Algorithmus das nicht mag: Hass und Hetze sind für mich keine Alternative. Miteinander reden statt übereinander. Demokratie ist ein Geschenk, das ich an meine Kinder weiterschenken möchte. Aber sie bedarf Arbeit, wie eine zwischenmenschliche Beziehung.
Ich bin mit vielen nicht-deutschen Menschen groß geworden, im Fußballverein waren Leute aus allen Ländern, und ich habe das immer als Bereicherung gesehen. Es ist immer leichter, das Problem bei anderen zu suchen, statt sich zu fragen: Was kann ich tun, damit das Ganze besser wird? Die meisten Menschen, die die AfD wählen, sind wahrscheinlich die, die die größten Nachteile davon haben werden. Leute, macht euch euer eigenes Bild. Lasst euch nicht von Hass und Hetze vereinnahmen.
Du bist einen Tag Politiker. Eine Sache, die du änderst?
FAYAN: Klassiker wäre: Massentierhaltung verbieten. Aber vielleicht gibt es etwas Besseres. Ein Gesetz: Menschen dürfen Fleisch essen, aber jeder, der ein tierisches Produkt will, muss es selbst dahin bringen, dass es verzehrbar ist. Willst du Milch von der Kuh, musst du sie melken. Willst du ein Kalbsfilet, Bro, dann musst du das Kalb töten, schlachten, häuten, alles. Würden alle das lebende Kalb sehen, würde es keiner essen. Ganz viele wissen gar nicht, was ein Kalb eigentlich ist, was ein Lamm ist und wie es mich anguckt, wenn es noch lebt. Wenn jeder seine Frühstückseier selbst hinbringen müsste, würden ganz viele Menschen keine Eier mehr essen.
„Liebe ist die Antwort auf jede Frage“
Du sagst am Ende jeder Show denselben Satz.
FAYAN: Liebe ist die Antwort auf jede Frage. Und Nächstenliebe und Miteinander statt Gegeneinander. Ich glaube, das ist die Antwort. Ich bin eher optimistisch, trotz dessen, was gerade alles passiert, weil ich die Hoffnung habe, dass die Menschen am Ende trotzdem gut sind. Du kriegst, was du schickst. Ich versuche, Liebe auszusenden, und bekomme in der Begegnung mit den Menschen diese Liebe zurück.
Was willst du der Community zum Schluss mitgeben?
FAYAN: Seid lieb zueinander. Es klingt super plakativ, aber es ist einfach so. Schritt für Schritt können wir in eine bessere Welt kommen, ob zwischenmenschlich, individuell oder ernährungstechnisch. Man darf diesen riesigen Wandel nicht über Nacht erwarten, nicht von der Welt und nicht von sich selbst. Teilt den riesigen Berg, den man vor sich sieht, in ganz viele kleine Berge. Kleiner Berg nach kleinem Berg, dann geht’s uns allen ein kleines Stückchen besser.
„Die gute alte Zeit ist eigentlich immer jetzt.“ ●

Cap, Schuhe und der eine vegane Tag: unsere Einordnung
Zwei Stellen im Gespräch verdienen einen zweiten Blick, weil sie bei This Is Vegan dazugehören. FAYAN sagt offen, dass er bei Cap und Schuhen nicht weiß, ob Tierleid drinsteckt. Das ist ehrlicher als die meisten Antworten, die wir zu dem Thema hören. Leder, Wolle und Daunen sind Produkte derselben Industrie, die auch das Hackfleisch für 2,50 Euro liefert. Wer beim Essen schon umgestellt hat, hat den größten Teil des Weges hinter sich, der Kleiderschrank ist der nächste Abschnitt. Was es dafür braucht, steht in unserem Stück über Leder aus Melonenschalen und in der Geschichte über das Modelabel DOBE. von Aljosha Muttardi.
Dann der eine vegane Tag pro Woche, den FAYAN seinem Kumpel empfiehlt. Wir verstehen den Gedanken: Niemand ändert sein Leben an einem Dienstag. Dem einzelnen Tier ist der Wochentag allerdings egal, es zählt nur, ob es auf dem Teller landet. Deshalb lesen wir den Mittwoch als Einstieg. Das Ziel bleibt die ganze Woche. Wer den Weg weitergehen will, findet bei uns den Anfang: Wie werde ich Veganer? Dazu passen die besten Vegan-Dokus, die FAYAN im Gespräch als Gamechanger beschreibt, unser Ratgeber zur Hafermilch für den Cappuccino am Morgen und, falls der Apfelsaft Thema wird, der Blick auf Klärmittel in Getränken.
Mehr aus dem Plantbased Podcast ●
So ist dieses Interview entstanden ●
Yannick Haldenwanger hat das Gespräch mit FAYAN am 25. August 2026 remote über Riverside aufgenommen, FAYAN war aus Berlin zugeschaltet. Für die Lesefassung haben wir das Gespräch gekürzt, umgestellt und sprachlich geglättet, ohne Aussagen zu verändern. Chartplatzierung, Tourdaten, Radiopreis und der SWR3 New Pop Award sind öffentlich belegt (Offizielle Deutsche Charts, All Artists Agency, Deutscher Radiopreis, SWR3). Die Kooperationen und die Gold-Auszeichnung als Songwriter stützen sich auf Universal Music Publishing und FAYANs Pressetext. Dass das Gold für „Never Know“ kam, sagt FAYAN im Gespräch, ebenso stammen die Angaben zu Streams, zur Kapazität des Kesselhauses, zu Followern und zu seiner veganen Ernährung aus dem Gespräch. Fotos: Standbilder aus dem Podcast sowie Pressefotos und Standbilder aus FAYANs Musik- und Live-Videos, mit freundlicher Genehmigung von FAYAN. Der Ticket-Link zu Eventim und der Amazon-Link sind Affiliate-Links.



