Neue Studie: Ihr mögt Linsen doch. Warum landen sie nicht auf dem Teller?
Kurze Gewissensfrage: Wann hast du zuletzt Linsen gegessen? Nicht als Zutat, die zufällig im Fertiggericht steckte, sondern bewusst gekocht? Wenn du gerade überlegen musst, bist du in bester Gesellschaft.
Eine neue Studie von Zühlsdorf + Partner und der Universität Göttingen hat genau dieses Phänomen untersucht. 1.051 Menschen zwischen 16 und 29 Jahren wurden im Frühjahr 2026 befragt, und das Ergebnis ist ein klassischer Fall von “eigentlich mögen wir uns”: Hülsenfrüchte gelten als Protein-Food, als gesund, als sättigend. Auf dem Teller landen sie trotzdem selten.
Wir haben uns die komplette Studie angeschaut, nicht nur die Pressemeldung. Hier kommt, was wirklich drinsteht und was du daraus für deine Küche mitnehmen kannst.
Die kurze Antwort
Junge Erwachsene in Deutschland finden Hülsenfrüchte gut: 60 Prozent sehen sie als “Protein Food”, 55 Prozent haben positive Erfahrungen damit. Trotzdem achten nur 23 Prozent darauf, viele davon zu essen. Der Grund ist laut der Göttinger Studie kein Wissensproblem, sondern fehlende Routinen, Rezepte und Sichtbarkeit im Alltag.
Was die Studie zeigt: Top-Image, leerer Teller
Die Zahlen lesen sich zunächst wie eine Liebeserklärung. In der Imageabfrage ordnen 60 Prozent der Befragten Hülsenfrüchte als “Protein Food” ein, 58 Prozent als “Öko-Essen”. 55 Prozent beschreiben ihre bisherigen Erfahrungen mit Hülsenfruchtgerichten als positiv, nur 7 Prozent als negativ. Im Wissensquiz wussten 75 Prozent, dass Hülsenfrüchte viel Protein enthalten.
Dann kommt der Bruch. Nur 23 Prozent achten sehr oder eher darauf, viele Hülsenfrüchte zu essen. Nur 30 Prozent kochen häufig damit, für 33 Prozent gehören sie zur gewohnten Ernährung. Und wenn junge Leute über Essen reden oder posten, sind Hülsenfrüchte fast unsichtbar: Gerade mal 16 Prozent sprechen häufig oder sehr häufig darüber.
Dabei wäre der Moment günstig. Der Anteil junger Menschen, die fleischlos leben, ist seit der Vorgängerstudie 2021 von 12 auf 21 Prozent gestiegen. Protein und Ballaststoffe sind die Food-Themen der Stunde. Hülsenfrüchte liefern beides, billiger als jeder Proteinriegel.
| Aussage der Befragten | Zustimmung |
|---|---|
| Hülsenfrüchte sind “Protein Food” | 60 % |
| Bisherige Erfahrungen positiv | 55 % |
| Ich achte darauf, viele Hülsenfrüchte zu essen | 23 % |
| Ich koche häufig Gerichte mit Hülsenfrüchten | 30 % |
| Ich bin unsicher bei der Zubereitung | 35 % |
| Ich spreche/poste häufig über Hülsenfrüchte | 16 % |
Woran es wirklich hakt
Die Studie räumt mit einer bequemen Erklärung auf: Es liegt nicht am fehlenden Wissen. Falsche Überzeugungen (“Hülsenfrüchte sind schlecht für den Muskelaufbau”) vertreten je nach Frage nur 10 bis 20 Prozent. Was stattdessen dominiert, ist Unsicherheit. 35 Prozent der Befragten wissen schlicht nicht, wie sie Hülsenfrüchte am besten zubereiten sollen. Beim Thema Preis herrscht Ratlosigkeit: Dass getrocknete Linsen günstiger sind als die Dose, wussten nur 31 Prozent, fast die Hälfte antwortete mit “weiß ich nicht”.
Dazu kommt das Sichtbarkeitsproblem. Junge Leute reden über Essen, das easy ist, das schmeckt, das clean ist und Gains bringt. Hülsenfrüchte passen in jede dieser Schubladen, tauchen dort aber kaum auf. Kein Reel, kein Meal-Prep-Video, kein Gespräch in der WG-Küche. Was nicht sichtbar ist, wird nicht nachgekocht.
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Jetzt kostenlos anmeldenDie Forscher:innen teilen die junge Generation dafür in drei Gruppen: ernährungskompetente Opinion Leaders (27 Prozent), die viel wissen, aber wenig posten. Social-Media-aktive Foodies (38 Prozent), die am ehesten über Essen kommunizieren und Hülsenfrüchte schon etwas stärker im Alltag haben. Und alltagsorientierte Pragmatists (35 Prozent), denen Ernährung eher egal ist und die bei der Zubereitung am unsichersten sind.
Zur Einordnung der Größenordnung: Der Verzehr in Deutschland liegt bei geschätzt 3,3 bis 3,7 Kilogramm gegarten Hülsenfrüchten pro Kopf und Jahr. Die DGE empfiehlt seit 2024 gut 6,5 Kilogramm, also 125 Gramm gekochte Hülsenfrüchte pro Woche. Die Planetary Health Diet setzt sogar rund 49 Kilogramm an. Zwischen Ist und Ideal liegt je nach Maßstab Faktor 2 bis 15.

So belastbar ist die Studie
Kurzer Faktencheck, bevor du die Zahlen weitererzählst. Befragt wurden 1.051 Personen zwischen 16 und 29 Jahren, online, vom 20. März bis 18. April 2026 durch das Panel-Institut Bilendi. Die Stichprobe ist ein Quotensample nach Alter, Geschlecht, Bildung und Region, laut Studie “näherungsweise repräsentativ”. Das ist solide für diese Art von Konsumforschung, aber kein Zufallssample.
Grenzen gibt es auch. Alle Angaben sind Selbstauskünfte, gegessen wurde nichts nachgewogen. Die Studie erschien als Chartbook im BMLEH-geförderten Forschungsprojekt StrahL, dessen erklärtes Ziel mehr heimischer Hülsenfruchtkonsum ist, ein Peer-Review gab es nicht. Und der Vergleichswert von 12 Prozent fleischloser Ernährung stammt aus einer methodisch ähnlichen, aber eigenen Befragung von 2021. Die Kernbotschaft (gutes Image, schwache Alltagsverankerung) stützen die Daten trotzdem sauber, weil sie sich über mehrere Fragen hinweg konsistent zeigt.
3 Einstiegs-Hacks: So landen Linsen wirklich auf deinem Teller
Die Studie sagt: Es fehlen Routinen und gelingsichere Rezepte. Genau da kannst du ansetzen, und zwar deutlich entspannter, als das Wort “Hülsenfrucht” klingt.
Hack 1: Fang mit der Dose an. Einweichen, stundenlang kochen, Schaum abschöpfen: alles optional. Kichererbsen, Kidneybohnen und weiße Bohnen aus der Dose sind fertig gegart. Abspülen, fertig. Ab damit ins Curry, in die Pasta-Sauce, aufs Blech zum Ofengemüse. Die Studie zeigt übrigens, dass genau solche einfachen Produkte bei 46 Prozent der Befragten als attraktiv gelten. Du stehst damit also nicht allein im Vorratsregal.
Hack 2: Rote Linsen sind das Anfänger-Cheat. Sie brauchen kein Einweichen und sind in 10 Minuten weich. Ein Linsen-Dal aus Zwiebel, Knoblauch, Kokosmilch und Currypaste ist schneller fertig als der Lieferdienst. Wie viel Protein da drinsteckt und wie sich Linsen gegen Tofu, Tempeh und Seitan schlagen, findest du in unserer großen Übersicht veganer Proteinquellen.
Hack 3: Häng Hülsenfrüchte an Gerichte, die du eh schon kochst. Neue Rezepte scheitern, neue Zutaten in alten Rezepten nicht. Bolognese? Halbe Portion rote Linsen rein. Wrap? Hummus statt Frischkäse. Frühstück gefällig: Aus Kichererbsenmehl wird ein herzhaftes Kichererbsen-Omelette, das du in einer Pfanne und zehn Minuten hinbekommst. Wer es aufs Brot mag: Selbstgemachte Aufstriche aus Bohnen oder Linsen sind der günstigste Einstieg überhaupt.
Falls dich das Thema Protein generell umtreibt: Wie viel Eiweiß du als Veganer:in tatsächlich brauchst, haben wir im Artikel zum veganen Eiweißbedarf evidenzbasiert aufgedröselt. Und wenn du beim Einkaufen schnell checken willst, was in Produkten steckt, helfen dir unsere 17 kostenlosen Vegan-Tools.
FAQ
Wie viele Hülsenfrüchte sollte ich pro Woche essen?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt seit 2024 mindestens 125 Gramm gekochte Hülsenfrüchte pro Woche, also etwa eine halbe Dose Kichererbsen. Internationale Empfehlungen wie die Planetary Health Diet liegen deutlich höher. Nach oben ist reichlich Luft: Mehr ist für die meisten Menschen gesundheitlich eher von Vorteil.
Sind Hülsenfrüchte aus der Dose ungesünder als getrocknete?
Nein, der Nährstoffverlust durch die Konservierung ist überschaubar, Protein und Ballaststoffe bleiben weitgehend erhalten. Getrocknete Ware ist laut Studie meist günstiger, was aber nur 31 Prozent der jungen Befragten wussten. Für den Alltag gilt: Die Dose, die du tatsächlich isst, schlägt das Trockenpaket, das im Schrank verstaubt.
Was hilft gegen Blähungen durch Hülsenfrüchte?
Klein anfangen und dranbleiben, der Darm gewöhnt sich nachweislich an die enthaltenen Ballaststoffe. Zusätzlich helfen gründliches Abspülen von Dosenware, langes Garen, Gewürze wie Kreuzkümmel und der Griff zu roten Linsen, die als besonders gut verträglich gelten.
Warum essen junge Leute so wenig Hülsenfrüchte, obwohl sie sie gut finden?
Laut der Göttinger Jugendstudie liegt es kaum an Wissen oder schlechten Erfahrungen. Es fehlen Alltagsroutinen, einfache Rezepte und soziale Sichtbarkeit: Nur 16 Prozent sprechen oder posten überhaupt regelmäßig über Hülsenfrüchte. Was im Feed und in der WG-Küche nicht vorkommt, wird selten nachgekocht.
FAQ - Das fragen andere
Was die Studie zeigt: Top-Image, leerer Teller?
Wie viele Hülsenfrüchte sollte ich pro Woche essen?
Sind Hülsenfrüchte aus der Dose ungesünder als getrocknete?
Was hilft gegen Blähungen durch Hülsenfrüchte?
Warum essen junge Leute so wenig Hülsenfrüchte, obwohl sie sie gut finden?
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