Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt seit März 2024, dass mehr als drei Viertel unserer Ernährung pflanzlich sein sollen. Fleisch und Wurst sind auf höchstens 300 Gramm pro Woche begrenzt, Hülsenfrüchte bekommen einen eigenen Platz im Ernährungskreis. Was genau drinsteht, wie weit Deutschland davon entfernt ist, was die DGE zur veganen Ernährung sagt und wie du die Empfehlungen komplett pflanzlich umsetzt, steht hier.
Kurz gesagt: Was empfiehlt die DGE?
Täglich fünf Portionen Obst und Gemüse, 25 Gramm Nüsse, fünf Portionen Getreide (mindestens ein Drittel Vollkorn) und zwei Portionen Milchprodukte. Pro Woche mindestens eine Portion Hülsenfrüchte, ein bis zwei Portionen Fisch, höchstens 300 Gramm Fleisch und Wurst und ein Ei. Eine vegane Ernährung hält die DGE für gesunde Erwachsene für möglich, wenn sie gut geplant ist und Vitamin B12 ergänzt wird.

Inhalt8 Kapitel
- 01Die DGE-Empfehlungen 2024 im Überblick
- 02Wie viel Fleisch pro Woche empfiehlt die DGE?
- 03Die DGE-Empfehlungen vegan umgesetzt
- 04Was die DGE zur veganen Ernährung sagt
- 05Kritik von zwei Seiten
- 06Deutschland und die USA: zwei Richtungen
- 07Was im Ernährungskreis fehlt: die Tiere
- 08Häufige Fragen zu den DGE-Empfehlungen
Die DGE-Empfehlungen 2024 im Überblick.
Am 5. März 2024 hat die DGE ihre lebensmittelbezogenen Empfehlungen unter dem Titel „Gut essen und trinken“ neu veröffentlicht. Sie lösen die früheren Empfehlungen ab. Neu ist die Methode: Die Mengen stammen aus einem mathematischen Optimierungsmodell. Es berücksichtigt den Nährstoffbedarf, die Krankheitslast, die Umweltwirkung (Treibhausgase und Landnutzung) und wie nah die Empfehlungen an den tatsächlichen Essgewohnheiten liegen.
Die Orientierungswerte gelten für Erwachsene von 18 bis 65 Jahren bei rund 2.000 Kilokalorien am Tag:
| Lebensmittelgruppe | DGE-Empfehlung |
|---|---|
| Obst und Gemüse | 5 Portionen à 110 g täglich |
| Hülsenfrüchte | mindestens 1 Portion à 125 g (gekocht) pro Woche |
| Nüsse und Samen | 25 g täglich |
| Getreide (Brot, Nudeln, Reis) | 5 Portionen à 60 g täglich, mindestens ein Drittel Vollkorn |
| Kartoffeln | 1 Portion à 250 g pro Woche |
| Pflanzenöl | 10 ml täglich, dazu 10 g Butter oder Margarine |
| Milch und Milchprodukte | 2 Portionen täglich |
| Fisch | 1 bis 2 Portionen à 120 g pro Woche |
| Fleisch und Wurst | höchstens 300 g pro Woche |
| Eier | 1 Ei pro Woche |
| Getränke | rund 1,5 Liter täglich, bevorzugt Wasser |
Zusammengerechnet ist die empfohlene Ernährung laut DGE „zu mehr als ¾ pflanzlich und knapp ¼ tierisch“. Für vegetarische und vegane Ernährung sind laut der DGE-FAQ eigene, angepasste Empfehlungen geplant. Erschienen sind sie bis heute nicht.
Wie viel Fleisch pro Woche empfiehlt die DGE?.
Höchstens 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche. Das entspricht etwa zwei kleinen Portionen Fleisch plus ein paar Scheiben Wurst. In den alten Empfehlungen lag die Obergrenze noch bei 300 bis 600 Gramm.
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Laut der vorläufigen Versorgungsbilanz der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) lag der Pro-Kopf-Verzehr 2025 bei 54,9 Kilogramm Fleisch, 1,4 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Auf die Woche umgerechnet sind das gut 1.050 Gramm, also mehr als das Dreifache der Empfehlung. Der Wert ist ein Durchschnitt über alle Menschen in Deutschland, Vegetarier:innen und Veganer:innen eingerechnet. Wer Fleisch isst, liegt im Schnitt also noch darüber.

Die DGE-Empfehlungen vegan umgesetzt.
Die DGE rechnet mit einer Mischkost. Wer vegan isst, ersetzt die tierischen Gruppen. Die folgende Übertragung ist unsere eigene und keine offizielle DGE-Empfehlung. Sie stützt sich aber auf die Aussagen der DGE zu kritischen Nährstoffen und Pflanzendrinks:
- Statt Milchprodukten: Pflanzendrinks und pflanzlicher Joghurt, angereichert mit Calcium, Jod, Vitamin B2 und B12 und ohne zugesetzten Zucker. So empfiehlt es die DGE in ihrem Positionspapier zu Pflanzendrinks vom September 2024. Sojadrinks kommen beim Protein der Kuhmilch am nächsten.
- Statt Fleisch, Wurst und Eiern: deutlich mehr Hülsenfrüchte als die eine Wochenportion der DGE, dazu Tofu, Tempeh und Seitan. Wie du Linsen, Bohnen und Kichererbsen in den Alltag holst, steht in unserem großen Hülsenfrüchte-Guide.
- Statt Fisch: Die DGE zählt langkettige Omega-3-Fettsäuren bei veganer Ernährung zu den potenziell kritischen Nährstoffen. Pflanzliche Quellen sind Leinöl, Walnüsse und Chiasamen. Die langkettigen Formen EPA und DHA gibt es in Mikroalgenöl.
- Vitamin B12: Ein Präparat ist laut DGE bei veganer Ernährung „zwingend erforderlich“. Mehr dazu in unserem Artikel über den Mythos um vegane Mangelernährung.
- Jod: Jodsalz verwenden und bei Pflanzendrinks auf Jod achten.
Obst, Gemüse, Vollkorn, Nüsse, Kartoffeln und Öl übernimmst du eins zu eins. Diese Gruppen machen ohnehin den größten Teil des Ernährungskreises aus.
Vitamin B12 von Nutri+.
Unsere Empfehlung für B12 sind die Tropfen von Nutri+, einem rein pflanzlichen Supplement-Hersteller. Mit dem Code thisisvegan sparst du 10 Prozent.
Was die DGE zur veganen Ernährung sagt.
Im Juni 2024 hat die DGE ihre Position zur veganen Ernährung aktualisiert (Ernährungs Umschau 7/2024). Für gesunde Erwachsene kann eine vegane Ernährung demnach „eine gesundheitsfördernde Ernährung darstellen“. Die Bedingungen: ein B12-Präparat, eine gut geplante Lebensmittelauswahl und eine ausreichende Versorgung mit den kritischen Nährstoffen, falls nötig über weitere Präparate. Als potenziell kritisch nennt die DGE Protein, langkettige Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin (B2), Calcium, Eisen, Zink, Selen und gegebenenfalls Vitamin A. Jod hat eine Sonderstellung, weil die Versorgung in Deutschland insgesamt knapp ist.
Für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und ältere Menschen spricht die DGE „weder eine eindeutige Empfehlung für noch gegen“ eine vegane Ernährung aus. Sie rät diesen Gruppen dringend zu einer Ernährungsberatung. Das ist deutlich offener als 2016: Damals hatte die DGE eine vegane Ernährung für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche ausdrücklich nicht empfohlen. Die Umweltbilanz einer veganen Ernährung bezeichnet die DGE als „äußerst umweltfreundlich“.
Kritik von zwei Seiten.
Agrar- und Milchverbände: zu wenig Milch, zu wenig Fleisch
Der Milchindustrie-Verband kritisierte am Tag der Veröffentlichung, die Empfehlungen entsprächen „nicht der Lebensrealität der Menschen“, und warnte vor Nährstoffdefiziten. Im August 2024 legten sechs Verbände der Milch-, Fleisch- und Futterwirtschaft mit einer gemeinsamen Erklärung nach. Sie werfen der DGE fehlende Evidenz vor und warnen, bei konsequenter Umsetzung wären die „Regale in den Supermärkten schnell leer“. Wer hier spricht, verkauft die Produkte, um die es geht.
Ernährungsfachleute: Hülsenfrüchte kommen zu kurz
Aus der anderen Richtung kommt eine Studie, die im August 2026 in der Fachzeitschrift Current Developments in Nutrition erschienen ist. Befragt wurden 118 Ernährungs- und Gesundheitsfachleute aus 37 Ländern. 57,6 Prozent fanden die Ernährungsleitlinien ihres Landes nur „etwas“ oder „kaum“ hilfreich für die Praxis. Als zu schwach vertreten sahen sie Hülsenfrüchte (62,7 Prozent), Pflanzendrinks (47,5 Prozent) sowie Nüsse und Samen (42,4 Prozent). 83 Prozent sahen einen starken Einfluss der Lebensmittelindustrie auf die Leitlinien.
Zur Einordnung: Drei der fünf Autor:innen arbeiten für die vegane Lobbyorganisation ProVeg International, die die Studie mitfinanziert hat. Das ist in der Studie offengelegt. Die Teilnehmenden wurden über persönliche Netzwerke und LinkedIn gewonnen, die Autor:innen nennen die Ergebnisse selbst nicht repräsentativ. Und nur sechs Befragte kamen aus Westeuropa. Über die DGE im Speziellen sagt die Studie deshalb wenig aus, auch wenn Medienberichte etwas anderes nahelegen.
Deutschland und die USA: zwei Richtungen.
Wie unterschiedlich Leitlinien ausfallen können, zeigen die neuen US-Ernährungsrichtlinien vom 7. Januar 2026. Sie empfehlen 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, Proteinlebensmittel zu jeder Mahlzeit und drei Portionen Milchprodukte am Tag, ausdrücklich auch in der Vollfettvariante. Butter und Rindertalg werden als Fettquellen genannt.
Die DGE hat die US-Empfehlungen am 14. Januar 2026 eingeordnet. Ihr eigener Referenzwert für Protein liegt bei 0,8 Gramm pro Kilogramm für Erwachsene unter 65. In der „auf dem Kopf stehenden Ernährungspyramide“ der USA dominiere Fleisch die Gruppe der Proteinlebensmittel. Das Verfahren sei deutlich weniger transparent, und Nachhaltigkeit sei nicht erkennbar eingeflossen.
Was im Ernährungskreis fehlt: die Tiere.
Das Rechenmodell der DGE gewichtet Gesundheit, Umwelt und Essgewohnheiten. Die Tiere, die für Milch, Eier, Fisch und Fleisch gehalten und getötet werden, kommen darin nicht vor. Dass die Empfehlungen trotzdem weniger tierische Produkte vorsehen, ist ein Nebeneffekt aus Gesundheits- und Klimagründen.
Hinter den zwei Portionen Milchprodukten am Tag stehen Kühe, die regelmäßig ein Kalb bekommen müssen, damit sie Milch geben, und die davon meist kurz nach der Geburt getrennt werden. Hinter dem einen Ei pro Woche stehen Legehennen, die nach gut einem Jahr geschlachtet werden. Und selbst 300 Gramm Fleisch pro Woche bedeuten über ein Leben gerechnet viele Tiere. Wie viele es in Deutschland insgesamt sind, zeigt unser Überblick Wie viele Tiere werden geschlachtet?
Die DGE zeigt, dass eine Ernährung mit sehr wenig tierischen Produkten aus ihrer Sicht gesundheitlich sinnvoll ist. Den letzten Schritt, ganz ohne Tiere auszukommen, hält sie für gesunde Erwachsene für machbar. Für die Tiere macht genau dieser Schritt den Unterschied.
Dass pflanzliche Ernährung politisch noch benachteiligt ist, zeigt die Mehrwertsteuer: Kuhmilch wird mit 7 Prozent besteuert, Haferdrink mit 19 Prozent. Mehr dazu in unserem Artikel Sieben Prozent auf Fleisch, neunzehn auf Haferdrink. Was eine pflanzlichere Gemeinschaftsverpflegung einsparen könnte, steht in 2,53 Milliarden Euro im Jahr.
Wer den Einstieg sucht: Unser 30-Tage-Plan zum Vegan-Starten führt Schritt für Schritt durch Einkauf, Nährstoffe und Alltag.
Häufige Fragen zu den DGE-Empfehlungen.
Wie viel Fleisch empfiehlt die DGE pro Woche?
Höchstens 300 Gramm Fleisch und Wurst zusammen. Tatsächlich gegessen werden in Deutschland im Schnitt gut 1.050 Gramm pro Woche.
Hält die DGE eine vegane Ernährung für gesund?
Für gesunde Erwachsene kann sie laut DGE gesundheitsfördernd sein, wenn sie gut geplant ist und Vitamin B12 ergänzt wird. Für Kinder, Schwangere, Stillende und Ältere gibt die DGE weder eine Empfehlung dafür noch dagegen und rät zu Ernährungsberatung.
Wie viele Hülsenfrüchte empfiehlt die DGE?
Mindestens eine Portion à 125 Gramm gekocht pro Woche, das sind roh etwa 60 bis 70 Gramm. Bei veganer Ernährung dürfen es deutlich mehr sein, weil Hülsenfrüchte Fleisch und Eier als Proteinquelle ersetzen.
Kommen Pflanzendrinks im DGE-Ernährungskreis vor?
Nein. Die DGE hat aber ein eigenes Positionspapier dazu veröffentlicht. Sie empfiehlt Varianten, die mit Calcium, Jod, B2 und B12 angereichert sind und keinen zugesetzten Zucker enthalten.
Für wen gelten die DGE-Empfehlungen?
Für gesunde Erwachsene von 18 bis 65 Jahren mit Mischkost. Angepasste Empfehlungen für vegetarische und vegane Ernährung hat die DGE angekündigt.
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So haben wir recherchiert ●
Grundlage sind die DGE-Empfehlungen „Gut essen und trinken“ (5. März 2024) samt FAQ, das DGE-Positionspapier zur veganen Ernährung (Klug et al., Ernährungs Umschau 7/2024), das Positionspapier zu Kuhmilch und Pflanzendrinks (September 2024) und die DGE-Einordnung der US-Empfehlungen vom 14. Januar 2026. Die US-Zahlen stammen aus den Dietary Guidelines for Americans 2025 bis 2030. Der Fleischverzehr stammt aus der vorläufigen Versorgungsbilanz der BLE vom 7. April 2026, die Wochenwerte haben wir selbst berechnet. Die Umfrage stammt aus Klapp et al., Current Developments in Nutrition, August 2026. Die vegane Übertragung der Empfehlungen ist unsere eigene und ersetzt keine Ernährungsberatung. Links zu Nutri+ sind Affiliate-Links: Wenn du darüber bestellst, bekommen wir eine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Stand: 25. September 2026.