News

2,8 Millionen Wildtiere getötet: Die Zahlen der US-Behörde Wildlife Services

Die US-Behörde Wildlife Services hat 2025 genau 2.833.285 Wildtiere getötet. Fast der ganze Anstieg sind Stare, die Behörde nennt den Schutz von Milchviehbetrieben als Grund.

Ein wilder Kojote steht in einer Wiese mit gelben Wildblumen und blickt aufmerksam direkt in die Kamera
Foto: James Lee / Pexels

Eine US-Bundesbehörde hat im Haushaltsjahr 2025 genau 2.833.285 Wildtiere getötet. Das geht aus den Daten hervor, die das Programm Wildlife Services des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) Ende September veröffentlicht hat. Das sind im Schnitt mehr als 7.700 Tiere am Tag. Die Tierschutzorganisation World Animal Protection hat die Zahlen jetzt verbreitet und gibt der industriellen Tierhaltung eine Mitschuld.

Werbe-Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kaufst du über einen dieser Links, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. So finanzieren wir die Redaktion und bleiben unabhängig. Danke für deinen Support.

Wir haben die Originaltabellen der Behörde durchgesehen. Die Zahlen stimmen. Wer sie genauer liest, findet aber eine Geschichte, die in den meisten Posts fehlt: Hinter dem Anstieg um mehr als 900.000 Tiere stehen fast nur Stare. Und die Behörde begründet ihn mit dem Schutz von Milchviehbetrieben.

Inhalt6 Kapitel
  1. 01Was Wildlife Services ist
  2. 02Welche Tiere getötet wurden
  3. 03Die eigentliche Zahl: zwei Millionen Stare
  4. 04Was in den Posts fehlt
  5. 05Tierethische Einordnung
  6. 06Was du tun kannst

Was Wildlife Services ist.

Wildlife Services gehört zur USDA-Abteilung für Tier- und Pflanzengesundheit (APHIS). Die Behörde rückt aus, wenn Wildtiere Ernten, Weidetiere, Flughäfen, Gebäude oder die Gesundheit von Menschen gefährden sollen. Oft vertreibt sie die Tiere nur. Laut eigenem Bericht hatte sie 2025 mit rund 28,1 Millionen Tieren zu tun, etwa 25,2 Millionen davon wurden vertrieben. Gut zehn Prozent wurden getötet.

Bezahlt wird das Programm etwa zur Hälfte aus Bundesmitteln, rund 138 Millionen Dollar. Die andere Hälfte, gut 124 Millionen, zahlen Auftraggeber wie Bundesstaaten, Kommunen, Flughäfen und Landwirtschaftsbetriebe. Das Haushaltsjahr lief vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025.

Welche Tiere getötet wurden.

Die Liste von World Animal Protection haben wir Zeile für Zeile mit den Tabellen der Behörde verglichen. So viele Tiere dieser Arten hat Wildlife Services 2025 getötet:

  • 68.760 verwilderte Tauben
  • 61.383 Kojoten
  • 23.422 Biber
  • 8.629 Waschbären
  • 2.292 Opossums
  • 1.314 Rotfüchse
  • 743 verwilderte oder frei laufende Katzen
  • 402 Schwarzbären
  • 326 Grauwölfe, dazu 3 der stark bedrohten Mexikanischen Wölfe
  • 122 verwilderte oder frei laufende Hunde, dazu ein Herdenschutzhund, der versehentlich in einer Schlinge starb

In diesen Zahlen stecken auch Tiere, die gar nicht gemeint waren. Bei den Waschbären sind es 464, bei den Kojoten 117. Die Behörde selbst spricht von 2.246 heimischen Tieren, die 2025 unbeabsichtigt getötet wurden.

Die Grauwölfe starben vor allem in Minnesota (208), Montana und Wyoming (je 39). In Minnesota wurden sie fast alle mit Tellereisen und Schlingen gefangen, in Montana 38 von 39 aus dem Helikopter erschossen.

Einmal pro Woche das Beste aus dem Magazin

Neue Tests, Rezepte und echte Recherchen, dazu die Rabattcodes unserer Partner. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Die eigentliche Zahl: zwei Millionen Stare.

Die Kojoten und Wölfe machen die Schlagzeilen. Den größten Posten bilden aber Vögel. 2.150.100 Europäische Stare hat Wildlife Services 2025 getötet, das sind drei Viertel aller getöteten Tiere. Dahinter folgen mit großem Abstand 131.740 Wildschweine.

Fast alle Stare starben durch das Gift DRC-1339, ein Mittel, das die Behörde in Ködern auslegt. Insgesamt wurden damit 2.012.691 Tiere getötet, darunter auch über 10.000 Kolkraben.

Und genau hier liegt der Anstieg. 2024 hatte Wildlife Services 1.928.932 Tiere getötet, 2025 waren es 904.353 mehr. Fast der gesamte Zuwachs, 903.660 Tiere, entfällt auf Stare. Die Behörde erklärt das selbst: Wegen der Sorge vor der Vogelgrippe hätten Betriebe zusätzliche Giftköder angefordert, und man habe Milchviehanlagen verstärkt vor Staren geschützt, um Ausfälle bei der Milchproduktion zu verhindern.

Der Satz von World Animal Protection, dass Wildtiere für die industrielle Tierhaltung bezahlen, ist an dieser Stelle also ziemlich wörtlich zu nehmen.

Was in den Posts fehlt.

Ein paar Dinge erwähnt World Animal Protection nicht. Laut Behörde gelten 86,7 Prozent der getöteten Tiere als invasive Arten. Dazu zählen Europäische Stare, verwilderte Tauben und Wildschweine, die in Nordamerika ursprünglich nicht heimisch sind. Für die Tiere ändert das nichts, sie sterben trotzdem. Es erklärt aber, warum die Behörde ihre Zahlen ganz anders darstellt als die Tierschützer.

Gemessen an den Ausgaben ist die Landwirtschaft auch nicht der größte Auftraggeber. Knapp 33 Prozent des Geldes flossen 2025 in den Schutz von Landwirtschaft, also Weidetieren, Äckern, Fischzucht und Wald. Mehr, nämlich knapp 37 Prozent, ging an Einsätze für Gesundheit und Sicherheit von Menschen, etwa an Flughäfen. Die Stare an den Milchviehbetrieben zeigen allerdings, dass die Tierhaltung bei den Tötungen eine große Rolle spielt.

Die genannten Methoden gibt es alle, nur in sehr unterschiedlichem Umfang. Aus Helikoptern und Flugzeugen wurden 72.331 Tiere erschossen, vor allem Wildschweine und Kojoten. Klebefallen tauchen in den Daten zwar auf, aber nur mit 90 Tieren, überwiegend exotische Reptilien.

Tierethische Einordnung.

Ob ein Tier als heimisch oder invasiv gilt, sagt etwas über seine Herkunft aus, nicht über seine Fähigkeit zu leiden. Ein Star, der an einem Giftköder stirbt, leidet genauso wie ein Kojote in der Schlinge. Die Stare in Nordamerika gehen auf Menschen zurück, die sie im 19. Jahrhundert ausgesetzt haben. Jetzt werden ihre Nachkommen zu Millionen getötet, weil sie dort fressen, wo Kühe gefüttert werden.

Daran zeigt sich, wie eng Wildtierschutz und Tierhaltung zusammenhängen. Riesige Futterflächen und offene Ställe ziehen Vögel an, Weiden ziehen Raubtiere an. Ein System, das Millionen Tiere für Milch und Fleisch hält, erzeugt so einen ständigen Konflikt mit den Tieren, die schon vorher dort lebten. Und es löst ihn sehr oft, indem es sie tötet. Wie viel Fläche die Tierhaltung braucht, haben wir im Artikel Bringt mein Verzicht etwas fürs Klima? zusammengetragen.

Auch in Deutschland ist das Töten von Wildtieren Alltag, nur unter anderem Namen. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Jagdgesetz in Niedersachsen und zum Bleischrot-Verbot der EU.

Was du tun kannst.

Die Milchviehanlagen, an denen 2025 zusätzlich Stare vergiftet wurden, gibt es, weil Milch gekauft wird. Wer zu Pflanzendrinks wie Hafermilch oder Sojamilch wechselt, nimmt diesem Kreislauf ein Stück Nachfrage. Kojoten trifft es übrigens noch auf einem zweiten Weg: Ihr Fell landet bis heute an Jackenkapuzen, wie unser Artikel über Woolrichs Pelzausstieg zeigt.

Wer tiefer in die Geschichte des Kojoten und des jahrzehntelangen Kampfes gegen ihn einsteigen will, findet sie im Buch „Coyote America“ von Dan Flores, bisher nur auf Englisch. Weitere Lesetipps stehen in unserer Liste der besten Bücher zur Tierethik.

Wie wir recherchiert haben

Alle Zahlen stammen aus den Program Data Reports (PDR, Tabelle G) von USDA APHIS Wildlife Services für die Haushaltsjahre 2024 und 2025 sowie aus der Mitteilung der Behörde vom 30.09.2026. Die Artenzahlen enthalten beabsichtigt und unbeabsichtigt getötete Tiere. Die Methodentabelle nennt laut Behörde die Fang- oder Zielmethode, nicht zwingend die Tötungsart. Die Zahl der Grauwölfe bezieht sich auf die Kategorie „Gray/Timber“. Anlass war ein Beitrag von World Animal Protection US vom Oktober 2026. Mit World Animal Protection bestehen keine geschäftlichen Beziehungen.

Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Häufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was Wildlife Services ist.?
Wildlife Services gehört zur USDA-Abteilung für Tier- und Pflanzengesundheit (APHIS). Die Behörde rückt aus, wenn Wildtiere Ernten, Weidetiere, Flughäfen, Gebäude oder die Gesundheit von Menschen gefährden sollen. Oft vertreibt sie die Tiere nur. Laut eigenem Bericht hatte sie 2025 mit rund 28,1 Millionen Tieren zu tun, etwa 25,2 Millionen davon wurden vertrieben. Gut zehn Prozent wurden getötet.
Welche Tiere getötet wurden.?
Die Liste von World Animal Protection haben wir Zeile für Zeile mit den Tabellen der Behörde verglichen. So viele Tiere dieser Arten hat Wildlife Services 2025 getötet: 68.760 verwilderte Tauben 61.383 Kojoten 23.422 Biber 8.629 Waschbären 2.292 Opossums 1.314 Rotfüchse 743 verwilderte oder frei laufende Katzen 402 Schwarzbären 326 Grauwölfe, dazu 3 der stark bedrohten Mexikanischen Wölfe 122 verwilderte oder frei laufende Hunde, dazu ein Herdenschutzhund, der versehentlich in einer Schlinge starb In diesen Zahlen stecken auch Tiere, die gar nicht gemeint waren.
Was in den Posts fehlt.?
Ein paar Dinge erwähnt World Animal Protection nicht. Laut Behörde gelten 86,7 Prozent der getöteten Tiere als invasive Arten. Dazu zählen Europäische Stare, verwilderte Tauben und Wildschweine, die in Nordamerika ursprünglich nicht heimisch sind. Für die Tiere ändert das nichts, sie sterben trotzdem. Es erklärt aber, warum die Behörde ihre Zahlen ganz anders darstellt als die Tierschützer.
Was du tun kannst.?
Die Milchviehanlagen, an denen 2025 zusätzlich Stare vergiftet wurden, gibt es, weil Milch gekauft wird. Wer zu Pflanzendrinks wie Hafermilch oder Sojamilch wechselt, nimmt diesem Kreislauf ein Stück Nachfrage. Kojoten trifft es übrigens noch auf einem zweiten Weg: Ihr Fell landet bis heute an Jackenkapuzen, wie unser Artikel über Woolrichs Pelzausstieg zeigt.

Du willst unsere Meldungen in den Google-Top-Stories weiter oben sehen? Füge This Is Vegan bei Google als bevorzugte Quelle hinzu.