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Palantir-Mitgründer finanziert Affenzucht: 30.000 Makaken für Tierversuche geplant

Joe Lonsdales Firma 8VC steckt 20 Millionen US-Dollar in Safer Human Medicine. Das Start-up will in Georgia bis zu 30.000 Javaneraffen für Tierversuche züchten.

Ein Javaneraffe sitzt auf einem Steinweg und blickt in die Kamera
Foto: hartono subagio / Pexels

In den USA soll eine der größten Zuchtanlagen für Versuchsaffen entstehen. Hinter dem Start-up Safer Human Medicine stehen 20 Millionen US-Dollar von Joe Lonsdale, Mitgründer des Datenkonzerns Palantir. Geplant sind bis zu 30.000 Javaneraffen. Gegründet hat die Firma ein früherer Manager von Envigo, dem Unternehmen hinter dem Beagle-Skandal von Virginia.

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Kurz gesagt

  • Das Vorhaben: Safer Human Medicine (SHM) will in Bainbridge im US-Bundesstaat Georgia bis zu 30.000 Javaneraffen für Tierversuche halten
  • Das Geld: 28 Millionen US-Dollar Kapital, davon 20 Millionen von Lonsdales Risikokapitalfirma 8VC, berichtet Forbes
  • Der Gründer: Jim Harkness war drei Jahre Chief Operating Officer bei Envigo, das 2024 eine Rekordstrafe wegen Tierschutzverstößen zahlte
  • Der Widerstand: Anwohner*innen und der zuständige Staatsanwalt kämpfen seit 2024 vor Gericht gegen das Projekt
  • Der Gegentrend: Die US-Arzneimittelbehörde FDA will Versuche an Affen für viele Medikamente reduzieren
Inhalt8 Kapitel
  1. 01Wer hinter dem Plan steht
  2. 02Die Vorgeschichte bei Envigo
  3. 03Bainbridge wehrt sich
  4. 04Warum die Branche Affen aus den USA will
  5. 05Gegenwind aus Washington
  6. 06Tierethische Einordnung
  7. 07Was du tun kannst
  8. 08Häufige Fragen

Wer hinter dem Plan steht.

Safer Human Medicine wurde 2023 gegründet. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben das erste große Netz aus Zucht- und Quarantäneanlagen für Versuchsaffen in den USA aufbauen. Kund*innen sollen Pharmafirmen, Auftragslabore und Universitäten sein. Gezüchtet werden sollen Javaneraffen, auch Langschwanzmakaken genannt. Sie sind die Affenart, die weltweit am häufigsten in Tierversuchen eingesetzt wird.

Wie das US-Wirtschaftsmagazin Forbes am 27. Oktober berichtet hat, hat SHM bisher 28 Millionen US-Dollar eingesammelt. 20 Millionen davon kamen 2023 von 8VC, der Risikokapitalfirma des Milliardärs Joe Lonsdale. Lonsdale hat Palantir mitgegründet, eine Firma für Datenanalyse, die vor allem für Behörden und Militär arbeitet. Auf der Website von 8VC taucht SHM nicht als Beteiligung auf. Lonsdale selbst hatte seine Investition aber im Mai in einem Podcast erwähnt und die Arbeit der Firma dort als menschenfreundlich verteidigt. Gegenüber Forbes sagte er: „America needs a reliable domestic supply of research primates.“ Die USA bräuchten also eine verlässliche eigene Versorgung mit Versuchsaffen.

Die Vorgeschichte bei Envigo.

Gründer und Chef von SHM ist Jim Harkness. Er war laut Forbes drei Jahre lang Chief Operating Officer bei Envigo, einem der großen Lieferanten von Versuchstieren in den USA. Im Oktober 2022 verließ er das Unternehmen, kurz nachdem Envigo zugestimmt hatte, seine Beagle-Zucht in Cumberland im Bundesstaat Virginia zu schließen.

Die Zustände dort hatten landesweit Schlagzeilen gemacht. Das US-Justizministerium stellte mangelnde tierärztliche Versorgung, zu wenig Personal und schlechte Haltungsbedingungen fest. Über 4.000 Beagle wurden 2022 aus der Anlage geholt und später vermittelt. Im Juni 2024 bekannten sich zwei Envigo-Gesellschaften schuldig, gegen das Tierschutzgesetz und das Gewässerschutzgesetz verstoßen zu haben. Die Strafe lag bei 22 Millionen US-Dollar, insgesamt sagte die Muttergesellschaft Inotiv mehr als 35 Millionen US-Dollar zu. Laut Justizministerium ist es die höchste Strafe, die je in einem Fall nach dem US-Tierschutzgesetz vereinbart wurde.

Wichtig für die Einordnung: Verurteilt wurden die Firmen, nicht Harkness persönlich. Gegen ihn wurde in diesem Zusammenhang nach allem, was öffentlich bekannt ist, keine Anklage erhoben. SHM betont auf seiner Website, Tierschutz habe „oberste Priorität“.

Bainbridge wehrt sich.

Die Anlage soll in Bainbridge entstehen, einer Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohner*innen im Süden Georgias. Die örtliche Wirtschaftsförderung hatte SHM 2023 rund 200 Acres Land und Steuervorteile zugesagt, das Projekt war mit knapp 400 Millionen US-Dollar veranschlagt. Als die Pläne Anfang 2024 öffentlich wurden, formierte sich Protest. Anwohner*innen sorgen sich um Grundstückswerte, das Grundwasser und um Affen, die entkommen könnten. Tierschutzorganisationen wie PETA unterstützen sie.

Seitdem beschäftigt das Vorhaben mehrere Gerichte. SHM verklagte die Wirtschaftsförderung im Februar 2024 vor einem Bundesgericht, um sie an den Vertrag zu binden. Der zuständige Bezirksstaatsanwalt Joe Mulholland versuchte, eine Anleihe über 300 Millionen US-Dollar für das Projekt zu stoppen, scheiterte damit aber im April 2025 vor dem Obersten Gericht Georgias. Im Januar 2026 ließ ein Bundesgericht ihn als Beteiligten im Vertragsstreit zu, wie die Lokalzeitung The Post-Searchlight berichtete. Entschieden ist der Fall nicht. SHM erklärte, man halte voll an Bainbridge fest.

Infografik: Der Plan von Safer Human Medicine in Zahlen, 30.000 Javaneraffen, 20 Millionen US-Dollar von 8VC, 35 Millionen US-Dollar Rekordstrafe für Envigo, Art seit 2022 stark gefährdet
Die wichtigsten Zahlen rund um Safer Human Medicine. Grafik: This Is Vegan
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Warum die Branche Affen aus den USA will.

Hinter dem Vorhaben steht ein echter Engpass. Die USA beziehen die meisten Versuchsaffen aus dem Ausland. China, lange der größte Lieferant, stoppte die Ausfuhr 2020. Seitdem kamen viele Tiere aus Kambodscha, Vietnam und Mauritius. 2022 klagte die US-Justiz mutmaßliche Mitglieder eines Schmuggelrings an, der wild gefangene Javaneraffen aus Kambodscha als Zuchttiere ausgegeben haben soll.

Im selben Jahr stufte die Weltnaturschutzunion IUCN den Javaneraffen als stark gefährdet ein. Zu den Gründen zählen der Verlust von Lebensraum und der Fang für Handel und Forschung. Eine Zucht im eigenen Land verkaufen SHM und seine Unterstützer deshalb als saubere Alternative zu Importen. Kritiker*innen halten dagegen, dass sie den Bedarf an Versuchsaffen auf Jahrzehnte festschreibt, statt ihn zu senken.

Gegenwind aus Washington.

Auf seiner Website argumentiert SHM, Tierversuche seien vor Studien am Menschen gesetzlich vorgeschrieben. Ganz so einfach ist es nicht mehr. Seit dem FDA Modernization Act 2.0 von Ende 2022 dürfen Firmen in den USA auch Daten aus tierfreien Methoden einreichen. In der Praxis verlangt die FDA bei vielen Wirkstoffen aber weiterhin Tierdaten.

Genau das will die Behörde ändern. Im April 2025 stellte sie einen Fahrplan vor, mit dem Tierversuche bei der Arzneimittelprüfung zur Ausnahme werden sollen. Den Anfang machen monoklonale Antikörper, eine Gruppe von Medikamenten, für die bisher besonders viele Affen eingesetzt werden. Im Dezember 2025 folgte ein Entwurf, nach dem sechsmonatige Versuche an Affen für viele dieser Wirkstoffe verkürzt oder ganz gestrichen werden können. Auch die Gesundheitsbehörde NIH kündigte 2025 an, tierfreie Forschung stärker zu fördern. Mehr dazu steht in unserem Artikel über die Affenversuche in Harvard und die Kehrtwende der NIH.

Wie wenig Tierversuche oft für Menschen bringen, zeigt eine neue Auswertung: Von 83 Arzneien, die an Nagetieren gegen akute Verletzungen getestet wurden, schafften es nur 3 bis zur Zulassung. Darüber haben wir hier berichtet: Nur 3 von 83 Arzneien schafften die Zulassung.

Zwei Javaneraffen sitzen auf einem Weg, einer laust den anderen
Javaneraffen leben in Gruppen und pflegen enge Beziehungen, hier bei der gegenseitigen Fellpflege. Foto: CK Seng / Pexels

Tierethische Einordnung.

Javaneraffen leben in großen Gruppen mit klarer Rangordnung, Freundschaften und engen Bindungen zwischen Müttern und Jungen. Sie erkennen einander, lernen voneinander und leiden nachweislich unter Isolation und Stress. In einer Zuchtanlage dieser Größe würden Tausende von ihnen geboren, nur um später an Labore verkauft zu werden. Dort enden die meisten Versuche mit dem Tod der Tiere.

Lonsdale stellt die Frage so, als müsse man sich zwischen einem Menschen und einem Affen entscheiden. Doch diese Wahl stellt sich selten so. Wo Tierversuche wenig über den Menschen verraten, bringt ihr Leid auch Patient*innen wenig. Gleichzeitig wächst die Zahl an Methoden, die mit menschlichen Zellen, Organchips oder Computermodellen arbeiten. Wer jetzt Millionen in eine Zucht für 30.000 Affen steckt, wettet darauf, dass dieser Wandel langsam bleibt. Einen Überblick über die Alternativen gibt unser Artikel Alternativen zu Tierversuchen.

Was du tun kannst.

  • Tierfreie Forschung unterstützen. Vereine wie Ärzte gegen Tierversuche setzen sich für Forschung ohne Tiere ein. Was Fachleute aus dem Verein dazu sagen, steht in unserem Interview zu Tierversuchen.
  • Ohne Tierversuche einkaufen. Bei Kosmetik und Haushaltsprodukten kannst du direkt etwas tun, etwa mit veganer Kosmetik ohne Tierversuche.
  • Informiert bleiben und teilen. Das Projekt in Bainbridge ist nicht entschieden. Öffentliche Aufmerksamkeit hat dort schon viel bewegt.

Häufige Fragen.

Was ist Safer Human Medicine?

Ein 2023 gegründetes US-Unternehmen, das Affen für Tierversuche züchten und verkaufen will. In Bainbridge in Georgia plant es eine Anlage für bis zu 30.000 Javaneraffen.

Was hat Joe Lonsdale damit zu tun?

Seine Risikokapitalfirma 8VC hat laut Forbes 20 der bisher 28 Millionen US-Dollar in SHM investiert. Lonsdale ist Mitgründer von Palantir.

Wird die Anlage gebaut?

Das ist offen. Mehrere Klagen laufen, darunter ein Vertragsstreit vor einem Bundesgericht. SHM hält an dem Standort fest.

Warum werden Affen für Tierversuche eingesetzt?

Vor allem für Sicherheitstests neuer Medikamente, etwa von Antikörpern, und in der Infektions- und Hirnforschung. Die FDA will diese Versuche für viele Medikamente schrittweise reduzieren.

Quellen ●

Forbes: Why This Palantir Billionaire Is Backing A Plan To Breed 30,000 Monkeys (27. Oktober 2026), US-Justizministerium: Schuldbekenntnis von Envigo (Juni 2024), The Post-Searchlight: Court okays intervention in primate facility case (Januar 2026), FDA: Plan zur Reduktion von Tierversuchen (April 2025) und Entwurf zu Affenversuchen bei Antikörpern (Dezember 2025), Website von Safer Human Medicine, Removal from the wild endangers the once widespread long-tailed macaque (American Journal of Primatology, 2023) zur Gefährdung der Javaneraffen. Fotos: hartono subagio und CK Seng / Pexels. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

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