Beauty

Karmin und Squalan: Schildläuse im Lippenstift, Hai in der Creme

Tier im Kosmetikregal, Teil 1: Karmin färbt Lippenstift mit zerquetschten Schildläusen, Squalan kann aus Haileber stammen.

Opuntien-Kakteen, dicht besetzt mit weißen, wachsartigen Kolonien der Cochenilleschildlaus
Cochenilleschildläuse auf Opuntien. Symbolbild. Foto: Adobe Stock / #240669349

Die USA werfen gerade ihre Erdöl-Farbstoffe aus dem Essen. Im April 2025 hat die Gesundheitsbehörde FDA angekündigt, synthetische Lebensmittelfarben schrittweise zu verdrängen, und die Industrie stellt auf „natürliche“ Farben um (FDA). Klingt nach Rote Bete und Kurkuma. Für ein kräftiges, stabiles Rot greifen Hersteller allerdings oft zu einem Klassiker, der ebenfalls als natürlich durchgeht: Karmin, gewonnen aus Schildläusen.

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In Kosmetik war Karmin nie weg. Ein paar Zentimeter weiter steht ein zweiter Stoff, der gerade als Hautpflege-Held gefeiert wird: Squalan. Das leichte Öl kann aus Oliven kommen, aus Zuckerrohr oder aus der Leber von Tiefseehaien. Welche Quelle in deiner Creme steckt, steht nicht drauf.

Mit diesen beiden Stoffen startet unsere Serie „Tier im Kosmetikregal“. Wir schauen uns an, woher sie kommen, wie du sie auf der Packung findest, was die Forschung zu Allergien und Chemie sagt und was die Tiere dafür bezahlen. Am Ende stehen drei Produkte, die ohne beides auskommen.

Inhalt10 Kapitel
  1. 01Karmin: Rot aus getrockneten Läusen
  2. 02So erkennst du Karmin auf der Packung
  3. 03Squalan: Olive, Zuckerrohr oder Haileber
  4. 04Warum „Squalane“ auf der Packung nichts verrät
  5. 05Was die Studien zeigen, und was nicht
  6. 06Was die Tiere dafür bezahlen
  7. 07Läuse und Haie fühlen, und in der Beauty-Debatte kommen sie nicht vor
  8. 08Rot ohne Laus, Squalan ohne Hai
  9. 09Drei vegane, tierversuchsfreie Produkte ohne Karmin und Hai-Squalan
  10. 10Unser Fazit

Karmin: Rot aus getrockneten Läusen.

Karmin stammt von der Cochenilleschildlaus (Dactylopius coccus). Die Weibchen sitzen flügellos auf Opuntien, also Feigenkakteen, saugen deren Saft und bilden zum Schutz vor Fressfeinden Karminsäure. Diesen roten Farbstoff tragen sie im Körper und in ihren Eiern.

Geerntet wird von Hand. Die Weibchen werden samt Eiern vom Kaktus gebürstet, in heißem Wasser getötet und in der Sonne getrocknet, so beschreibt es das Harvard Museum of Natural History. Aus dem Pulver wird die Karminsäure gelöst und meist an Aluminium oder Calcium gebunden. Erst dieser Farblack heißt technisch Karmin.

Die Mengen sind absurd. Laut der Welternährungsorganisation FAO braucht es 100.000 bis 150.000 Insekten für ein einziges Kilo Rohcochenille. Weltweit werden jährlich 150 bis 180 Tonnen produziert, rund 90 Prozent davon in Peru (FAO). Rechne das kurz hoch, und du landest bei zweistelligen Milliardenzahlen an Tieren pro Jahr.

Im Make-up steckt Karmin vor allem dort, wo es rot, pink oder warm schimmern soll: Lippenstift, Lipgloss, Rouge, Lidschatten, manchmal Nagellack. Naturkosmetik ist davon keineswegs frei. Karmin gilt als natürlicher Farbstoff und taucht deshalb gerade bei naturnahen Marken auf.

So erkennst du Karmin auf der Packung.

In der EU stehen Farbstoffe in Kosmetik mit ihrer Colour-Index-Nummer in der Zutatenliste. Das macht die Suche einfacher als bei vielen anderen Tierstoffen. Halte Ausschau nach:

  • CI 75470, die Nummer für Karmin in Kosmetik
  • Carmine, Cochineal oder Carminic Acid, vor allem bei Produkten aus den USA
  • Natural Red 4, eine ältere Bezeichnung
  • E120, Karmin, Cochenille oder Echtes Karmin bei Lebensmitteln

Die Tücke steckt in zwei Wörtern. Bei dekorativer Kosmetik stehen die Farben oft hinter „May contain“ oder „+/-“, weil eine Zutatenliste für alle Farbtöne einer Serie gilt. Ein nudefarbener Lippenstift kann dann Karmin auflisten, ein knallroter nicht. Maßgeblich ist die Liste für deinen Farbton. Und „natürliche Farbstoffe“ auf der Vorderseite sagt über Karmin gar nichts, eher im Gegenteil.

Bei Süßigkeiten, Limonaden oder Aperitifs begegnet dir derselbe Stoff als E120. Welche Zusatzstoffe sonst noch tierisch sind, steht in unserer E-Nummern-Liste, und einen Überblick über versteckte Tierstoffe in Lebensmitteln findest du hier.

Junge Frau trägt vor dem Spiegel roten Lippenstift auf

Squalan: Olive, Zuckerrohr oder Haileber.

Squalen ist ein Kohlenwasserstoff, den fast alle Lebewesen herstellen. Menschlicher Hauttalg besteht zu etwa 13 Prozent daraus (Kim und Karadeniz 2012). Weil Squalen an der Luft schnell oxidiert, wird es für Kosmetik meist gesättigt, also hydriert. Das Ergebnis heißt Squalan, ein farbloses, geruchloses Öl, das sich leicht verteilen lässt und nicht fettig wirkt. Darum steckt es heute in Seren, Cremes, Foundations und Lippenstiften.

Die höchsten Konzentrationen finden sich in der Leber von Tiefseehaien. Die Tiere leben in großer Tiefe ohne Schwimmblase und nutzen ihre ölreiche Leber als Auftrieb. Pflanzliche Quellen gibt es seit Langem: Rückstände aus der Olivenöl-Raffination, Amaranthsamen, Reiskleie. Dazu kommt Squalan aus Zuckerrohr, das biotechnologisch entsteht. Hefen vergären dabei Zucker zu einem Vorläufermolekül, das anschließend zu Squalan umgebaut wird.

Wie groß der Hai-Anteil ist, hat die französische Meeresschutzorganisation BLOOM 2014 untersuchen lassen. Ein Labor des CNRS prüfte 72 Feuchtigkeitscremes, deren Zutatenliste Squalan nannte (BLOOM 2015, PDF). Ergebnis: Etwa jede fünfte Creme enthielt Squalan vom Hai. In Europa waren es 3 von 32 Cremes, in Asien 8 von 15. Nach Schätzungen, die BLOOM zitiert, gehen rund 90 Prozent des gehandelten Haileberöls in die Kosmetik. BLOOM ist eine Kampagnenorganisation und damit Partei. Eine aktuellere unabhängige Stichprobe dieser Größe haben wir nicht gefunden, die Zahl ist also über zehn Jahre alt.

Warum „Squalane“ auf der Packung nichts verrät.

In der Zutatenliste heißt der Stoff immer Squalane oder Squalene. Egal ob er vom Hai, von der Olive oder aus dem Gärtank stammt. Eine Pflicht, die Herkunft anzugeben, sieht die EU-Kosmetikverordnung nicht vor.

Chemisch lassen sich die Quellen am fertigen Stoff nicht unterscheiden. Squalan ist Squalan. Nachweisen lässt sich die Herkunft nur über Isotope: Pflanzliches und tierisches Squalan tragen ein leicht unterschiedliches Verhältnis von Kohlenstoff-13 zu Kohlenstoff-12. Eine italienische Arbeitsgruppe hat damit gezeigt, dass sich Hai-Beimischungen in Oliven-Squalan ab etwa 10 Prozent erkennen lassen (Camin et al. 2010). Im Drogeriemarkt hilft dir das wenig.

Was du selbst tun kannst:

  • Auf Herkunftsangaben achten. Formulierungen wie „olive-derived“, „from sugarcane“, „Phyto-Squalan“ oder „pflanzliches Squalan“ sind ein gutes Zeichen, aber eine Werbeaussage des Herstellers.
  • Vegan-Siegel suchen. Die Vegan-Blume der Vegan Society oder das V-Label schließen tierisches Squalan aus.
  • Nachfragen. Eine kurze Mail an den Kundenservice reicht. Wer die Herkunft nicht nennen kann oder will, bekommt dein Geld nicht.

Mehr zu tierischen Zutaten in Pflegeprodukten, von Lanolin bis Keratin, liest du in unserem Ratgeber Sind alle Shampoos und Pflegeprodukte vegan?

Frau mit Handtuchturban tropft sich mit einer Pipette Gesichtsöl auf die Wange

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Was die Studien zeigen, und was nicht.

Bei diesen beiden Stoffen geht es weniger um Wirksamkeit. Die spannenden Fragen sind: Wie sicher ist Karmin, und macht die Herkunft beim Squalan einen Unterschied für deine Haut?

Karmin kann Allergien auslösen. Die Fälle sind selten, dafür teils heftig. Schon 1997 beschrieben Zürcher Dermatologen fünf Menschen mit anaphylaktischen Reaktionen nach einem karminhaltigen Getränk (Wüthrich et al. 1997). Eine Arbeit aus Michigan zeigte, dass handelsübliches Karmin Eiweißreste der Läuse enthält und genau diese die Reaktion auslösen (Chung et al. 2001). Besonders aufschlussreich für Kosmetik ist ein Fallbericht aus Japan von 2024: Eine 32-jährige Frau reagierte über drei Jahre immer wieder mit geschwollenen Lidern auf pinken Lidschatten mit Karmin. Später erlitt sie nach einer rot gefärbten Fischwurst eine anaphylaktische Reaktion. Die Autorinnen und Autoren gehen davon aus, dass die Sensibilisierung über die Haut lief (Yamaura et al. 2024).

Die Grenzen: Das sind Fallberichte, keine Studien mit Kontrollgruppe. Wie häufig Karmin-Allergien sind, weiß niemand genau. Für die meisten Menschen ist Karmin gesundheitlich unauffällig. Wer nach Make-up oder rot gefärbten Lebensmitteln Juckreiz, Quaddeln oder Atemnot bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen und Karmin dabei ansprechen, weil es in Standardtests oft fehlt.

Beim Squalan ist die Sache chemisch eindeutig. Squalan aus Olive, Zuckerrohr oder Hai ist dasselbe Molekül mit derselben Summenformel. Das zeigt schon der Umstand, dass Labore nur über Isotopenverhältnisse unterscheiden können, woher es stammt (Camin et al. 2010). Unterschiede kann es bei Reinheit und Begleitstoffen geben, je nach Raffination. Für deine Haut bringt das Hai-Squalan jedenfalls keinen Vorteil. Der einzige Grund, es zu verwenden, war lange der Preis: 2012 war Pflanzen-Squalan laut BLOOM rund 30 Prozent teurer.

Was die Tiere dafür bezahlen.

Bei den Schildläusen ist die Rechnung simpel. Jede einzelne stirbt, damit ein Lippenstift rot wird, und zwar in Stückzahlen, die sich kaum vorstellen lassen.

Bei den Haien kommt der Artenschutz dazu. Tiefseehaie wachsen langsam, werden spät geschlechtsreif und bekommen nur wenige Junge. Eine große Auswertung in Science zu 521 Arten von Tiefseehaien und -rochen kommt zu einem deutlichen Befund: Die Hälfte der Arten, auf die der internationale Leberölhandel zielt, ist vom Aussterben bedroht. Die Rückgänge lassen sich wegen der langen Generationszeiten kaum rückgängig machen (Finucci et al. 2024).

Karibischer Riffhai schwimmt vor den Bahamas über hellem Sandgrund

Im November 2025 hat die Artenschutzkonferenz CITES in Samarkand reagiert und die Schlingerhaie (Gattung Centrophorus) in Anhang II aufgenommen (Humane World for Animals). Ihr Handel ist seitdem genehmigungspflichtig. Schlingerhaie haben besonders große, squalenreiche Lebern, und in manchen Regionen sind ihre Bestände laut der Tierschutzorganisation IFAW um mehr als 80 Prozent eingebrochen (IFAW), auch das eine Organisation mit klarer Position. Wie viele Haie genau jedes Jahr für Kosmetik sterben, weiß niemand verlässlich. BLOOM schätzte 2015 über drei Millionen Tiefseehaie pro Jahr für den gesamten Leberölmarkt, auch das ist eine Zahl einer Organisation, die Partei ist.

Läuse und Haie fühlen, und in der Beauty-Debatte kommen sie nicht vor.

Wenn über Karmin gesprochen wird, dann über Allergien und die Frage, ob „natürlich“ besser ist als Erdöl. Beim Squalan geht es um Hautbarriere und Glow. Die Schildlaus und der Tiefseehai tauchen darin höchstens als Rohstofflieferant auf.

Dabei ist die Forschung längst weiter. Die New York Declaration on Animal Consciousness von 2024, unterzeichnet von Hunderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, hält für alle Wirbeltiere, also auch Fische wie Haie, eine realistische Möglichkeit bewussten Erlebens fest. Ausdrücklich eingeschlossen sind auch Insekten. Das EU-Recht nennt Tiere in Artikel 13 AEUV fühlende Wesen. Und Paragraf 1 des deutschen Tierschutzgesetzes verbietet es, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen.

Ein Rotton auf den Lippen ist kein vernünftiger Grund, eine leicht einziehende Creme auch nicht. Daran würde sich nichts ändern, wenn Karmin nie eine Allergie auslöste und Hai-Squalan einen Hauch besser pflegte. Unsere Haltung hängt an keinem Studienergebnis. Dass wir bei Insekten besonders schnell wegschauen, hat einen Namen: Wie Speziesismus funktioniert, haben wir ausführlich aufgeschrieben.

Kosmetik ist dabei ein kleiner Ausschnitt. Wie viele Tiere in Deutschland insgesamt für Essen und Kleidung sterben, haben wir hier zusammengerechnet. Weitere Tierstoffe in Beauty-Produkten kennst du vielleicht schon: Gelatine und Kollagen aus Schlachtabfällen oder das PDRN aus Lachssperma, das gerade durch die Seren-Regale geht.

Rot ohne Laus, Squalan ohne Hai.

Für beide Stoffe gibt es tierfreie Alternativen, die seit Jahren im Einsatz sind.

Rote Farbe. Die Kosmetikindustrie arbeitet mit Eisenoxiden, in der Zutatenliste als CI 77491 (rot), CI 77492 (gelb) und CI 77499 (schwarz). Das sind mineralische Pigmente, die gut decken und lichtstabil sind. Für leuchtendere Töne kommen synthetische Farblacke zum Einsatz, etwa CI 15850. Pflanzliche Farbgeber wie Rote-Bete-Extrakt (Beta Vulgaris Root Extract), Anthocyane aus violetten Karotten oder Alkannawurzel färben zarter und können je nach Ernte schwanken. Rote Bete ist in Lebensmitteln als E162 der naheliegende Ersatz für E120.

Squalan. Oliven-Squalan und Zuckerrohr-Squalan sind chemisch identisch mit der Hai-Variante, siehe oben. Du verzichtest also auf nichts. Ein Nebenaspekt: Beim Oliven-Squalan hängt die Menge an der Olivenernte, beim Zuckerrohr-Squalan am Zuckerrohranbau, der wegen Monokulturen eigene Umweltfragen aufwirft. Für die Haie ist beides eine gute Nachricht.

Übrigens: Tierversuche sind ein eigenes Thema, auch bei tierfreien Rezepturen. Warum wir deshalb auf unabhängige Siegel achten und was Forschung heute ohne Tiere kann, steht in unserem Artikel zu Alternativen zu Tierversuchen.

Hand hält grüne Oliven an einem Zweig des Olivenbaums

Drei vegane, tierversuchsfreie Produkte ohne Karmin und Hai-Squalan.

Die Auswahl ist eine Marktübersicht, nicht getestet. Aufgenommen haben wir Marken, deren gesamtes Sortiment laut Hersteller vegan ist und die auf der tierversuchsfreien Liste von PETA stehen. Die Zutatenlisten haben wir am 29. September 2026 auf den Herstellerseiten auf Karmin, Bienenwachs, Lanolin und andere tierische Stoffe durchgesehen.

e.l.f. Cosmetics: O Face Satin Lipstick in „Own It“

Roter Lippenstift O Face Satin Lipstick im Farbton Own It von e.l.f. Cosmetics mit abgenommener Kappe

Ein kühles Rot aus der Drogerie-Preisklasse. Die US-Marke e.l.f. ist unabhängig, erklärt ihr gesamtes Sortiment als vegan und steht bei PETA als tierversuchsfrei, laut eigener Angabe trägt sie auch das Leaping-Bunny-Siegel. Gefärbt wird mit Eisenoxiden und synthetischen Farblacken, Karmin taucht in der Zutatenliste nicht auf. Interessant im Kontext dieses Artikels: Auch Squalan steht drin, und weil die Marke komplett vegan ist, stammt es aus Pflanzen. Statt Bienenwachs geben Candelilla- und Sonnenblumenwachs die Form. Enthält Parfum.

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Biossance: 100% Squalane Oil

Grüne Pumpflasche 100% Squalane Oil von Biossance mit Squalan aus Zuckerrohr

Die Marke ist rund um Squalan aus Zuckerrohr entstanden, ausdrücklich als Ersatz für Hai-Squalan. In der Flasche steckt genau ein Stoff: Squalan. Biossance ist nach eigener Angabe vollständig vegan, trägt das Leaping-Bunny-Siegel und steht auf der PETA-Liste. Zur Transparenz: Seit Ende 2023 gehört Biossance zur britischen Handelsgruppe THG. Die Siegel gelten für die Marke, die Muttergesellschaft selbst führt die Plattform Cruelty-Free Kitty als Grauzone. Bei Amazon haben wir das Öl nicht gefunden, in Deutschland führt es unter anderem Douglas.

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Hurraw!: Raspberry Tinted Lip Balm

Raspberry Tinted Lip Balm von Hurraw! in der Seitenansicht

Für alle, denen ein Lippenstift zu viel ist. Die kleine unabhängige US-Marke färbt ihren Balsam mit Extrakt aus violetten Karotten, also ohne Karmin, Eisenoxide oder synthetische Farben. Dazu Distelöl, Kokosöl, Kakaobutter und Candelillawachs, kein Bienenwachs, laut Hersteller zu 74 Prozent aus Bio-Anbau und nach COSMOS Natural zertifiziert. Die Marke gibt an, vegan zertifiziert zu sein, und ist bei PETA als tierversuchsfrei gelistet. Der Farbton ist dezent und kann je nach Ernte leicht schwanken.

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Unser Fazit.

Karmin findest du, wenn du weißt, wonach du suchst: CI 75470 in Kosmetik, E120 im Essen. Squalan ist die härtere Nuss, weil die Zutatenliste zur Herkunft schweigt. Da helfen nur Vegan-Siegel, klare Herkunftsangaben oder eine Nachfrage beim Hersteller. Die gute Nachricht: Für beide Stoffe gibt es gleichwertigen Ersatz ohne Tier. Niemand muss für Rot Läuse kochen oder für ein Pflegeöl Tiefseehaie aus dem Meer ziehen.

In den nächsten Folgen von „Tier im Kosmetikregal“ geht es um weitere Stoffe, die sich hinter harmlosen INCI-Namen verstecken. Damit du keine Folge verpasst: Unser Newsletter kommt einmal pro Woche, hier kannst du ihn abonnieren.

Mehr aus unserer Serie „Tier im Kosmetikregal“: PDRN aus Lachssperma, Schneckenschleim und Rindertalg-Creme.

So haben wir recherchiert

Studien und Fallberichte haben wir über PubMed im Original geprüft, Art und Größe stehen im Text. Die Zahlen zur Cochenille-Produktion stammen von der FAO, die Daten zur Bedrohung der Tiefseehaie aus einer Auswertung in der Fachzeitschrift Science. Die Zahlen zum Hai-Squalan in Cremes und zum Leberölmarkt stammen von der Meeresschutzorganisation BLOOM und sind über zehn Jahre alt. BLOOM ist Partei. Vegan-Status und Tierversuchsfreiheit der Produkte haben wir am 29. September 2026 auf den Herstellerseiten und in den Datenbanken von PETA und Leaping Bunny geprüft. Die Produkte haben wir nicht selbst getestet, dies ist eine Marktübersicht. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, bei Verdacht auf eine Allergie wende dich an eine Hautärztin, einen Hautarzt oder eine allergologische Praxis.

Offen: Wie hoch der Anteil von Hai-Squalan in Kosmetik heute ist, hat seit 2015 niemand in dieser Größenordnung unabhängig gemessen.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Warum „Squalane“ auf der Packung nichts verrät.?
In der Zutatenliste heißt der Stoff immer Squalane oder Squalene. Egal ob er vom Hai, von der Olive oder aus dem Gärtank stammt. Eine Pflicht, die Herkunft anzugeben, sieht die EU-Kosmetikverordnung nicht vor. Chemisch lassen sich die Quellen am fertigen Stoff nicht unterscheiden. Squalan ist Squalan.
Was die Studien zeigen, und was nicht.?
Bei diesen beiden Stoffen geht es weniger um Wirksamkeit. Die spannenden Fragen sind: Wie sicher ist Karmin, und macht die Herkunft beim Squalan einen Unterschied für deine Haut? Karmin kann Allergien auslösen. Die Fälle sind selten, dafür teils heftig. Schon 1997 beschrieben Zürcher Dermatologen fünf Menschen mit anaphylaktischen Reaktionen nach einem karminhaltigen Getränk (Wüthrich et al.
Was die Tiere dafür bezahlen.?
Bei den Schildläusen ist die Rechnung simpel. Jede einzelne stirbt, damit ein Lippenstift rot wird, und zwar in Stückzahlen, die sich kaum vorstellen lassen. Bei den Haien kommt der Artenschutz dazu. Tiefseehaie wachsen langsam, werden spät geschlechtsreif und bekommen nur wenige Junge.