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Umfrage: Auch die meisten Fleischesser*innen wollen ein Ende der Käfighaltung

Der Tierschutz-Barometer 2026 zeigt: Auch unter Menschen, die alles essen, wollen klare Mehrheiten ein Ende der Käfighaltung und klare Etiketten. Was die Zahlen taugen.

Schweine dicht an dicht in einem Stall, eines hebt den Kopf
Foto: Mark Stebnicki / Pexels

Acht von zehn Menschen in Deutschland essen Fleisch, Eier und Milchprodukte. Trotzdem wollen die meisten von ihnen, dass sich für die Tiere etwas ändert: kein Käfig mehr, klare Etiketten, höhere Steuern auf Billigfleisch. Das zeigt der Tierschutz-Barometer 2026 der Organisation Humane World for Animals, den sie zum World Vegan Month nach Ernährungsweise aufgeschlüsselt hat.

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Kurz gesagt

  • Die Umfrage: Ipsos hat im Januar 2026 im Auftrag von Humane World for Animals 1.527 Erwachsene online befragt
  • Wer alles isst: 80,7 % der Befragten, dazu 8,6 % vegetarisch und 2,5 % vegan
  • Käfig: 66,7 % der Menschen, die alles essen, wollen einen vollständigen Ausstieg aus der Käfighaltung
  • Eier im Fertigprodukt: 79,1 % wollen eine Pflicht-Kennzeichnung, woher die Eier in Nudeln oder Keksen stammen
  • Der Haken: Auftraggeberin ist eine Tierschutzorganisation, und die Aufschlüsselung nach Ernährung steht bisher nur in deren Pressemitteilung
Inhalt8 Kapitel
  1. 01Was gefragt wurde
  2. 02Die Zahlen nach Ernährungsweise
  3. 03Käfig, Ei, Steuer: Was dahintersteckt
  4. 04Wie belastbar die Umfrage ist
  5. 05Der Widerspruch im Einkaufswagen
  6. 06Tierethische Einordnung
  7. 07Was du tun kannst
  8. 08Häufige Fragen

Was gefragt wurde.

Den Tierschutz-Barometer gibt es 2026 zum ersten Mal. Das Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos hat dafür vom 15. bis 26. Januar 1.527 Menschen ab 18 Jahren über ein Online-Panel befragt. Die Ergebnisse sind nach Alter, Geschlecht, Bundesland und Bildung gewichtet und sollen damit für die deutschsprachige Bevölkerung stehen. Den Bericht hat Humane World for Animals bereits früher im Jahr veröffentlicht, die Fragen samt Antworten liegen als eigenes Dokument vor.

Neu ist jetzt der Blick auf die Ernährung. Die Organisation hat die Antworten danach getrennt, ob jemand alles isst, vegetarisch oder vegan lebt. Ihre Botschaft dazu: Tierschutz sei „keine vegane Blase“.

Die Zahlen nach Ernährungsweise.

Für 77,8 % der Menschen, die alles essen, ist Tierschutz wichtig oder sehr wichtig. Im Schnitt aller Befragten sind es 80,5 %, unter Vegetarier*innen 97,6 %. Je mehr Fleisch jemand isst, desto geringer fällt die Zustimmung aus, sie bleibt aber hoch. Wer seltener als einmal pro Woche Fleisch isst, kommt auf 86,3 %. Bei zwei- bis dreimal pro Woche sind es 79,2 %, und selbst bei etwa einer Fleischmahlzeit am Tag noch 70,4 %.

Ähnlich sieht es bei den konkreten Forderungen aus. Den Abstand zwischen Menschen, die alles essen, und dem Durchschnitt zeigt die Grafik:

Balkengrafik: Zustimmung zu Tierschutzforderungen unter Menschen, die alles essen, im Vergleich zu allen Befragten, etwa 66,7 zu 70,6 Prozent beim Käfigausstieg
Die Unterschiede zwischen Menschen, die alles essen, und allen Befragten liegen bei drei bis vier Prozentpunkten. Grafik: This Is Vegan
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Auf die offene Frage, wo die Bundesregierung mehr tun sollte, nannten 33,8 % der Menschen, die alles essen, von sich aus die Massentierhaltung. Das ist praktisch derselbe Wert wie im Schnitt (33,7 %). Unter Vegetarier*innen lag er mit 28 % sogar darunter. Die Haltungsbedingungen machen 63,7 % der Menschen, die alles essen, Sorgen. 58 % wünschen sich, dass die Bundesregierung mehr für den Tierschutz tut.

Käfig, Ei, Steuer: Was dahintersteckt.

Die drei Forderungen aus der Umfrage treffen auf Baustellen, die seit Jahren offen sind.

  • Eier in verarbeiteten Lebensmitteln: Auf frischen Eiern steht die Haltungsform im Code auf der Schale. In Nudeln, Keksen, Mayonnaise oder Backwaren muss niemand angeben, ob die Eier aus Käfighaltung kommen. Käfigeier dürfen dort weiter verarbeitet werden. 81,5 % aller Befragten wollen das auf dem Etikett sehen, 72,3 % wollen Käfigeier in solchen Produkten ganz verbieten.
  • Käfighaltung: Die Europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age“ hat rund 1,4 Millionen Unterschriften gesammelt. Die EU-Kommission hatte 2021 einen Vorschlag zugesagt und die Frist verstreichen lassen. In ihrer Nutztierstrategie vom 7. Juli 2026 kündigt sie nun bis Ende 2026 neue Regeln für Legehennen und Masthühner an, mit dem Schwerpunkt Ausstieg aus dem Käfig. Für Schweine soll bis zum zweiten Quartal 2027 ein Vorschlag folgen, weg von Kastenständen hin zu Buchten.
  • Kennzeichnung der Haltung: Das deutsche Tierhaltungskennzeichnungsgesetz für frisches Schweinefleisch ist zweimal verschoben worden. Im Januar 2026 hat der Bundestag den Start auf den 1. Januar 2027 gelegt, weil die Koalition das Gesetz grundsätzlich umbauen will.
  • Tierwohl-Steuer: Die Idee ist alt. Die Borchert-Kommission der Bundesregierung schlug schon 2020 eine Tierwohlabgabe vor, unter anderem 40 Cent pro Kilo Fleisch. Umgesetzt wurde sie nie, 2023 stellte das Gremium seine Arbeit ein. 66,3 % aller Befragten und 63,3 % der Menschen, die alles essen, wären heute für eine höhere Steuer auf Fleisch aus schlechter Haltung, wenn das Geld in bessere Ställe fließt.

Humane World for Animals sieht deshalb eine Lücke zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was die Regierung liefert. Nur rund ein Fünftel ist laut Barometer mit dem Einsatz der Bundesregierung für den Tierschutz zufrieden. Wie andere Länder das angehen, zeigt Dänemark mit seiner eigenen Tierschutz-Kontrollbehörde.

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Wie belastbar die Umfrage ist.

Ipsos ist ein etabliertes Institut, das Vorgehen ist im Bericht offen beschrieben. Ein paar Punkte sollte man trotzdem kennen:

  • Auftraggeberin mit Ziel: Humane World for Animals hat die Umfrage bezahlt und die Fragen formuliert. Die Organisation wirbt mit den Ergebnissen für ihre Petition „Mandat für Tiere“.
  • Die Ernährungs-Zahlen sind nicht nachprüfbar: Im veröffentlichten Bericht und im Fragenkatalog stehen die Werte für alle Befragten. Die Aufschlüsselung nach Ernährung stammt bisher nur aus der Pressemitteilung.
  • Kleine Gruppen: 2,5 % vegan heißt in dieser Stichprobe rund 40 Menschen, 8,6 % vegetarisch rund 130. Für Veganer*innen nennt die Organisation keine eigenen Werte, und Aussagen über Vegetarier*innen haben eine große Unschärfe. Das gilt auch für die Randnotiz, dass unter Wähler*innen von CDU/CSU 10 % vegetarisch leben und damit etwas mehr als im Schnitt. Bei so kleinen Teilgruppen ist das eher ein Zufallsbefund als ein Trend.
  • Sagen ist nicht kaufen: Wer in einer Umfrage Tierschutz wichtig findet, kauft deshalb nicht automatisch anders ein. Antworten in solchen Umfragen fallen oft freundlicher aus als das tatsächliche Verhalten.

Die Grundaussage hält trotzdem. Die Unterschiede zwischen Menschen, die alles essen, und dem Durchschnitt sind klein, und bei jeder der Forderungen ist eine klare Mehrheit dafür.

Der Widerspruch im Einkaufswagen.

Gut drei Viertel der Menschen, die alles essen, finden Tierschutz wichtig. Gleichzeitig landet weiter vor allem Fleisch aus den niedrigsten Haltungsstufen im Einkaufswagen, weil es am billigsten ist. Wie wenig sich am Kaufverhalten ändert, haben wir beim Blick auf die YouGov-Zahlen zum Fleischkauf gesehen: Weniger Haushalte kaufen Fleisch, aber die gekaufte Menge sinkt kaum. Und wie stark der Preisdruck auf die Ställe ist, zeigt die Krise beim Schweinepreis.

Genau deshalb setzt die Umfrage auf Gesetze statt auf den Einkauf. Wenn Käfigeier verboten sind, muss niemand mehr an der Kasse zwischen Geldbeutel und Gewissen wählen.

Braune Legehennen hinter einem Drahtgitter in einem Stall
Eier aus Käfighaltung dürfen in Deutschland weiter in Nudeln, Keksen und Backwaren landen, ohne dass es auf der Packung steht. Foto: Will Kirk / Pexels

Tierethische Einordnung.

Ein Ende der Käfighaltung wäre für Millionen Hennen, Schweine und Kaninchen ein echter Unterschied. Mehr Platz, Stroh, die Möglichkeit, sich umzudrehen: Das verringert Leid, und jede dieser Forderungen ist es wert, umgesetzt zu werden.

Die Umfrage zeigt aber auch eine Grenze. Gefragt wurde, wie Tiere gehalten werden sollen, nicht ob. Auch eine Henne aus Freilandhaltung wird geschlachtet, wenn ihre Legeleistung nachlässt, und auch ein Schwein mit Auslauf endet im Schlachthof. Wenn 77,8 % der Menschen, die alles essen, Tierschutz wichtig finden, liegt die Frage nahe, warum das Interesse der Tiere am eigenen Leben dabei kaum vorkommt.

Insofern hat Humane World for Animals einen Punkt. Mitgefühl mit Tieren ist kein Thema einer veganen Minderheit. Es ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nur endet es bei den meisten an der Stalltür, auf den eigenen Teller schafft es das Mitgefühl selten.

Was du tun kannst.

  • Zutatenliste lesen. Ei steckt in vielen Nudeln, Keksen, Kuchen und Saucen. Ohne Angabe zur Haltung kannst du davon ausgehen, dass Käfigeier dabei sein können.
  • Ei ersetzen. Beim Backen und Kochen klappt das mit Leinsamen, Aquafaba oder fertigem veganen Ei-Ersatz.
  • Politisch Druck machen. Humane World for Animals sammelt mit der Petition „Mandat für Tiere“ Unterschriften für strengere Tierschutzgesetze.
  • Weiterlesen. Aus demselben Barometer stammen auch die Zahlen in unserem Artikel über Straßenkatzen und Kastration.

Häufige Fragen.

Was ist der Tierschutz-Barometer 2026?

Eine repräsentative Online-Umfrage unter 1.527 Erwachsenen in Deutschland, durchgeführt von Ipsos im Januar 2026 im Auftrag der Tierschutzorganisation Humane World for Animals. Es ist die erste Ausgabe.

Wie viele Menschen in Deutschland leben laut Umfrage vegan?

2,5 % der Befragten gaben an, sich vegan zu ernähren, 8,6 % vegetarisch. 80,7 % essen nach eigener Angabe alles.

Wie viele Fleischesser*innen wollen ein Ende der Käfighaltung?

66,7 % der Menschen, die alles essen, unterstützen einen vollständigen Ausstieg aus der Käfighaltung. Unter allen Befragten sind es 70,6 %.

Müssen Käfigeier in Fertigprodukten gekennzeichnet werden?

Nein. Die Haltungsform muss nur auf frischen Eiern stehen. In verarbeiteten Lebensmitteln wie Nudeln oder Keksen gibt es keine Pflicht, sie anzugeben.

Wer hat die Umfrage bezahlt?

Humane World for Animals, früher Humane Society International. Die Organisation nutzt die Ergebnisse für ihre politische Arbeit, unter anderem die Petition „Mandat für Tiere“.

Quellen ●

Humane World for Animals: Tierschutz-Barometer 2026 und Fragen und Ergebnisse, Pressemitteilung vom 29.10.2026. Europäische Kommission: Überarbeitung des EU-Tierschutzrechts und Bürgerinitiative End the Cage Age. Deutscher Bundestag: Verschiebung der Tierhaltungskennzeichnung, Januar 2026. Fotos: Mark Stebnicki, Will Kirk / Pexels. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, bekommen wir eine kleine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

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