Die Frau hinter dem Haferdrink: Erfinderpreis für Angeliki Triantafyllou

Du gießt morgens Haferdrink in deinen Kaffee, es schäumt, nichts flockt, alles cremig. Völlig normal. Dabei war genau das jahrelang das große Rätsel der Lebensmitteltechnik: Wie kriegt man aus einem Getreide, das eigentlich zu Brei zerfällt, eine Flüssigkeit, die schmeckt, stabil bleibt und sich im heißen Espresso nicht in graue Fetzen auflöst?
Die Antwort steckt in einem Enzym-Verfahren. Und die Person dahinter heißt Angeliki Triantafyllou. Am 2. Juli 2026 hat das Europäische Patentamt (EPA) ihr dafür in Berlin den European Inventor Award 2026 in der Kategorie Industrie verliehen. Kurz gesagt: Sie ist mit ein Grund, warum dein Kaffee heute so schmeckt, wie er schmeckt.
Die kurze Antwort
Die griechisch-schwedische Lebensmittelwissenschaftlerin Angeliki Triantafyllou hat 2026 den European Inventor Award des Europäischen Patentamts in der Kategorie Industrie gewonnen. Geehrt wird ihr patentiertes Enzym-Verfahren, das Geschmack, Textur und Stabilität von Haferdrinks entscheidend verbesserte. Es kombiniert eine Proteindeamidase mit Amylasen, löst so das Haferprotein, ohne es in bittere Bruchstücke zu zerlegen. Dieses Verfahren gehört Oatly und machte unter anderem die Barista-Reihe möglich.

Warum Hafer eigentlich kein guter Drink ist
Hafer ist voller Stärke. Mahlst du ihn mit Wasser, bekommst du eine trübe, mehlige Pampe, die schnell absetzt. Erhitzt du sie, wird sie dick und klebrig. Das Protein im Hafer löst sich außerdem schlecht in Wasser und schmeckt, wenn man es mit der Brechstange bearbeitet, bitter. Kein Wunder, dass die ersten Haferdrinks eine Nische für Menschen mit Laktoseintoleranz blieben und nicht der Café-Liebling von heute waren.
Der Grundstein liegt im schwedischen Lund. Dort erforschte der Lebensmittelwissenschaftler Rickard Öste in den 80er- und frühen 90er-Jahren, wie sich Hafer trinkbar machen lässt. Seine Ur-Technik nutzte Enzyme, um die Haferstärke in kleinere Zuckerbausteine zu zerlegen und dabei die wertvollen Beta-Glucan-Ballaststoffe zu erhalten. Öste gründete 1994 mit seinem Bruder Björn die Firma Oatly. Er gilt als Erfinder der Hafermilch. Wichtig, damit die Rollen sauber bleiben: Öste legte das Fundament, Triantafyllou baute darauf das Verfahren, das den Drink wirklich alltagstauglich machte.
Was Enzyme mit deinem Haferdrink machen
Stell dir Enzyme wie winzige, spezialisierte Scheren und Werkzeuge vor. Jedes macht genau eine Sache.
Die Amylasen in Triantafyllous Verfahren zerkleinern die lange Stärke in kleine Zuckerketten. Das erledigt zwei Dinge auf einmal: Der Drink wird dünnflüssig statt kleisterig, und er schmeckt von Natur aus leicht süß, ohne zugesetzten Zucker.
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Jetzt kostenlos anmeldenDer eigentliche Clou ist aber die Proteindeamidase. Frühere Ansätze nutzten Proteasen, also Enzyme, die Eiweiß regelrecht zerschneiden. Dabei entstehen kleine, bittere Bruchstücke, der Drink wird instabil und bräunt. Eine Deamidase geht anders vor: Sie verändert das Protein nur leicht an der Oberfläche, statt es zu zerhacken. Die Struktur bleibt heil, das Eiweiß wird trotzdem wasserlöslich. Ergebnis: mehr gelöstes Protein, hellere Farbe, feiner und stabiler Schaum, kein bitterer Beigeschmack. Genau die Eigenschaften, die einen Drink barista-tauglich machen.
Das Verfahren entstand aus einer Forschungskooperation an der Universität Lund, ursprünglich aus der Idee, Hafer-Nebenprodukte sinnvoll zu nutzen und eine Alternative für Menschen mit Laktoseintoleranz zu schaffen. Triantafyllou stieg während ihres Biotechnologie-Doktorats ein und optimierte den Prozess über Jahre. Das Patent liegt bei Oatly und ebnete den Weg für die Barista-Reihe, die Haferdrink vom Diät-Produkt zum Massenphänomen im Kühlregal machte.
Wer Angeliki Triantafyllou ist
Über 20 Jahre lang leitete Triantafyllou bei Oatly die Forschung und Entwicklung. Sie ist damit eine der zentralen Figuren hinter einem Produkt, das inzwischen weltweit in Millionen Kaffeetassen landet, ohne dass die meisten je ihren Namen gehört haben. 2021 bekam sie gemeinsam mit Rickard Öste den schwedischen Polhem-Preis für ihre Arbeit an Hafer-Lebensmitteln.
Heute ist sie Präsidentin ihres eigenen Unternehmens Cerealiq AB und arbeitet weiter an enzymatischen Verfahren, jetzt für hochwertige Drinks aus Hafer und Hülsenfrüchten. Die Wissenschaft, die den Haferdrink groß machte, geht also weiter.
Was das für dich bedeutet
Erstens: Wenn dein Haferdrink im Café schäumt und nicht flockt, ist das kein Zufall, sondern angewandte Enzymtechnik. Zweitens zeigt der Preis, dass pflanzliche Alternativen längst in der Liga ernsthafter Ingenieursleistung angekommen sind. Das Europäische Patentamt ehrt hier keine Marketing-Idee, sondern ein handfestes technisches Problem, das gelöst wurde.
Und drittens: Der bekannteste Vertreter dieser Technik ist der Oatly Barista Haferdrink, den du fürs Aufschäumen zu Hause nutzen kannst. Wer noch mehr über die verschiedenen Pflanzendrinks wissen will, findet in unserer Übersicht über pflanzliche Milchalternativen einen guten Startpunkt. Und falls du dich fragst, ob dein Latte überhaupt vegan ist: Das klären wir im Beitrag Ist Kaffee vegan?. Mehr spannende vegane Produkt-Funde teilen wir übrigens laufend auf Instagram bei @vegan.alarm.

FAQ
Wer hat den Haferdrink erfunden?
Als Erfinder der Hafermilch gilt der schwedische Wissenschaftler Rickard Öste, der die ursprüngliche Enzym-Technik in Lund entwickelte und 1994 mit seinem Bruder Björn Oatly gründete. Angeliki Triantafyllou entwickelte später das Verfahren, das Geschmack und Stabilität so stark verbesserte, dass Haferdrink massentauglich wurde. Für dieses Verfahren erhielt sie 2026 den European Inventor Award.
Was genau macht das preisgekrönte Enzym-Verfahren?
Es kombiniert Amylasen, die die Haferstärke in kleine Zucker zerlegen und den Drink dünnflüssig und leicht süß machen, mit einer Proteindeamidase, die das Haferprotein wasserlöslich macht, ohne es in bittere Bruchstücke zu zerhacken. Das Ergebnis ist ein cremiger, stabiler Drink mit feinem Schaum.
Warum bekommt ein Haferdrink einen Erfinderpreis?
Weil dahinter ein echtes technisches Problem steckt. Hafer neigt dazu, zu verkleistern, sich abzusetzen und beim Erhitzen zu flocken. Das enzymatische Verfahren löste diese Probleme und machte eine pflanzliche Milchalternative erst konkurrenzfähig. Das Europäische Patentamt zeichnet mit dem Award solche patentierten Durchbrüche aus.
Wo wird das Verfahren heute eingesetzt?
Das Patent gehört Oatly und steckt unter anderem hinter der Barista-Reihe. Angeliki Triantafyllou entwickelt mit ihrem Unternehmen Cerealiq AB inzwischen weitere enzymatische Verfahren für Drinks aus Hafer und Hülsenfrüchten.
FAQ - Das fragen andere
Warum Hafer eigentlich kein guter Drink ist?
Was Enzyme mit deinem Haferdrink machen?
Wer Angeliki Triantafyllou ist?
Was das für dich bedeutet?
Wer hat den Haferdrink erfunden?
Was genau macht das preisgekrönte Enzym-Verfahren?
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