Planted verdoppelt die Produktion in Memmingen und liebäugelt mit der Metzgerei

Planted will die Produktion im bayerischen Memmingen verdoppeln und denkt zum ersten Mal ernsthaft darüber nach, sein pflanzliches Protein auch an andere Marken zu liefern. Sogar an Metzgereien. Für ein Unternehmen, das seit der Gründung 2019 alles unter eigenem Namen verkauft, wäre das ein Kurswechsel.
Was in Memmingen passiert
Das Werk auf einem früheren Brauereigelände ist erst 2025 in Betrieb gegangen. Dort entstehen die Whole-Cut-Produkte, also Steaks und ähnliche Stücke am Stück. Das Verfahren: Extrudiertes pflanzliches Protein durchläuft eine Festkörperfermentation, bei der Mikroorganismen an der Struktur und am Geschmack arbeiten.
Aktuell laufen dort rund acht Tonnen pro Tag vom Band. Zusammen mit dem Schweizer Stammwerk in Kemptthal kommt Planted auf 20 bis 25 Tonnen täglich. Diese Kapazität in Memmingen soll sich nun verdoppeln. Wie viel das Unternehmen dafür in die Hand nimmt, sagt es nicht.

Die eigentliche Zahl: zwei Dollar pro Kilo
Interessanter als die Tonnage ist das Kostenziel. Intern peilt Planted zwei US-Dollar Produktionskosten pro Kilogramm an, aufgeteilt in einen Dollar für Rohstoffe und einen für Verarbeitung und Verpackung.
Das ist die Zahl, an der sich entscheidet, ob pflanzliches Fleisch aus der Nische kommt. Denn solange die Alternative im Regal spürbar mehr kostet als das Original, bleibt sie eine Überzeugungsfrage. Mitgründer und CEO Pascal Bieri formuliert die Lehre aus dem deutschen Markt ziemlich unverblümt: Man sei in den schwierigsten Einzelhandelsmarkt der Welt gegangen und habe dort vor allem eines gelernt, nämlich dass der Preis zählt.

Vegane Steaks aus der Metzgerei?
Der spannendste Teil ist die Überlegung, Halbfertigprodukte an Dritte zu verkaufen. Planted würde dann fermentiertes „Muskelgewebe” in großen Mengen herstellen, und lokale Marken, Hersteller oder eben Metzgereien würden daraus ihr eigenes Produkt machen, mit eigener Würzung und eigenem Etikett.
Bieri deutet an, ein besseres Protein müsse nicht zwingend den Namen Planted tragen. In den einzelnen Märkten blieben lokale Marken und Geschmäcker führend. Als Markt, in dem das Unternehmen solche Partnerschaften auslotet, nennt er Frankreich.

Für uns ist das ein Gedanke mit Reiz und mit Reibung zugleich. Reiz, weil pflanzliches Protein so an Orte käme, an die eine Marke wie Planted allein nie gelangt. Eine Metzgerei, die eine pflanzliche Variante in die Theke legt, erreicht Menschen, die einen veganen Supermarkt nie betreten würden. Reibung, weil dieselbe Theke danach weiter Tiere verkauft und der pflanzliche Anteil zum Sortimentsbaustein wird statt zur Alternative.
Beides stimmt gleichzeitig. Wer will, dass weniger Tiere getötet werden, wird sich an solchen Konstruktionen gewöhnen müssen. Wer eine klare Trennung möchte, wird sie unbefriedigend finden.
Wie es dem Unternehmen tatsächlich geht
Planted hat im vergangenen Jahr rund elf Prozent der Belegschaft abgebaut. Bieri nennt das eine Anpassung an die Zukunft. Das ist die Formulierung eines Unternehmens, das gerade Kosten senkt.
Gleichzeitig läuft ausgerechnet Deutschland gut. Im ersten Quartal legte der Umsatz hier um 49 Prozent zu, während der Gesamtmarkt für Fleischalternativen um 7,2 Prozent wuchs. Planted wächst also deutlich schneller als der Markt, getragen vor allem von den Steaks und von einer breiteren Distribution.
Andernorts sieht es anders aus. Österreich und Italien wachsen, die Schweiz ist weitgehend flach, Spanien schrumpft, Großbritannien nennt Bieri schwierig. Ein europäischer Boom sieht anders aus, und genau deshalb ist die Kostenfrage so zentral.

Was als Nächstes kommt
Die Whole-Cut-Technik soll in neue Kategorien wandern, unter anderem in Aufschnitt. Die Idee dahinter: ein ganzes Stück erzeugen und es dann in dünne Scheiben schneiden, statt eine Masse in Form zu pressen. Wie sich das gegen die bestehenden Marken schlägt, steht in unserer Übersicht zu veganem Aufschnitt. Wie Planted bei den Schnitzeln abschneidet, haben wir im Schnitzel-Test aufgeschrieben, und wie groß der pflanzliche Markt in Deutschland inzwischen ist, steht in unserer Marktübersicht.
Woher die Angaben stammen
Alle Zahlen und Aussagen stammen aus einem Interview von Pascal Bieri mit AgFunderNews, abgerufen am 18. August 2026. Die Höhe der geplanten Investition hat das Unternehmen nicht genannt. Umsatz- und Marktzahlen sind Unternehmensangaben und von uns nicht unabhängig prüfbar.
Die B2B-Pläne sind ausdrücklich eine Prüfung, keine beschlossene Sache. Wir berichten sie als das, was sie sind: eine Überlegung, die das Unternehmen öffentlich gemacht hat.
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