Kellner serviert Essen an einen Tisch mit fröhlicher Gruppe in einem Pub
Gruppen entscheiden gemeinsam, wo gegessen wird. Symbolbild.
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Es gibt eine Sorte Branchentext, die man leicht überliest, weil sie so unaufgeregt daherkommt. Der Verband UKHospitality, die Stimme des britischen Gastgewerbes, hat gerade so einen veröffentlicht. Überschrift: The rise of plant-forward menus. Kernaussage: Pflanzliches Essen habe in der britischen Gastronomie den Trendstatus hinter sich gelassen und sei zu einem strukturellen Wandel geworden.

Bevor wir das feiern, ein Blick auf die Autorenzeile.

Wer diesen Bericht geschrieben hat

Der Text läuft unter Member Insight, der Rubrik für Beiträge von Mitgliedsunternehmen. Verfasst hat ihn McCain Foodservice Solutions, einer der größten Kartoffelverarbeiter der Welt. Pommes, Wedges, Rösti, Tiefkühlware.

Und der Bericht enthält, das ist bemerkenswert, keine einzige Zahl. Keine Umsätze, keine Marktanteile, keine Befragung. Er behauptet unter anderem, strenger Veganismus habe sich stabilisiert, liefert dafür aber keinen Beleg.

Was er stattdessen liefert, ist eine These, und die läuft auf Folgendes hinaus: Pflanzlich funktioniert am besten als Comfort Food. Loaded Fries, Kartoffelbowls, Sharing-Platten, würzige Beilagen. Und ausdrücklich nicht als teurer Fleischersatz. Wörtlich heißt es, viele Betriebe kämen ohne teure Fleischimitate aus, wenn sie stattdessen Kartoffeln, Gemüse und internationale Aromen einsetzen.

Ein Kartoffelkonzern erklärt der Gastronomie also, dass die Zukunft des pflanzlichen Essens aus Kartoffeln besteht. Man darf grinsen.

Trotzdem stimmt das meiste davon. Wir haben es nachgerechnet.

Kellner serviert Essen an einen Tisch mit fröhlicher Gruppe in einem Pub

Gruppen entscheiden gemeinsam, wo gegessen wird. Symbolbild.

Was unabhängige Daten zu dieser These sagen

Wir haben die Behauptungen gegen zwei Datenquellen gehalten, die tatsächlich rechnen: den Marktreport von GFI Europe zum deutschen Einzelhandel und den Blueprint for Plant-Based Growth von ProVeg und Systemiq zum britischen Handel.

Das Bild ist deutlich. Der klassische Fleischersatz kommt nicht mehr voran. In Deutschland liegt er bei 750,8 Millionen Euro Umsatz, das sind plus 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und die verkaufte Menge ist sogar leicht gesunken. Gleichzeitig wächst die Gruppe Tofu, Tempeh und Seitan um 28,9 Prozent beim Umsatz und um fast 30 Prozent bei der Menge. Seit 2023 ist die Menge um 53 Prozent gestiegen.

In Großbritannien läuft es genauso. Tofu legte dort um 15,3 Prozent beim Wert und um 25,2 Prozent beim Volumen zu. Der ProVeg-Report nennt diese Warengruppe den unteraktivierten Wachstums-Sweetspot des gesamten Marktes.

Der Grund dafür steht im Preis, und deshalb haben wir ihn aufgezeichnet.

Infografik: Kilopreise im deutschen Handel, pflanzliches Fleisch 14,35 Euro, Tofu 6,57 Euro, Eigenmarken-Tofu 5,36 Euro

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Wer noch denkt, pflanzlich sei automatisch teuer, sollte das hier sehen.

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Pflanzliches Fleisch kostet im deutschen Handel im Schnitt 14,35 Euro pro Kilo. Tofu kostet 6,57 Euro, einfacher Eigenmarken-Tofu sogar nur 5,36 Euro. Für einen Gastronomen, der auf den Wareneinsatz schaut, entscheidet diese Differenz die Karte.

Die tiefer gehende Auswertung aller Kategorien haben wir hier: Der pflanzliche Markt in Deutschland.

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Ausgerechnet die Pubs

Die beste Beobachtung im ganzen Bericht handelt gar nicht von Kartoffeln. Sie handelt von Pubs und Bars, den Läden also, die pflanzliche Gerichte am längsten links liegen ließen.

Der Grund für den Sinneswandel ist laut Bericht das Verhalten von Gruppen: Oft entscheidet die Frage, ob es ein gutes pflanzliches Gericht gibt, darüber, wo die ganze Gruppe essen geht. Eine Person am Tisch bestimmt also das Umsatzziel für acht.

Das ist eine der ehrlichsten Beschreibungen des Mechanismus, die wir seit Langem gelesen haben, und sie deckt sich mit dem, was Leserinnen und Leser uns dauernd schreiben. Kaum jemand zwingt seine Freunde in ein veganes Restaurant. Aber sehr viele schlagen leise das Lokal vor, in dem sie nicht nur Pommes und Beilagensalat bekommen.

Deshalb wirkt die Gastronomie so stark. Ein einziges gutes pflanzliches Gericht kippt die Standortwahl einer ganzen Gruppe. Dafür muss kein Schnitzel von der Karte.

Restauranttisch mit mehreren pflanzlichen Gerichten von oben fotografiert

Pflanzliche Gerichte wandern von der Sonderkarte in die Hauptkarte. Symbolbild.

Was das für Deutschland heißt

Hier wird es für uns konkret, und zwar mit einer Einschränkung, die man kennen muss: Der große deutsche Marktreport erfasst ausschließlich den Einzelhandel. Supermärkte, Discounter, Hypermärkte. Die Gastronomie taucht darin gar nicht auf. Der tatsächliche pflanzliche Konsum in Deutschland liegt also höher als die 1,71 Milliarden Euro, die dort stehen.

Über die deutsche Gastronomie wissen wir also weniger, als man denkt. Ein Gegenstück zu diesem britischen Bericht existiert hier schlicht nicht.

Was wir wissen, passt trotzdem zusammen. Eine Untersuchung von GFI Europe zeigt, dass sich nur 50 Prozent der Deutschen zutrauen, mit pflanzlichen Zutaten eine schmackhafte Mahlzeit zu kochen, gegenüber 75 Prozent bei tierischen Zutaten. Diese Lücke füllt die Gastronomie. Wer ein gutes pflanzliches Gericht zum ersten Mal im Restaurant isst, probiert es danach eher zu Hause.

Und die Richtung stimmt auch an anderer Stelle: Eine US-Umfrage zeigt, wie offen die Mehrheit für Bohnen statt Fleisch ist, und in der öffentlichen Verpflegung geht es um 2,53 Milliarden Euro jährlich, die eine pflanzlichere Ausrichtung sparen würde.

Was wir davon halten

Wir finden die Entwicklung gut. Ein pflanzliches Gericht, das ohne grünes Blattsymbol auf der Hauptkarte steht und von Leuten bestellt wird, die sich dabei nichts denken, bewegt mehr als jede Diskussion am Tisch. Es schmeckt, alle sind satt, fertig.

Beim Begriff selbst werden wir vorsichtig. „Plant-forward” verpflichtet zu gar nichts. Ein Betrieb darf sich so nennen und weiter zu neunzig Prozent Tierprodukte verkaufen. Uns interessiert am Ende eine Zahl, die in keinem Trendbericht auftaucht: wie viele Tiere weniger dafür sterben.

Wir lesen Marktreports im Original und rechnen nach. Unser Newsletter ist kostenlos und jederzeit kündbar.

Bowl mit Quinoa, gerösteten Kichererbsen, Tofu und Gemüse von oben

Bowls und Sharer statt teurer Fleischimitate. Symbolbild.

Was du beim nächsten Essengehen damit anfangen kannst

Frag nach. Betriebe zählen Nachfragen mit. Wenn drei Leute in einer Woche nach einem pflanzlichen Hauptgericht fragen, landet das im Gespräch mit der Küche. Fragt niemand, bleibt die Karte, wie sie ist.

Bestell das Hauptgericht, nicht die Beilage. Küchen behalten, was sich verkauft. Ein pflanzliches Gericht, das dreimal am Abend rausgeht, überlebt die nächste Kartenänderung. Eines, das höflich angeschaut wird, fliegt raus.

Und schlag den Laden vor. Der Bericht bestätigt, dass genau das wirkt. Wer das Lokal aussucht, in dem für alle etwas dabei ist, verschiebt still den Umsatz. Adressen haben wir in unseren Guides für Berlin und Hamburg, und die Strategie für alle anderen Fälle steht in Vegan im Restaurant essen.

Wer die Kartoffel-These direkt zu Hause testen will: Es braucht keinen teuren Fleischersatz. Unsere Tools helfen beim Einkauf, und wenn du wissen willst, warum das Schnitzel im Vergleich künstlich billig wirkt, lies warum Agrarsubventionen pflanzliche Ernährung benachteiligen.

Häufige Fragen

Was bedeutet plant-forward?

Der Begriff beschreibt Speisekarten, auf denen pflanzliche Gerichte einen festen und sichtbaren Platz haben, statt als Sonderfall behandelt zu werden. Er bedeutet ausdrücklich nicht vegan und nicht vegetarisch. Ein plant-forward Betrieb kann weiterhin überwiegend Tierprodukte verkaufen.

Wer hat den britischen Trendbericht geschrieben?

Veröffentlicht wurde er von UKHospitality in der Rubrik Member Insight, verfasst hat ihn McCain Foodservice Solutions, ein Hersteller von Tiefkühlkartoffelprodukten. Der Text enthält keine eigenen Zahlen.

Stimmt es, dass Fleischersatz nicht mehr wächst?

Im deutschen Einzelhandel stagniert er: 750,8 Millionen Euro Umsatz 2025, ein Plus von 0,2 Prozent, bei leicht gesunkener Verkaufsmenge. Tofu, Tempeh und Seitan wuchsen im selben Zeitraum um 28,9 Prozent beim Umsatz.

Warum sind Tofu und Gemüse für Betriebe attraktiver?

Wegen des Wareneinsatzes. Pflanzliches Fleisch kostet im Handel im Schnitt 14,35 Euro pro Kilo, Tofu 6,57 Euro, einfacher Eigenmarken-Tofu 5,36 Euro. Dazu kommt, dass Gemüse und Kartoffeln flexibler über verschiedene Gerichte und Tageszeiten einsetzbar sind.

Gibt es solche Zahlen auch für die deutsche Gastronomie?

Nein. Der große deutsche Marktreport erfasst ausschließlich den Einzelhandel. Für die Gastronomie fehlt eine vergleichbare Datengrundlage, der tatsächliche pflanzliche Konsum liegt also höher als die ausgewiesenen 1,71 Milliarden Euro.


Quellen: UKHospitality, „2026 trend report: The rise of plant-forward menus”, Member Insight von McCain Foodservice Solutions, Januar 2026. Marktzahlen Deutschland: Helen Breewood, „Entwicklung des Marktes für pflanzenbasierte Lebensmittel im deutschen Einzelhandel 2023 bis 2025”, GFI Europe (2026), DOI 10.5281/zenodo.20395998, CC BY 4.0, Handelsdaten von Circana und Haushaltspanel NIQ Homescan, Preise inklusive Mehrwertsteuer, Gastronomie nicht erfasst. Marktzahlen Großbritannien: ProVeg und Systemiq, „Blueprint for Plant-Based Growth”, Juni 2026. Die abgebildeten Fotos sind Symbolbilder von Adobe Stock.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Wer diesen Bericht geschrieben hat?
Der Text läuft unter Member Insight, der Rubrik für Beiträge von Mitgliedsunternehmen. Verfasst hat ihn McCain Foodservice Solutions, einer der größten Kartoffelverarbeiter der Welt. Pommes, Wedges, Rösti, Tiefkühlware. Und der Bericht enthält, das ist bemerkenswert, keine einzige Zahl. Keine Umsätze, keine Marktanteile, keine Befragung.
Was unabhängige Daten zu dieser These sagen?
Wir haben die Behauptungen gegen zwei Datenquellen gehalten, die tatsächlich rechnen: den Marktreport von GFI Europe zum deutschen Einzelhandel und den Blueprint for Plant-Based Growth von ProVeg und Systemiq zum britischen Handel. Das Bild ist deutlich. Der klassische Fleischersatz kommt nicht mehr voran.
Was das für Deutschland heißt?
Hier wird es für uns konkret, und zwar mit einer Einschränkung, die man kennen muss: Der große deutsche Marktreport erfasst ausschließlich den Einzelhandel. Supermärkte, Discounter, Hypermärkte. Die Gastronomie taucht darin gar nicht auf. Der tatsächliche pflanzliche Konsum in Deutschland liegt also höher als die 1,71 Milliarden Euro, die dort stehen.
Was wir davon halten?
Wir finden die Entwicklung gut. Ein pflanzliches Gericht, das ohne grünes Blattsymbol auf der Hauptkarte steht und von Leuten bestellt wird, die sich dabei nichts denken, bewegt mehr als jede Diskussion am Tisch. Es schmeckt, alle sind satt, fertig. Beim Begriff selbst werden wir vorsichtig. „Plant-forward” verpflichtet zu gar nichts.
Was du beim nächsten Essengehen damit anfangen kannst?
Frag nach. Betriebe zählen Nachfragen mit. Wenn drei Leute in einer Woche nach einem pflanzlichen Hauptgericht fragen, landet das im Gespräch mit der Küche. Fragt niemand, bleibt die Karte, wie sie ist. Bestell das Hauptgericht, nicht die Beilage. Küchen behalten, was sich verkauft. Ein pflanzliches Gericht, das dreimal am Abend rausgeht, überlebt die nächste Kartenänderung.
Was bedeutet plant-forward?
Der Begriff beschreibt Speisekarten, auf denen pflanzliche Gerichte einen festen und sichtbaren Platz haben, statt als Sonderfall behandelt zu werden. Er bedeutet ausdrücklich nicht vegan und nicht vegetarisch. Ein plant-forward Betrieb kann weiterhin überwiegend Tierprodukte verkaufen.
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