Vegan auf Reisen 2026: der ehrliche Praxis-Guide für Backpacker, Städtetrips und 14-Stunden-Flüge

Ich schreibe diesen Guide aus Canggu, Bali. Vor mir steht eine vegane Bowl mit Tempeh-Satay für umgerechnet drei Euro fünfzig, hinter mir liegt eine kurze Geschichte mit einer schlaflosen Nacht, weil ich mal wieder einen Welpen gefunden habe und einer wichtigen Remote-Podcast-Aufnahme, die ich absagen musste, weil wetterbedingt kein Internet am Start war – beides haben mich gelehrt, dass vegan reisen 2026 zwei sehr unterschiedliche Schwierigkeitsgrade hat. In der einen Welt ist es trivial. In der anderen brauchst du Vorbereitung, einen Vegan Passport und ein Notfall-Müsli im Tagesrucksack.
Ich habe schon viele Länder bereits und war offen, neue Länder und Kulturen kennenzulernen. Wir können alle so viel voneinander lernen – zum Beispiel auf reisen durch die Welt.
Dieser Guide kommt nicht nur aus einer Online-Recherche. Er kommt aus 40 Ländern auf vier Kontinenten und über 20 Jahren veganem Reisen, davon vier mit ADHS-bedingt erratischer Planungstiefe. Ich weiß, was funktioniert und was kompletter Quatsch ist. Hier die Essenz. In Zukunft könnt ihr euch hier auch noch auf einzelne Guides zu Japan, Indonesien, Portugal, Deutschland und vielen anderen Ländern freuen. Ihr habt Tipps – schreibt sie unten in die Kommentare.

Die drei Reise-Modi: Easy, Mittel, Survival
Bevor wir zu Apps und Sätzen kommen, ein klares mentales Modell. Vegan zu reisen ist nicht überall gleich anstrengend. Du kannst Länder in drei Schwierigkeitsklassen einteilen, und je nachdem brauchst du ein anderes Toolkit.
Easy-Mode (Aufwand fast null): Portugal, Spanien, Israel, Thailand, Vietnam, Taiwan, Indonesien (Bali), Großstädte in UK, Niederlande, Belgien, Deutschland, Dänemark, Schweden. In Tel Aviv allein gibt es über 400 vegane Restaurants. In Bangkok findest du Buddha Bowls für drei Euro. In Lissabon ist vegan beim Brunch Standardrepertoire.
Mittel-Mode (mit Vorbereitung machbar): Frankreich (außerhalb Paris zäh), Italien (außer Mailand und Rom), USA (sehr ungleich, von Portland leicht bis Texas hart), Mexiko, Marokko, Türkei, Polen, Ungarn, Tschechien, Brasilien, Argentinien, Japan, Südkorea. Hier hilft HappyCow plus Google Maps plus 2-3 vorbereitete Sätze in der Landessprache.
Survival-Mode (echte Übungsaufgabe): ländliches Frankreich (Endgegner), ländliches Italien, Argentinien (Steakhouse-Kultur), Georgien, Russland, Zentralasien (Kasachstan, Usbekistan), die meisten Länder Subsahara-Afrikas, ländliches China. Hier brauchst du Vegan Passport, eigene Snacks und Geduld.
Welcher Modus für dich relevant ist, entscheidet die Reise-Vorbereitung. Eine Städtereise nach Lissabon braucht praktisch nichts. Ein dreiwöchiger Roadtrip durch Patagonien ist eine Logistik-Aufgabe.
Quick-Answer: Was brauche ich für eine vegane Reise?
Drei Tools reichen für 80 Prozent aller Reisen: die App HappyCow oder Spinach (findet vegane Restaurants weltweit), der Vegan Passport (Heftchen oder App mit Erklärungen in 79 Sprachen) und Google Maps mit der Filter-Suche „vegan“. Für Survival-Mode-Destinationen zusätzlich: 3 bis 5 vorbereitete Sätze in der Landessprache, ein Beutel Trail-Mix oder Müsliriegel oder Proteinriegel im Rucksack, und ein Pack Sojadrink-Pulver für Hotel-Frühstücke ohne pflanzliche Milch. Langstreckenflüge VGML (Vegan Meal) mindestens 48 Stunden vor Abflug bestellen.

Die Apps, die wirklich funktionieren
Es gibt gefühlt 50 Vegan-Reise-Apps auf den Stores. Du brauchst genau vier.
HappyCow (Pflicht)
Die Königin der veganen Reise-Apps heißt HappyCow. Die Datenbank hat über 200.000 Restaurants weltweit, kategorisiert in „Vegan”, „Veg-Friendly” und „Vegetarian”. User-Reviews sind in der Regel ehrlich und detailliert. Filter nach Öffnungszeiten, Preisklasse, Lieferdiensten und Restaurant-Typ. Premium-Version kostet etwa 4 Euro im Monat und lohnt sich für die Offline-Funktion – essenziell, wenn du in Vietnam ohne SIM unterwegs bist.
Was die App nicht kann: in extrem ländlichen Gebieten gibt es schlicht keine Einträge. Verlass dich nicht ausschließlich darauf. Nicht mehr 100% State-of-the art, aber immer noch viele tolle Restaurants drin.

Spinach (der Newcomer mit Substanz)
Spinach ist die spannendste vegane App, die 2026 auf den Markt gekommen ist – gegründet vom Ex-CEO von HappyCow, der offensichtlich wusste, welche Schwächen er bei seinem alten Projekt nie ganz lösen konnte. Der zentrale USP: das Vegan Friendliness Score-System. Jedes Restaurant bekommt eine Note von A bis E, basierend auf vier Kriterien – Anzahl der veganen Optionen, Protein-Quellen (Tofu, Tempeh, Seitan oder doch nur Gemüse-Beilagen), Klarheit der Menü-Kennzeichnung und Kompetenz des Personals. Das löst genau das Problem, das HappyCow nie ganz im Griff hatte: die Schwemme an „veg-friendly“ Läden, bei denen am Ende ein trauriger Salat auf dem Teller landet.
Der zweite USP ist das Rating-System selbst. Spinach aggregiert Reviews über mehrere Plattformen hinweg, korrigiert algorithmisch für Bias (also für die Tendenz, dass Veganer veganen Läden grundsätzlich 5 Sterne geben, weil sie überhaupt einen veganen Laden gefunden haben) und filtert auf tatsächliche Essensqualität. Eine 5.0 bei Spinach bedeutet: das Essen ist herausragend. Nicht: es ist vegan genug.
Dritter USP: automatisch generierte Stadt-Rankings nach Gerichten. Beste Pizza, beste Ramen, bester Burger – Platz 1 bis X, direkt auf der Karte sichtbar. Du musst nicht mehr 30 Einträge durchklicken, um herauszufinden, wo das beste vegane Sushi in Tokyo ist. Die App zeigt es dir auf einen Blick.
Aktuell sind 158 Städte mit über 220.000 Venues abgedeckt – Schwerpunkt Europa, Nordamerika und Asien. Berlin, London, Barcelona, Bangkok, Lissabon, Ho Chi Minh City – die üblichen veganen Hochburgen sind alle drin. Was Spinach (noch) nicht ersetzt: HappyCow in der Fläche und Vegan Passport in der Sprachbarriere. Aber für die Vorab-Recherche in größeren Städten ist es inzwischen meine erste Anlaufstelle.
(Pflicht für Survival-Mode)
Eine Initiative der Vegan Society UK. Erhältlich als Heftchen oder App, übersetzt das Konzept „vegan” in 79 Sprachen mit kulturell angepassten Erklärungen. Wichtig: das ist kein Wörterbuch, sondern erklärt im Detail, was du nicht isst (Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Honig). Funktioniert besonders gut in Ländern, wo „kein Fleisch” oft als „Fisch ist okay” interpretiert wird – also in 90 Prozent aller Länder südlich des Mittelmeers und östlich von Wien.
Mein bestes Erlebnis: ein georgischer Restaurant-Besitzer in Tiflis las den georgischen Eintrag, nickte ernsthaft, verschwand 5 Minuten in der Küche und kam mit einem komplett selbst-kreierten veganen Khinkali-Teller zurück, den niemand vorher hätte bestellen können. Vegan Passport bewährt sich.
Google Maps (unterschätzt)
Klingt banal, ist aber 2026 oft die schnellste Lösung. Suche „vegan restaurant near me” oder noch besser „vegan” als Schlagwort in der Google-Maps-Suche. Bewertungen und Fotos sind oft aktueller als auf HappyCow, weil mehr Touristen pro Sekunde dort posten. Bonus: das integrierte „Restaurants in der Nähe” mit dem „Vegan”-Filter ist seit 2024 in fast allen Ländern verfügbar.
Bonus-Tipp: in vielen Ländern ist „plant-based” oder „vegano” eine bessere Suchphrase als „vegan”, weil die lokalen Anbieter unter unterschiedlichen Begriffen gelistet sind.

Die Sätze, die du in jeder Landessprache vorbereitet haben solltest
Übersetzungs-Apps sind 2026 erstaunlich gut (Google Translate, Claude, DeepL, ChatGPT Voice Mode), aber wenn dein Server gerade nicht reagiert und das Restaurant gleich schließt, willst du die wichtigsten Sätze auswendig oder als Foto auf dem Handy haben.
Die drei Pflicht-Sätze pro Reiseland:
- „Ich esse keine tierischen Produkte. Kein Fleisch, kein Fisch, keine Milch, keine Eier, kein Honig.” Das ist das Vegan-Manifest in komplett. Wer das versteht, kocht dir was. Wer nur „kein Fleisch” hört, packt dir Käse drauf.
- „Ist hier Butter oder Sahne drin?” Die häufigste versteckte Tierzutat in Restaurants weltweit. Nudeln, Reis, Suppen, sogar Brot – Butter ist überall.
- „Können Sie etwas Veganes zubereiten? Ich zahle gerne extra.” Magic-Sentence. In 80 Prozent der Restaurants löst dieser Satz unerwartete Kreativität in der Küche aus. Köche lieben Herausforderungen.
Schreib diese drei Sätze in Hauptlandessprache und ggf. lokaler Regionalsprache auf eine Notiz-App-Seite oder lass sie dir vor der Reise von ChatGPT übersetzen. Screenshot, offline verfügbar.

Langstreckenflüge: VGML, VLML und was du selbst mitbringst
Vegan auf Flügen ist 2026 weitgehend gelöst, aber es gibt eine entscheidende Vorbereitung.
Special Meal bestellen – mindestens 48 Stunden vor Abflug
Die meisten Airlines bieten VGML (Vegan Meal) als Special Meal an, das du bei der Buchung oder spätestens 48 Stunden vor Abflug bestellen musst. Ohne VGML bekommst du auf einem 14-Stunden-Flug nach Bangkok bei Lufthansa ein Brötchen, ein Stück Obst und einen kleinen Salat – mehr nicht. Mit VGML bekommst du eine warme, oft sehr gute vegane Hauptmahlzeit, ein veganes Frühstück und meist ein kleines Snack-Päckchen.
Wichtige Unterscheidung:
– VGML = Vegan (komplett tierfrei)
– VLML = Vegetarian Lacto-Ovo (mit Milch + Ei)
– AVML = Asian Vegetarian (oft vegan-ähnlich, aber Ghee ist üblich – nicht verlässlich)
– VOML = Vegetarian Oriental (oft vegan, aber Eier möglich – nachfragen)
Wer auf Nummer sicher gehen will, bestellt VGML.
Welche Airlines liefern echt gutes VGML: Lufthansa, Air France, KLM, Emirates, Qatar Airways, Singapore Airlines, ANA, JAL. Welche eher schwach: viele US-Carrier (American, United, Delta) und Billigflieger generell. Bei Billigflug-Langstrecke immer eigene Snacks dabei haben.
Vegan im Zug reisen 2026: was das Speiseangebot der Deutschen Bahn wirklich kann – und wie du dich auf lange Bahnreisen vorbereitest
Vegan im Zug zu reisen ist 2026 deutlich entspannter als noch vor fünf Jahren – aber es bleibt eine Disziplin, die etwas Vorbereitung verlangt. Die Deutsche Bahn hat im ICE-Bordrestaurant seit 2022 konsequent vegane Optionen integriert: der vegane Linsen-Eintopf, die vegane Nudelpfanne mit Tomatensauce, das Couscous-Gemüse-Bowl und in der Frühstücks-Phase die vegane Schoko-Croissants sind die verlässlichen Klassiker. Im DB-Bistro im IC-Verkehr ist die Auswahl knapper – meistens nur ein veganes Hauptgericht plus belegte Brötchen mit Hummus oder Avocado-Aufstrich. Wichtig zu wissen: an Wochenend-Stoßzeiten und auf langen Strecken kann das vegane Hauptgericht ausverkauft sein, daher entweder früh bestellen oder eigenes Notfall-Essen einpacken.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im oberen Mittelfeld: die Schweizer SBB hat in jedem Speisewagen mindestens zwei vegane Optionen, ÖBB Nightjet bietet vegane Frühstücks-Sets vorab buchbar an, Eurostar (London–Paris–Brüssel) hat ein dediziertes Vegan-Menü in Standard Premier und Business Premier. Italiens Trenitalia-Frecciarossa ist dagegen schwach – außerhalb Mailand und Rom oft nur ein Salat als „vegane Option“. Frankreichs TGV ist eine echte Wüste, hier sind Eigenproviant und HappyCow-Recherche an Umstiege-Bahnhöfen Pflicht. Spaniens Renfe-AVE und Skandinaviens Vy/SJ haben dagegen überraschend gute vegane Sandwiches und Salate im Bord-Service.
Für lange Bahnreisen über 4 Stunden gilt die klassische Vorbereitung: einen kleinen Vegan-Notfall-Beutel packen mit veganem Energieriegel (Clif Bar oder nucao), 30 g Trail-Mix oder Studentenfutter, einer Banane, einem Apfel, einem belegten Vollkorn-Sandwich mit Hummus und Gemüse, plus eine wiederbefüllbare Wasserflasche. Pflanzendrink-Pulver-Sachets für den Bordrestaurant-Kaffee sind ein unterschätzter Tipp – die meisten Speisewagen haben Kaffee, aber selten Hafermilch in ausreichender Menge. Für Nachtzüge: eigenes Frühstück komplett selbst mitbringen, das Bord-Frühstück in DB-Nachtreise ist 2026 oft nicht vegan-konform. Wer plant, in Italien, Frankreich oder Osteuropa umzusteigen, lädt die Spinach oder HappyCow-App offline für die Umsteige-Bahnhöfe vor und identifiziert vegane Spots im 500-Meter-Umkreis – damit überbrückt man auch lange Übergänge ohne Diät-Kompromiss.
Tipp: hier gibt´s für eure Reisen jede Menge Rabatte (von Bahnfahrten, über Flüge, Hotels, bis hin zu Proteinriegeln).
Was du immer als Handgepäck dabei haben solltest
Eine kleine Notfall-Tüte mit:
– 2 bis 3 vegane Energieriegel (Clif Bar, Naturalia, Protein Riegel)
– 100 g Trockenfrüchte oder Trail-Mix
– Ein Pack Studentenfutter
– Hafer- oder Sojadrink-Pulver-Sachet (für Kaffee unterwegs)
– Eine Banane oder Apfel (Achtung: bei Einreise in Australien, Neuseeland, USA nicht erlaubt)
Das ist die Versicherung für Verspätungen, verpasste Anschlüsse und 6-Stunden-Zwischenstops in Doha.
Die Top-10-Destinationen für vegane Reisen 2026
Subjektive, aber sehr fundiert getestete Reihenfolge:
- Tel Aviv – die wahrscheinlich vegan-freundlichste Stadt der Welt, über 400 vegane Restaurants, Vegan-Anteil der Bevölkerung über 5 Prozent.
- Bangkok – jeder Streetfood-Stand kann vegan, Buddha-Hat-Tempel-Restaurants überall, Preise lächerlich niedrig.
- Berlin – Vorreiterrolle in Europa, vegane Burger-Brauhäuser, vegane Döner-Buden, vegane Eismanufakturen, alles da.
- Lissabon – jedes Café hat Hafermilch, jedes Restaurant mindestens drei vegane Optionen, plus ein boomendes vegan-fine-dining-Segment.
- Bali (Canggu, Ubud) – pflanzenbasierte Lebensphilosophie ist hier seit Jahren etabliert, Bowl-Kulturen, gesundes Frühstück Standard und jede Menge vegane Restaurants. (Ja, ich bin biased, weil ich schon lange hier lebe.)
- Taipei (Taiwan) – jedes zweite Restaurant hat einen Vegan-Bereich, weil Buddhismus historisch verwurzelt ist.
- London – Greggs vegane Sausage Rolls als nationales Comfort-Food, ganze Stadtviertel pflanzenbasiert.
- Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt – vegane Pho an jeder Ecke, vegetarische Buddhist-Klöster mit Public-Restaurant.
- Tokio – steile Lernkurve am Anfang (Dashi-Brühe!), aber wenn man die Spielregeln kennt, ein veganes Paradies.
- Mexico City – überraschend stark in den Stadtteilen Roma, Condesa, Coyoacán; vegane Taquerías, Tlacoyos, Tortas.
Was viele unterschätzen: Indien ist nicht automatisch vegan. Vegetarismus ist verbreitet, aber Ghee und Joghurt sind allgegenwärtig. Wer in Mumbai oder Delhi vegan reist, braucht Vorbereitung.
Brand-Pick: Vegan-Reise-Essentials für jeden Trip
Was 2026 in keinem Reiserucksack fehlen sollte – getestet auf vier Kontinenten:
- Vegane B12-Tropfen für unterwegs (Nutri+ oder Sundt) – kleines Glasfläschchen, reicht für Wochen, kein Spritz-Risiko im Gepäck (hier auch Fluggesellschaft checken, ob Flüssigkeiten erlaubt sind). Bei Amazon bestellen
- Pulver-Sojadrink (Provamel oder DM-Eigenmarke) – für Hotel-Kaffee und Müsli, wenn keine pflanzliche Milch verfügbar ist. Bei Amazon bestellen
- BraveMate Trail-Mix (Bio, ohne Zusätze) – Walnuss, Mandel, Cashew, Cranberry. Notfall-Snack-Standard. Bei Amazon bestellen
- Vegan Passport (Heftchen, Vegan Society UK) – das physische Heft, 79 Sprachen, robust für Survival-Mode-Reisen. Bei Amazon bestellen
Affiliate-Hinweis: Über diese Links unterstützt du This is Vegan ohne Mehrkosten. Wir empfehlen nur Produkte, die wir selbst nutzen.

Hotel-Frühstück, Buffet, All-Inclusive: die Realität
Drei reale Szenarien aus meinem Reisejahr 2026:
Hotel-Frühstück Standard 4-Sterne Europa: Müsli ohne Honig (Original Bircher meist nicht vegan, Granola oft mit Honig oder Butter), Brot mit Margarine oder Olivenöl, Avocado, Tomate, Gurke, Hafermilch (zu 80 Prozent verfügbar), schwarzer Kaffee. Bezahlbar und meistens ausreichend. Worauf achten: Rührei und Würstchen sind im Buffet meist die einzigen Proteinquellen – also extra Hülsenfrüchte (Hummus, gebackene Bohnen) oder Nüsse organisieren oder mitbringen.
All-Inclusive Türkei oder Ägypten: schwieriger. Salat-Bar fast immer vegan-tauglich (Hummus, Falafel, Tabouleh, Olivenöl, Brote), Hauptgerichte oft Fleischlastig. Bonus: gegrilltes Gemüse meist vegan, italienische Pasta-Stationen können „ohne Käse, ohne Sahne” zubereiten. Vor der Buchung beim Hotel-Restaurant nachfragen, ob VEG oder VEGAN-Option für Hauptgerichte verfügbar ist.
Boutique-Hotel Bali oder Thailand: das Paradies. Pflanzenbasierte Bowls als Standardfrühstück, Kokoswasser frisch, tropisches Obst en masse, Tempeh-Optionen, Tofu-Scrambles. Hier muss man eigentlich nichts mehr beachten.
Was tun, wenn du in einem Steakhouse landest
Ich war mit meinem ehemaligen Arbeitgeber in Brasilien unterwegs. Zwei Wochen. Oft sind wir als Gruppe im Steakhouse gelandet. Hier wurde es oft herausfordernd und ich hab mir anfangs viele Sprüche anhören müssen. Das Gute war, je öfter die Menschen, die dabei waren, gesehen haben, was ich leckeres bekomme, desto offner wurden sie, das selbe auch zu bestellen, anstelle von Fleisch.
Klassische Notfall-Strategien (alle in der Praxis getestet):
- Beilagen kombinieren: Pommes, gegrilltes Gemüse, Reis, Salat ohne Dressing (Dressing fast immer mit Honig oder Anchovis), Brot. Mit Olivenöl und Balsamico kannst du dir oft eine vollwertige Mahlzeit zusammenstellen.
- Salatschüssel improvisieren: großen Beilagen-Salat plus eine Portion Pommes plus eine Portion gebackene Süßkartoffel = sättigend, vegan, oft günstig.
- Pasta ohne Käse: in italienischen Restaurants funktioniert „Spaghetti Aglio e Olio” oder „Pasta Pomodoro ohne Käse” fast überall. Aber: Pasta selbst kann Ei enthalten – nachfragen.
- Beilagen-Hack im Pub oder Steakhouse: viele Pubs haben „Mash & Onion Gravy” – fragen, ob das Gravy vegan ist (in UK oft Vegetable Gravy, in DE oft Schweineschmalz-basiert).
- Last Resort: Pizza ohne Käse. Italienisch authentisch ist das die „Pizza Marinara” – nur Tomatensoße, Knoblauch, Oregano. Original-Variante aus Neapel, also nichts Komisches.
Wenn alles scheitert, gibt es die ehrliche Wahrheit: eine vegane Reise schließt einzelne nicht-veganfreundliche Restaurants ein. Vegan zu reisen heißt nicht, jedes einzelne Restaurant perfekt zu finden – es heißt, im Schnitt der Reise konsequent zu bleiben. Wer einmal Pommes als Hauptmahlzeit isst, hat trotzdem eine vegane Reise gemacht.
FAQs zu Vegan auf Reisen
Wie bestelle ich auf Englisch in einem Nicht-Englisch-sprechenden Restaurant vegan?
„No meat, no fish, no dairy, no eggs, no honey” ist die universelle Kurzform. Das verstehen über 90 Prozent aller Restaurants in touristischen Gebieten weltweit. Im Zweifel: Translator-App mit Vegan-Passport-Erklärung dazuzeigen.
Welche Länder sind für vegane Reisen 2026 schwierig?
Argentinien (Steakkultur), ländliches Frankreich (Butter überall), Russland (Vegan ist konzeptionell oft nicht erfasst), ländliches Italien außerhalb der Großstädte, China im Inland (Fleischbrühen in allem). Hier brauchst du Vegan Passport und Vorbereitung.
Wie esse ich auf einem 14-Stunden-Flug vegan?
VGML (Vegan Meal) mindestens 48 Stunden vor Abflug bei der Airline bestellen. Bei Lufthansa, Emirates, Qatar, Singapore Airlines und vielen anderen funktioniert das zuverlässig. Bei US-Billigflugen oder kurzfristigen Buchungen: eigene Snacks mitnehmen (Energieriegel, Trockenfrüchte, Nüsse).
Was nehme ich mit als Notfall-Snack im Handgepäck?
Energieriegel (Clif Bar, Naturalia, Proteinriegel), Trockenfrüchte, Studentenfutter, eine Banane für sofortigen Hunger. Bei Einreise in Australien, Neuseeland oder USA frisches Obst und Nüsse vor der Einreise entsorgen.
Wie finde ich vegan-freundliche Hotels und Pensionen?
Booking.com mit „vegan”-Filter ist unzuverlässig – nutze stattdessen HappyCow (hat oft Hotel-Hinweise), Spinach oder Tripadvisor-Suche nach „vegan friendly hotel” plus Stadtname, oder schreibe das Hotel direkt vor Buchung an und frage nach pflanzlichen Frühstücks-Optionen. 80 Prozent der Hotels reagieren positiv. Ansonsten kannst du dich auf vegane Abzeichen und Travel, sowie Hotel Awards verlassen.

Meine Erfahrungen nach über 20 Jahren Reiseerfahrung
Vegan zu reisen ist 2026 so easy möglich. Die Infrastruktur ist da, die Apps funktionieren, „vegan“ sich in fast jedem Tourismusland etabliert. Was sich verändert hat: es ist nicht mehr „vegan trotz Reise”, sondern „vegan beim Reisen gehört dazu und man entdeckt kulinarische Highlights”. Eine vegane Pho in Hanoi, ein vegan-fine-dining-Menü in Lissabon, ein Brunch in einem Bali-Café – das sind Reisemomente, die ohne pflanzenbasierte Bewegung der letzten 10 Jahre nicht möglich wären.
Wer noch zögert: nimm den nächsten Städtetrip nach Lissabon, Tel Aviv, Berlin oder Bangkok als Test. Du wirst überrascht sein, wie unangestrengt vegan reisen funktioniert – wenn du die Easy-Mode-Destinationen wählst und das Mini-Toolkit aus vier Apps, drei Sätzen und einem Beutel Notfall-Snacks dabei hast.
Und für alle, die ländliches Zentralasien planen: Vegan Passport, Trail-Mix, Sojadrink-Pulver. Und ein gutes Buch für den Bus.
Und: Achtung spoiler! In Kürze werden wir die ersten Vegan Hotel Awards und Plantbased Travel Awards vergeben für herausragende Hotels und Reiseanbieter, sowie Attraktionen. Hier könnt ihr euch zu 100% sicher sein, dass ihr hier auch richtig gute vegane Optionen und Qualität bekommt.
Schon den Plantbased-Podcast gehört?
Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.
Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.
Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem
Mitmachen, nicht nur mitlesen
Wir finanzieren uns über Affiliate-Empfehlungen und die Community. Schau auf unseren Community Deals vorbei für exklusive Rabattcodes bei sorgfältig ausgesuchten plant-based Partnern. Du zahlst nichts extra, wir können weiterschreiben. Fairer Deal.
Oder folg uns einfach hier:
Jeder Kaffee hilft uns, dranzubleiben. 🙏🏽💚
Unsere Partner, die die Mission mittragen: Vriends 🌱









