Kerstin Ott, Gast im Plantbased Podcast Lauren Toyota, Gast im Plantbased Podcast Hannes Jaenicke, Gast im Plantbased Podcast Maik Weichert, Gast im Plantbased Podcast Yannick Haldenwanger, Gast im Plantbased Podcast +22

Bisher 99 Folgen mit Menschen wie Kerstin Ott, Lauren Toyota oder Hannes Jaenicke

Alle Folgen hören →
Switch Language

Im Juni berichtete MDR INVESTIGATIV über mutmaßlich schwere Tierschutzverstöße in einer Ferkelaufzucht in Sachsen-Anhalt. Grundlage waren verdeckte Aufnahmen, die die Tierrechtsorganisation Team Tierschutz dem Sender zur Verfügung gestellt hatte. Jetzt hat die Organisation einen Film in Spielfilmlänge veröffentlicht, der den Fall aufarbeitet. Er dauert eine Stunde und 37 Minuten und wurde in den ersten Tagen über 200.000 Mal aufgerufen.

Samara Eckardt, die den Betrieb undercover betreten hat, spricht darüber ausführlich und noch einmal deutlich intensiver in der neuen Folge unseres Plantbased Podcasts, die diese Woche erscheint. Unser Gründer Yannick hat den Film außerdem in einem Reaction-Stream gesehen. Der Ausschnitt startet an der Stelle, an der es um die Aufnahmen aus dem Stall geht.

Der Fall in Kürze

Es geht um die Anlage der MADOMA GmbH in Köselitz (Landkreis Wittenberg) mit laut MDR 1.600 Zuchtsauen, 6.000 Ferkeln und 500 Mastschweinen. Die Aufnahmen stammen aus dem Zeitraum November 2025 bis Januar 2026, Ort und Zeitpunkt hat der MDR verifiziert. Team Tierschutz erstattete am 12. Mai 2026 Strafanzeige.

Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau ermittelt, Aktenzeichen 309 Js 13864/26. Der Betrieb weist zentrale Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Was der MDR im Juni berichtete

Weitwinkelaufnahme aus einem Schweinestall mit Kastenständen, eine Person ist unkenntlich gemacht
Eine Szene aus dem Film: Blick in die Anlage. Die abgebildete Person ist unkenntlich gemacht. Filmstill: Team Tierschutz

Die Rechercheure von MDR INVESTIGATIV ließen das Material von Jurist:innen und Veterinärmediziner:innen auswerten. Deren Einschätzung: Zahlreiche Szenen könnten strafrechtlich relevant sein, und die Vielzahl der Vorfälle spreche gegen Einzelfälle.

Konkret dokumentiert der MDR unter anderem Szenen, in denen ein Mitarbeiter sehr junge Ferkel an den Hinterbeinen hält und mit dem Kopf voran auf den Boden schlägt, teils mehrfach. Dazu Kastrationen, bei denen sich Tiere während des Eingriffs stark bewegen, Tritte und Schläge gegen Schweine, das Hochziehen liegender Sauen am Schwanz sowie Tiere mit offenen und eiternden Wunden.

Madeleine Martin, Landestierschutzbeauftragte von Hessen und ehemalige Amtstierärztin, bewertete die Aufnahmen im MDR-Interview deutlich:

„Wer das heute noch so macht wie gesehen, handelt aus Rohheit und ist aus meiner Sicht reif für den Staatsanwalt.”

Madeleine Martin gegenüber MDR INVESTIGATIV, Juni 2026

Was der Betrieb dazu sagt

Das gehört genauso in diesen Text. MADOMA hat sich gegenüber dem MDR geäußert und einen Teil der Vorwürfe zurückgewiesen.

Zum Umgang mit den Ferkeln räumte das Unternehmen ein, das dokumentierte Verhalten sei „durch eine Person” erfolgt und widerspreche den Anforderungen an die fachgerechte Ferkeltötung; man habe arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen. Zu den Kastrationen erklärte der Betrieb, Ferkel würden „fachgerecht narkotisiert”, die Einschätzung der Fachleute sehe man „als Unterstellung an”. Zu den Verletzungen teilte MADOMA mit, deren Zustand lasse sich anhand der Videos nicht beurteilen, die Tiere seien „vermutlich in Behandlung”.

Auch die Behörden fanden die gefilmten Zustände bei ihren Kontrollen vor Ort nicht bestätigt. Der Landkreis Wittenberg ordnete nach der Anzeige dennoch vorsorglich an, dass die Kastration männlicher Ferkel nur nach Überprüfung einer ausreichenden Narkosewirkung erfolgen darf.

Was der neue Film hinzufügt

Actioncam-Aufnahme aus dem Film, eine behandschuhte Hand bedient einen kleinen Monitor
Der Film zeigt auch, wie die Aufnahmen entstanden sind. Filmstill: Team Tierschutz
Samara Eckardt in Arbeitskleidung und Kopftuch in einem Umkleideraum während ihres Undercover-Einsatzes
Undercover als Praktikantin unter falschem Namen. Bild: Team Tierschutz

Nach Angaben von Team Tierschutz bringt der Film Details und Zusammenhänge zusammen, die bislang nicht öffentlich aufgearbeitet wurden. Zwei Fachfrauen ordnen die Vorgänge ein: die Tierärztin Dr. Marieheres Reincke aus veterinärmedizinischer Sicht und die Philosophin Dr. Friederike Schmitz mit Blick auf die ethischen und strukturellen Fragen hinter dem Begriff Tierwohl.

Für eine mögliche Folgeberichterstattung am interessantesten ist ein anderer Punkt: Nach der Veröffentlichung der ersten Berichte hat sich laut Team Tierschutz ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter des Betriebs gemeldet und zusätzliche Hinweise zu Zuständen und Abläufen übermittelt, die bislang nicht öffentlich bekannt waren. Diese Angaben liegen uns nicht vor, und sie sind bisher unabhängig nicht überprüft.

Warum der Fall über einen Betrieb hinausweist

Samara Eckardt steht vor einem Stallgebäude und spricht in die Kamera
Samara Eckardt vor der Anlage. Filmstill: Team Tierschutz

Über die einzelne Anlage hinaus relevant wird der Fall durch zwei Umstände, die beide aus der MDR-Recherche stammen.

Der Betrieb war von der Initiative Tierwohl zertifiziert. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe untersagte die ITW dem Unternehmen vorerst, seine Tiere mit dem Label zu vermarkten. Sprecher Patrick Klein sprach gegenüber dem MDR von massiven Verstößen und erklärte zugleich, eine tägliche Kontrolle jedes Betriebs sei nicht leistbar. Bei der eigenen Kontrolle unmittelbar nach den Vorwürfen seien die gezeigten Zustände nicht festgestellt worden.

Dazu kommt die Eigentümerseite: Der Betrieb gehört laut MDR der Familie Nyenhuis. Dorit Nyenhuis leitet im Landesbauernverband Sachsen-Anhalt den Fachausschuss Schwein und ist in den Lobbyregistern von Landtag und Bundestag gelistet. Verbandschef Olaf Feuerborn nannte die gezeigten Szenen gegenüber dem MDR „fragwürdig und zweifelhaft”, sie entsprächen „nicht der guten fachlichen Praxis”. Personelle Konsequenzen zog der Verband zunächst nicht.

Aufschlussreich ist auch ein Detail zur Aufsicht: Die erste Kontrolle des Veterinäramts in dieser Anlage fand laut MDR im September 2025 statt, angekündigt am Vortag. Beanstandet wurden geringfügige Punkte, etwa die Beleuchtung einiger Ställe.

Die Tiere in diesem Fall

Samara Eckardt steht in einem langen Betongang und hält ein Ferkel im Arm
Samara Eckardt von Team Tierschutz. Bild: Team Tierschutz

Über solche Fälle wird meist in der Sprache des Verfahrens gesprochen: Aktenzeichen, Kontrollen, Zertifikate, Beanstandungen. Das ist notwendig, und es verdeckt zugleich, worum es geht.

Dass Schweine Schmerz, Angst und Stress empfinden, ist keine Meinungsfrage. Artikel 13 des EU-Vertrags bezeichnet Tiere als fühlende Wesen, Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes verbietet es, ihnen ohne vernünftigen Grund Leiden zuzufügen. Schweine gelten als hochsozial und lernfähig, in Untersuchungen lösen sie Aufgaben, die man Hunden zutraut.

Allein in Deutschland wurden 2025 rund 44,9 Millionen Schweine geschlachtet. Selbst wenn sich am Ende jeder einzelne Vorwurf in diesem Verfahren als unbegründet erweisen sollte, bliebe die Frage, warum ein System, das Millionen Tiere hält, auf verdeckte Aufnahmen von Aktivistinnen angewiesen ist, damit überhaupt jemand hinsieht.

Samara Eckardt im Plantbased Podcast

Nahaufnahme von Samara Eckardt, die im Film sichtlich bewegt spricht
Was der Einsatz mit ihr gemacht hat, ist im Film und im Podcast Thema. Filmstill: Team Tierschutz
Cover der Plantbased-Podcast-Folge 102 mit Samara Eckardt, die ein Ferkel im Arm hält
Folge 102 erscheint diese Woche.

Wie es ist, monatelang unter falschem Namen in einem solchen Betrieb zu arbeiten, was das mit einem macht und warum sie trotzdem zurückgegangen ist: Darüber spricht Samara Eckardt ausführlich und noch einmal deutlich intensiver in Folge 102 unseres Plantbased Podcasts. Die Folge erscheint diese Woche.

Der Film in voller Länge

Samara Eckardt sitzt in einem Wohnzimmer und spricht im Interview für den Film
Filmstill: Team Tierschutz

„Unter Schweinen” läuft eine Stunde und 37 Minuten. Ein Klick auf das Vorschaubild startet den Player, vorher lädt nichts von YouTube. Eine Vorwarnung: Der Film enthält Aufnahmen, die schwer auszuhalten sind.

Transparenz und Quellen

Die Darstellung des Falls, die Zitate von Madeleine Martin, Patrick Klein und Olaf Feuerborn, die Stellungnahmen der MADOMA GmbH sowie die Angaben zu Tierzahlen, Kontrollen und Eigentumsverhältnissen stammen aus der Recherche von MDR INVESTIGATIV (Daniel Salpius, Albrecht Radon, Jana Merkel), veröffentlicht am 3. und 5. Juni 2026. Das Videomaterial lag dem MDR exklusiv vor und wurde von Team Tierschutz zur Verfügung gestellt.

Die Angaben zum neuen Film, zum Aktenzeichen 309 Js 13864/26, zu den beiden Expertinnen und zu dem weiteren ehemaligen Mitarbeiter stammen aus einer Mitteilung von Team Tierschutz an Redaktionen, die uns vorliegt. Diese Hinweise haben wir nicht unabhängig überprüft. Eine eigene Anfrage an die MADOMA GmbH oder die Staatsanwaltschaft haben wir für diesen Text nicht gestellt; die wiedergegebenen Stellungnahmen des Unternehmens stammen aus der MDR-Berichterstattung.

Es gilt die Unschuldsvermutung. Das Ermittlungsverfahren ist nicht abgeschlossen, ein Gericht hat über die Vorwürfe bisher nicht entschieden. Behördliche Kontrollen vor Ort haben die gefilmten Zustände nach Angaben des Landkreises nicht bestätigt.

Die Schlachtzahl für 2025 stammt vom Statistischen Bundesamt. Die Fotos und die Filmstills stellte uns Team Tierschutz zur Verfügung; wir nutzen sie im Rahmen der Berichterstattung über den Film. Die Vorschaubilder der Videos stammen von den jeweiligen YouTube-Kanälen. Auf Bildmaterial des MDR aus dem Film greifen wir bewusst nicht zurück.

Haeufige Fragen

FAQ - Das fragen andere

Was der MDR im Juni berichtete?
Eine Szene aus dem Film: Blick in die Anlage. Die abgebildete Person ist unkenntlich gemacht. Filmstill: Team Tierschutz Die Rechercheure von MDR INVESTIGATIV ließen das Material von Jurist:innen und Veterinärmediziner:innen auswerten. Deren Einschätzung: Zahlreiche Szenen könnten strafrechtlich relevant sein, und die Vielzahl der Vorfälle spreche gegen Einzelfälle.
Was der Betrieb dazu sagt?
Das gehört genauso in diesen Text. MADOMA hat sich gegenüber dem MDR geäußert und einen Teil der Vorwürfe zurückgewiesen. Zum Umgang mit den Ferkeln räumte das Unternehmen ein, das dokumentierte Verhalten sei „durch eine Person” erfolgt und widerspreche den Anforderungen an die fachgerechte Ferkeltötung; man habe arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen.
Was der neue Film hinzufügt?
Der Film zeigt auch, wie die Aufnahmen entstanden sind. Filmstill: Team Tierschutz Undercover als Praktikantin unter falschem Namen. Bild: Team Tierschutz Nach Angaben von Team Tierschutz bringt der Film Details und Zusammenhänge zusammen, die bislang nicht öffentlich aufgearbeitet wurden. Zwei Fachfrauen ordnen die Vorgänge ein: die Tierärztin Dr.
Warum der Fall über einen Betrieb hinausweist?
Samara Eckardt vor der Anlage. Filmstill: Team Tierschutz Über die einzelne Anlage hinaus relevant wird der Fall durch zwei Umstände, die beide aus der MDR-Recherche stammen. Der Betrieb war von der Initiative Tierwohl zertifiziert. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe untersagte die ITW dem Unternehmen vorerst, seine Tiere mit dem Label zu vermarkten.
Über 75.000 Menschen folgen This Is Vegan auf YouTube, Instagram und dem Sparradar Vegan Alarm.

Schon den Plantbased-Podcast gehört?

Veganismus, Tierschutz, Klima, Nachhaltigkeit, Artenschutz, alles, was uns gerade umtreibt, gibt es bei Plantbased, unserem Podcast. Wir reden mit Menschen, die etwas zu sagen haben und mit ihrem Leben zeigen, was geht. Auch als Videopodcast auf YouTube.

Schon zu Gast waren u. a. Sarah Connor, Hannes Jaenicke, Paul Watson, Patrik Baboumian, Bibi Heinicke, Atze Schröder, Kerstin Ott, Dr. Zoe Mayer, Maya Leinenbach und Femke Den Haas und viele weitere.

Seit 2019 · This Is Vegan · unabhängig, vegan, manchmal unbequem


Mitmachen, nicht nur mitlesen

Wir finanzieren uns über Affiliate-Empfehlungen und die Community. Schau auf unseren Community Deals vorbei für exklusive Rabattcodes bei sorgfältig ausgesuchten plant-based Partnern. Du zahlst nichts extra, wir können weiterschreiben. Fairer Deal.

Oder folg uns einfach hier:

In eigener Sache

Dieser Tierschutz-Journalismus ist gratis und werbearm, weil Leser:innen ihn tragen. Schon 3 € helfen – für die Tiere, für die Sache.

Jetzt spenden

Unsere Partner, die die Mission mittragen: Vriends 🌱

Please install and activate Powerkit plugin from Appearance → Install Plugins. And activate Opt-in Forms module.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter Mehr News