Nach 36 Jahren: Universal Orlando beendet seine Tiershow
Nach 36 Jahren ist Schluss. Am 2. November 2026 läuft im Universal Studios Florida in Orlando zum letzten Mal „Animal Actors On Location!”, eine der drei letzten Attraktionen, die es seit der Eröffnung des Parks 1990 gab. Danach schließt die Tiershow endgültig.

Das Wichtigste in Kürze
- Was: Universal Orlando beendet seine Tiershow „Animal Actors On Location!”
- Wann: letzte Vorstellung am 2. November 2026, danach dauerhafte Schließung
- Vorgeschichte: Die Schwesterpark-Show in Hollywood wurde bereits 2023 eingestellt
- Kampagne: PETA reklamiert den Erfolg für sich, Universal begründet die Schließung mit einem neuen Projekt
- Zulieferer: Birds & Animals Unlimited, gegen die eine PETA-Recherche schwere Vorwürfe erhebt
Was die Show war

Am 7. Juni 1990 eröffnete die Attraktion als „Animal Actors Stage”, 2001 wurde sie zu „Animal Planet Live”, seit 2006 hieß sie „Animal Actors On Location!”. Auf der Bühne führten Hunde, Vögel, Schweine und andere Tiere Kunststücke vor, dazwischen Filmclips und Publikumsinteraktionen. Die Tiere lebten im Park, einer lauten Umgebung mit ständigem Besucherverkehr.
Es war eine dieser Attraktionen, die viele Menschen mit ihrer Kindheit verbinden. Genau das macht solche Shows so wirksam: Sie normalisieren die Vorstellung, dass Tiere für unsere Unterhaltung Tricks vorführen, und zwar in einem Moment, in dem Kinder besonders empfänglich sind.
Was Universal sagt, und was nicht
Die offizielle Mitteilung ist knapp gehalten:
„Die Show ‚Animal Actors On Location!' im Universal Studios Florida wird am 2. November dauerhaft schließen, um Platz für ein neues Erlebnis zu machen. Die Show war seit der Eröffnung des Parks Teil von Universal Studios Florida, und wir sind dankbar für die unzähligen unvergesslichen Momente, die sie unseren Gästen über die Jahre beschert hat.”
Von Tieren, Tierschutz oder Kritik ist darin kein Wort zu lesen. Universal begründet die Schließung mit einem neuen Projekt, über das später informiert werde.
PETA wertet den Schritt dagegen als Erfolg der eigenen Kampagne. Beides lässt sich nicht auflösen: Dass jahrelanger öffentlicher Druck eine Rolle gespielt hat, ist plausibel, bestätigt hat es Universal nicht. Für die Tiere macht der Grund am Ende keinen Unterschied.
Der Zulieferer, über den kaum jemand spricht
Die Tiere für die Shows kamen über Jahrzehnte von Birds & Animals Unlimited (BAU), einem der größten Tiervermittler der US-Unterhaltungsindustrie.
PETA hat dort verdeckt zehn Monate lang recherchiert. Nach Darstellung der Organisation wurden kranke und verletzte Tiere nicht ausreichend tierärztlich versorgt, in engen und verschmutzten Gehegen gehalten und beim Training mit Futterentzug gefügig gemacht. Ein Mitarbeiter habe berichtet, dass Tauben, die für die Universal-Show gezüchtet wurden, getötet wurden, indem man ihnen bei Bewusstsein die Köpfe abriss. Eine von Milben befallene Taube sei gestorben, nachdem ein Vorgesetzter stundenlang nicht reagiert habe. Ein Schwein namens Lewis, das aus der Show genommen worden war, habe über eine Woche gehumpelt, bevor ein Tierarzt gerufen wurde.
Diese Schilderungen stammen von PETA. Belegt durch eine Behörde ist der Rahmen: Das US-Landwirtschaftsministerium hat BAU nach der Veröffentlichung wegen Verstößen gegen den Animal Welfare Act verwarnt. Eine dieser Verwarnungen betraf ein Schwein namens Punky, dessen Klauen nicht oft genug geschnitten wurden. Punky lebte im Universal Studios Hollywood nach PETA-Angaben auf Beton.
Ein langer Weg mit mehreren Etappen

Die Schließung kommt nicht aus dem Nichts. Sie ist der vorläufige Endpunkt einer Entwicklung über zwei Jahrzehnte.
2014 nahm Universal alle Primaten aus seinen Live-Shows, nach fünf Jahren Kampagnenarbeit. Bis dahin waren die Parks in Hollywood und Orlando die letzten Betriebe in den USA, die Orang-Utans und Schimpansen auf einer Bühne auftreten ließen.
2023 stellte Universal Studios Hollywood seine „Animal Actors”-Show ein.
2026 folgt nun Orlando.
Tiershows verschwinden, weltweit
Der Fall reiht sich in eine Serie ein, über die wir hier regelmäßig schreiben.
In den USA hat Illinois 2026 als jüngster Bundesstaat den Einsatz von Großkatzen, Primaten und Bären in Zirkussen und Wanderbetrieben verboten, aufbauend auf einem bereits bestehenden Verbot reisender Elefantennummern. Ähnliche Regeln gelten inzwischen in fast einem Dutzend weiterer Bundesstaaten. Mehrere Zirkusunternehmen haben ihre Elefantennummern aufgegeben.
International gilt dasselbe Muster. Indonesien hat das Elefantenreiten verboten, in Singapur endet die Delfinzucht im Resorts World Sentosa, und wie der Wildtiertourismus in Thailand funktioniert, haben wir am Beispiel der Tiger-Fotoangebote beschrieben.
Was all diese Fälle verbindet: Am Anfang stand jeweils ein Publikum, das nicht mehr mitmacht, erst danach kamen die Gesetze. Betriebe schließen solche Attraktionen, wenn sie merken, dass die Nachfrage kippt.
Warum das mehr ist als eine schöne Meldung
Tiere in Unterhaltungsshows sind ein Lehrstück darüber, wie Gewöhnung funktioniert.
Ein Hund, der auf Kommando über die Bühne rennt, sieht harmlos aus. Sichtbar ist die Vorführung, unsichtbar bleibt alles davor: die Zucht, das Training, die Unterbringung, der Umgang mit Tieren, die zu alt, zu krank oder zu eigensinnig für die Show werden. Genau in diesem unsichtbaren Teil setzen Recherchen wie die bei BAU an.
Dahinter steht eine grundsätzliche Frage. Ein Tier kann nicht zustimmen, auf einer Bühne zu stehen. Es kann nicht kündigen, nicht widersprechen und sich dem Lärm eines Freizeitparks nicht entziehen. Wer Tiere als empfindungsfähige Wesen mit eigenen Interessen ernst nimmt, kann eine Show, deren Zweck ihre Zurschaustellung ist, nicht rechtfertigen, egal wie gut die Haltung im Einzelfall sein mag.
Deshalb ist die Schließung mehr als ein Programmpunkt weniger. Sie nimmt künftigen Tiergenerationen diesen Weg von vornherein ab. Und sie verschiebt, was als normal gilt.
Was noch offen ist

Zwei Fragen bleiben.
Unklar ist, was mit den Tieren passiert, die derzeit in der Show eingesetzt werden. Universal hat sich dazu nicht geäußert. Die Antwort darauf entscheidet, ob aus der guten Nachricht eine ganz gute wird.
Und Universal hat nicht zugesagt, dass die Nachfolge-Attraktion ohne lebende Tiere auskommt. PETA fordert genau das. Solange diese Zusage fehlt, ist das Kapitel nicht abgeschlossen.
Für alle, die selbst etwas tun wollen, ist der wirksamste Hebel unspektakulär: Tiershows nicht besuchen. Kein Delfinarium, kein Zirkus mit Tieren, kein Foto mit dem sedierten Tiger, keine Elefantenrunde. Genau diese Entscheidungen sind es, die Betriebe irgendwann in Pressemitteilungen wie dieser verarbeiten.
Quellen und Einordnung
Die Schließung und das Zitat stammen aus der Mitteilung von Universal Orlando vom 2. September 2026, dokumentiert unter anderem bei Inside Universal. Wir haben das Zitat aus dem Englischen übersetzt. Zum Datum gibt es abweichende Angaben: Universal und die Fachpresse nennen den 2. November als letzte Vorstellung, PETA schreibt vom 3. November.
Die Vorwürfe gegen Birds & Animals Unlimited stammen aus einer verdeckten Recherche von PETA und sind als deren Darstellung gekennzeichnet. Uns liegen dazu keine unabhängigen Aufnahmen vor. Belegt ist, dass das US-Landwirtschaftsministerium das Unternehmen nach der Veröffentlichung wegen Verstößen gegen den Animal Welfare Act verwarnt hat. Eine Stellungnahme von Birds & Animals Unlimited liegt uns nicht vor.
Die Fotos stammen von Wikimedia Commons und stehen unter freien Lizenzen, die Urheber sind an jedem Bild genannt. Offizielle Pressefotos von Universal sind an eine Medienakkreditierung gebunden und lagen uns nicht vor.
FAQ - Das fragen andere
Was die Show war?
Was Universal sagt, und was nicht?
Warum das mehr ist als eine schöne Meldung?
Was noch offen ist?
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