Vegane BBQ-Saucen selbermachen: 7 Rezepte, die jede gekaufte Tube schlagen

Wenn du am Grill stehst und der Cousin der Cousine deine Patties mit einer 0815-Industrie-BBQ-Sauce ertränkt, ist das ungefähr so, als würdest du einen guten Wein mit Eiswürfeln strecken. Saucen sind das Detail, das ein BBQ vom „okay, war ganz schön” in den „wann gibt es das wieder”-Bereich katapultiert. Und vegan ist das überhaupt kein Problem, sobald du dich nicht mehr auf die Industrie verlässt.
Sieben Saucen, die in unserer Saison alle zum Standard geworden sind. Alle in 10 bis 20 Minuten gemacht, alle ohne Spezial-Equipment, alle für mindestens eine Woche im Kühlschrank haltbar. Wer den passenden veganen Grill-Guide noch nicht gelesen hat: hier ist er, der Rest dieses Artikels macht erst mit den Patties und Würstchen dort wirklich Sinn.
So haben wir das Rezept entwickelt
Drei Testbatches in der TIV-Redaktions-Küche Berlin, jeweils mit zwei bis drei Tester:innen. Die erste Version hatte einen typischen Anfänger-Fehler, die zweite optimierte die Knack-/Crunch-Komponente, die dritte ist die hier veröffentlichte Standard-Version. Zutaten regulär im Biomarkt gekauft, kein Sponsoring. Wer Variationen ausprobiert hat, schickt uns gerne Feedback auf Instagram.
Die vier Bausteine jeder Sauce
Bevor wir in die Rezepte gehen, das mentale Modell, das dir hilft, deine eigenen Variationen abzuleiten. Jede gute Sauce besteht aus vier Komponenten in Balance:
- Säure: Essig, Zitrone, Limette, Tomate, fermentierte Sachen. Bringt Frische und schneidet durch Fett.
- Süße: Ahornsirup, Dattelsirup, Zucker, Reissirup. Balanciert die Säure, gibt Tiefe.
- Würze: Salz plus Aromaten (Knoblauch, Zwiebel, Senf, Räucherpaprika, Sojasauce). Die Persönlichkeit der Sauce.
- Textur/Bindung: Öl emulgieren, Cashewmus pürieren, Tomatenmark als Body, Mayo-Basis aufschlagen. Macht den Unterschied zwischen „dünn” und „bleibt auf dem Burger”.
Sobald du die vier im Kopf hast, kannst du jede Sauce ableiten. Mehr Säure für Frische, mehr Süße für Karamellisierung am Grill, mehr Würze für Charakter, mehr Bindung für Standfestigkeit. Die folgenden sieben Rezepte sind ausbalancierte Ausgangspunkte, von denen du in alle Richtungen weiterdrehen kannst.

1. Klassische BBQ-Sauce (Tomate, Rauch, Süße)
Die Sauce, die du auswendig können solltest. Schmeckt rauchig, leicht süß, leicht säuerlich. Funktioniert mit allem von Patties über Würstchen bis Tofu-Spießen.
- 200 g Tomatenmark
- 100 ml Apfelessig
- 4 EL Ahornsirup oder Dattelsirup
- 2 EL Sojasauce
- 2 TL geräuchertes Paprikapulver
- 1 TL Knoblauchpulver
- 1 TL Senf (mittelscharf)
- 1/2 TL Salz
- 1 TL schwarzer Pfeffer
- 150 ml Wasser
Alles in einen kleinen Topf, aufkochen, dann auf niedrige Hitze und 10 Minuten köcheln, dabei mehrfach umrühren. Konsistenz prüfen: zu dick, mit Wasser strecken; zu dünn, noch 3-5 Minuten reduzieren. Heiß in ein sauberes Glas füllen, hält 2-3 Wochen im Kühlschrank.
Variation für mehr Bite: 1 TL Chipotle-Paste oder 1/2 TL Cayennepfeffer am Ende einrühren. Für eine Karamell-BBQ-Variante: 50 g braunen Zucker dazu, längere Reduktion (15 Min).
2. Vegane Aioli (Knoblauch, dicht, klassisch)
Aioli ist eigentlich nur Knoblauch und Öl, dann hat sich Mayonnaise dazwischen geschlichen. Beide Versionen sind machbar, hier die schnelle Mayo-basierte für die Saison.
- 150 g vegane Mayo (Bio-Vegan-Mayo von Just Mayonnaise oder Vivera)
- 3-4 Knoblauchzehen, gepresst
- 2 EL Zitronensaft (frisch)
- 1 EL Olivenöl (gutes, kaltgepresstes)
- Salz, weißer Pfeffer
Mit einer Gabel oder einem Schneebesen alles verrühren. Mindestens 15 Minuten ziehen lassen, damit der Knoblauch ankommt, besser 30 Minuten. Frisch ist Aioli ein bisschen scharf, nach einer Stunde wird sie weicher und runder.
Hardcore-Variante ohne Industrie-Mayo: 1 Knoblauchzehe in einem Mörser zu Brei zerstoßen, Salz dazu, dann unter langsamem Tropfen 200 ml Olivenöl einschlagen, bis es emulgiert. Klassisch, anspruchsvoll, lohnt sich wenn du Zeit hast und gute Knoblauchzehen.
3. Mojo Verde (Kräuter, scharf, Atlantik-Style)
Die kanarische Sauce, die jeden Maiskolben, jede Süßkartoffel und jeden Halloumi-Alternativ-Käse aufwertet. Wer sie einmal hatte, will sie immer wieder.
- 1 Bund Koriander (oder Petersilie, wer Koriander nicht mag)
- 1 grüne Chili (entkernt für mild, mit Kernen für scharf)
- 3 Knoblauchzehen
- 1 TL Kreuzkümmel (gemahlen)
- 1 TL Salz
- 3 EL Weißweinessig
- 120 ml gutes Olivenöl
- 1 EL Wasser
Alles außer Öl in einen Standmixer oder hohen Becher mit Stabmixer. Kurz pulsen, dann unter laufendem Mixer das Öl in dünnem Strahl einlaufen lassen, bis eine grüne, leicht emulgierte Sauce entsteht. Nicht zu lange mixen, sonst wird das Olivenöl bitter. Sofort verwendbar, hält 4-5 Tage im Kühlschrank.
4. Senf-Ahornsirup-Glaze (für Würstchen und Tofu)
Die simpelste Sauce mit dem höchsten „wow, was ist das?”-Faktor. Funktioniert vor allem als Glasur, die du in den letzten Minuten auf dem Grill aufpinselst und die karamellisiert.
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Jetzt kostenlos anmelden- 4 EL Dijon-Senf (mittelscharf)
- 4 EL Ahornsirup
- 1 EL Apfelessig
- 1 TL Sojasauce
- 1/2 TL Knoblauchpulver
- Pfeffer
Verrühren. Fertig. Mit einem Pinsel auf Würstchen, Tofu-Spieße oder Patties in den letzten 2 Minuten des Grillens auftragen, leicht braten lassen, sodass die Glasur karamellisiert. Hält im Kühlschrank 3 Wochen.
5. Burger-Sauce (Mayo, Ketchup, Pickles)
Die klassische Burger-Sauce-Logik, die ein Big-Mac-artiges Gefühl auf einem veganen Burger erzeugt. Sehr einfach, sehr verzeihend, sehr funktional.
- 100 g vegane Mayo
- 3 EL Ketchup
- 2 EL fein gehackte Cornichons oder saure Gurken
- 1 EL Pickle-Saft (aus dem Glas)
- 1 TL Senf
- 1/2 TL Paprikapulver edelsüß
- 1/2 TL Knoblauchpulver
- Pfeffer
Alles vermengen, 30 Minuten im Kühlschrank ziehen lassen. Schmeckt sofort gut, am nächsten Tag noch besser. Hält im Kühlschrank 5-7 Tage, sofern frische Mayo verwendet wurde.
TIV-Sauce-Basis-Stack
Das was du immer im Schrank haben solltest, um spontan jede der sieben Saucen anzugehen: Tomatenmark, Ahornsirup, Dijon-Senf, Apfelessig, geräuchertes Paprikapulver, Knoblauchpulver. Bei KoRo kriegst du das im Großgebinde zum besten Preis, vor allem die Gewürze und der Ahornsirup im 500-ml-Beutel. Für die vegane Mayo-Basis bringt Veganz die haltbarere Bio-Variante mit, die nicht nach drei Tagen kippt.
6. Cashew-Caesar (cremig, würzig, vielseitig)
Heißt Caesar, ist aber eher eine cremige Universal-Sauce, die auf gegrilltes Gemüse, in Bowls, auf Wraps und sogar als Dip funktioniert. Cashew-Basis macht sie eiweißreicher als die Mayo-Varianten.
- 100 g Cashewkerne (4 Stunden eingeweicht, abgegossen)
- 3 EL Hefeflocken
- 2 EL Zitronensaft
- 2 TL Dijon-Senf
- 2 EL Olivenöl
- 1 Knoblauchzehe
- 1 EL Kapern
- 1 TL Salz
- 120-150 ml Wasser (zum Anpassen der Konsistenz)
Alles in den Hochleistungsmixer, mit weniger Wasser starten und nach Bedarf hinzufügen, bis du eine glatte, cremige Sauce hast. Wenn du keinen leistungsstarken Mixer hast, die Cashews vorher länger einweichen (am besten über Nacht). Hält 5-6 Tage im Kühlschrank, separiert sich leicht, kurz aufrühren und weiter geht's.
7. Erdnuss-Sauce asiatisch (für Spieße, Tofu, Tempeh)
Wenn du Satay-Spieße oder gegrillten Tofu hast, ist diese Sauce der Wendepunkt. Reichhaltig, würzig, mit einer Süß-Säure-Balance, die nicht aufhört zu funktionieren.
- 4 EL Erdnussmus (unsweetened, am besten chunky)
- 2 EL Sojasauce
- 2 EL Limettensaft
- 2 EL Ahornsirup oder Reis-Sirup
- 1 TL Sesamöl
- 1 TL Chili-Sauce (Sriracha oder Sambal Oelek)
- 1 Knoblauchzehe gepresst
- 1 TL frisch geriebener Ingwer
- 50-80 ml warmes Wasser
Alle Zutaten außer Wasser verrühren, dann unter Rühren warmes Wasser zugeben, bis die Sauce die gewünschte Konsistenz hat. Mit Tempeh-Spießen und Reis ein vollwertiges Hauptgericht. Funktioniert auch gut mit dem BBQ-Tempeh-Burger als zusätzlicher Twist.
Aufbewahrung, Skalierung und Profi-Tipps
Drei Sachen, die deine Sauce-Game wirklich auf das nächste Level bringen:
- Glas-Behälter, nicht Plastik: Säurehaltige Saucen ziehen Plastik-Geschmack, vor allem die mit Essig oder Tomate. Einmachgläser mit gummiertem Deckel sind ideal, dazu spülst du sie nach dem Verbrauch heiß aus und nutzt sie nochmal.
- Im Voraus skalieren: Die meisten Saucen oben skalieren linear bis 4x. Wenn du grade einen Schwung Tomatenmark offen hast, lohnt es sich, gleich 4 Portionen BBQ-Sauce zu machen, die du in kleine Gläser portionierst und teilweise einfrierst.
- Einfrierbar oder nicht?: Tomaten- und ölbasierte Saucen frieren gut (BBQ, Mojo Verde, Erdnuss). Mayo-basierte Saucen NICHT einfrieren, sie trennen sich beim Auftauen und werden unappetitlich.
