Veganer Mitbringbrunch Berlin: 553 Menschen, ein Riesenbuffet und eine Debatte über die Szene
553 Menschen, ein Buffet aus lauter mitgebrachten Lieblingsgerichten und eine Fabrikhalle voller Picknickdecken: Am 5. September fand der größte vegane Mitbringbrunch in Berlin statt. Wir waren als Medienpartner dabei. Hier steht, wie der Tag lief, was das Panel über die vegane Szene zutage gefördert hat und warum die angepeilte Rekordmarke diesmal nicht fiel.
Quick-Answer: Wie lief der vegane Mitbringbrunch in Berlin?
Am 5. September 2026 kamen nach Angaben der Veranstalterin 553 Menschen ins Haus der Visionäre in Alt-Treptow, angemeldet waren rund 730. Jede Person brachte ein veganes Gericht mit, daraus wurde ein Buffet über mehrere Tafeln. Dazu gab es Morgen-Yoga, eine Live-Kochshow am Foodtruck, zwei DJs, Themen-Circles und ein Panel über den Zusammenhalt in der veganen Szene. Die Marke aus München (683 Personen im Februar) wurde damit nicht übertroffen. Veranstalterin ist die Genossenschaft Future Maps, This Is Vegan war Medienpartner. Der nächste Brunch ist angekündigt, ein Termin steht noch nicht fest.

553 statt 700: die Zahlen des Tages
Der Anspruch im Titel war groß. „Weltrekord 2.0” hieß die Veranstaltung, und um die eigene Bestmarke zu übertreffen, hätten mehr als 700 Menschen kommen müssen. Im Februar waren beim ersten Brunch dieser Art in München 683 Personen dabei.
In Berlin wurden es 553. Angemeldet hatten sich rund 730, ein Teil erschien nicht, was bei kostenlosen Anmeldungen der Normalfall ist. Veranstalterin Sophie Friedrich nennt die Zahl im Gespräch mit uns ohne Umschweife: „Wir waren ungefähr 550 Leute vor Ort, ich glaube, wir haben 553 gezählt.”
Einordnung dazu: Ein offiziell registrierter Weltrekord ist das Format ohnehin nicht, die Bestmarke stammt aus der eigenen Veranstaltungsreihe. Für einen Samstagvormittag, an dem jede Person mit einer vollen Auflaufform anreist, sind 553 trotzdem eine Hausnummer.

Was 553 Menschen auf ein Buffet stellen
Das Prinzip ist so simpel wie wirkungsvoll: Wer ein veganes Gericht mitbringt, zahlt keinen Eintritt. Wer nichts mitbringt, zahlt 20 Euro. Dazu die Bitte, genug für die eigene Gruppe und ein, zwei weitere Personen einzupacken, alles mit einem Schild zu versehen und eigenes Geschirr mitzubringen.
Herausgekommen sind mehrere Meter Tafel: Aufläufe, Salate, Currys, Kuchen, Zimtschnecken, belegte Brote, Gebäck in Backblechformat. Nichts davon kam von einem Caterer. Wer sich fragt, was man selbst zu so einem Buffet beisteuern könnte, findet in unseren Ideen fürs vegane Frühstück und bei den veganen Zimtschnecken Startpunkte, die auf Blechen gut funktionieren.

Yoga um halb zehn in der Fabrikhalle
Der Tag begann um neun mit Einlass, um halb zehn lagen die ersten Matten auf dem Hallenboden. Die Morgen-Yogastunde war für viele der erste Programmpunkt, noch bevor das Buffet um elf freigegeben wurde.
„Die Yoga-Stunde war ein großes Highlight. Hat den Leuten sehr gut gefallen, wir haben richtig gutes Feedback bekommen.”
Zwischen Yoga und Buffet blieb Zeit für das, was solche Formate eigentlich ausmacht: Menschen, die sich nicht kennen, sitzen nebeneinander auf dem Boden und kommen über das Essen ins Gespräch. An einer Wand hing eine gezeichnete Deutschlandkarte mit der Frage „Wo kommst du her?”. Am Ende des Tages war sie übersät mit Markierungen, viele davon weit außerhalb Berlins.


Das Panel: „Vegane Kräfte bündeln”
Um halb eins wurde es inhaltlich. Auf der Bühne saßen Simon von Future Maps, Kristina vom Team fitgreenmind, Alex von Vegamonie und Tobi vom Kanal derveganist, moderiert von Sophie Friedrich. Titel: „Vegane Kräfte bündeln und Perspektiven erlauben”.
Hinter fitgreenmind steht Maya Leinenbach, eine der reichweitenstärksten veganen Stimmen im deutschsprachigen Raum. Wir haben mit ihr über ihre Pläne und das Leben mit Social Media gesprochen und über das, was hinter ihrer Krankheit steckt.

Für die Veranstalterin war das der stärkste Moment des Tages:
„Das größte Highlight war die Panel-Diskussion zum Thema Let's Join Forces. Wie können wir gemeinsam an einem Strang ziehen, trotz verschiedener Perspektiven, oder gerade wegen verschiedener Perspektiven und Haltungen in der gleichen Szene, um wirklich einen Impact zu generieren?”
Die Frage ist in der veganen Community keine akademische. Zwischen Foodblogs, Aktivismus, Sparfüchsen, Satire-Accounts und Unternehmen liegen erhebliche Unterschiede in Ton und Methode, und die werden öffentlich auch ausgetragen. Das Panel drehte die Perspektive um.
„Jeder hat seine Berechtigung am Tisch. Es geht nicht darum, Fingerpointing zu betreiben, sondern jeden für die Arbeit zu honorieren, die er macht, und auch für die, die er vielleicht nicht machen möchte.”
„Insbesondere wenn verschiedene Perspektiven aufeinanderprallen, bekommt eine Szene Momentum. Weil wir so Innovationen vorantreiben und ganz verschiedene Zielgruppen erreichen können, über ganz verschiedene Kommunikationskanäle. Die meisten Perspektiven liegen gar nicht so weit auseinander. Es ist oft einfach nur eine unterschiedliche Art der Kommunikation.”
Dazu kam ein Punkt, der bei Ehrenamtlichen selten ausgesprochen wird: Geduld mit der Industrie zu haben, ohne die eigenen Ziele aufzugeben. Friedrich formuliert es so, dass man dankbar sein dürfe, wie viel aus einer Graswurzel-Initiative heraus bereits entstanden ist.

Foodtruck, zwei DJs und Themen-Circles
Parallel lief den ganzen Tag ein Programm, das den Brunch von einem reinen Essenstermin unterschied. Am Foodtruck im Hof gab es eine Live-Kochshow von Veganer Wandel zusammen mit The GreenMountain und REWE, drinnen und draußen legten zwei DJs auf: theironix im Hof, phonique in der Halle.
„Das Highlight war definitiv der Foodtruck und DJ draußen und drinnen, dazu die Themen-Circles mit der riesengroßen Picknick-Area in der Mitte.”
In den Themen-Circles konnten Initiativen, NGOs und Projekte sich vorstellen. Dazu kamen Stände von Marken zum Probieren, von Lekka über SirPlus und Nabio bis CHAMPS, sowie Goodie Bags für alle Gäste. SirPlus kennt das Prinzip Rekordversuch mit Essen übrigens selbst, die Lebensmittelretter haben in Berlin schon einen Weltrekord im Nudelretten aufgestellt.


Wer dahintersteckt: Future Maps
Organisiert wird der Brunch von Future Maps, einer Genossenschaft, die nicht gewinnorientiert arbeitet. Ihr Hauptprodukt ist eine kostenlose App, die vegane und vegan-freundliche Restaurants und Cafés anzeigt. Den Brunch stemmen die Mitglieder ehrenamtlich, neben Job und Alltag.
Das erklärt auch den Charakter der Veranstaltung: eine Halle, in der die Gäste das Programm selbst mitbringen, statt einer Bühnenshow mit Ticketpreis. Wer in Berlin darüber hinaus essen gehen will, findet Adressen in unserem Guide zu den besten veganen Restaurants in Berlin.
Was wir mitnehmen
Die Rekordmarke ist nicht gefallen, und das ist die weniger interessante Nachricht des Tages. Interessanter ist, dass 553 Menschen an einem Samstagvormittag mit vollen Händen in eine Halle in Alt-Treptow kommen, sich auf den Boden setzen und ihr Essen mit Fremden teilen. Ohne Catering, ohne Eintritt, ohne Programmzwang.
Und die Debatte auf der Bühne trifft einen wunden Punkt: Eine Szene, die sich intern über die richtige Tonlage streitet, verliert Energie, die nach außen fehlt. Dass ausgerechnet bei einem Brunch darüber gesprochen wurde, während unten 553 Leute nebeneinander auf Decken saßen, war die passendere Kulisse als jedes Panel in einem Konferenzraum.
Ein nächster Termin ist angekündigt, steht aber noch nicht fest. Sobald er da ist, findest du ihn in unserem Eintrag im TIV-Eventkalender.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen waren beim veganen Mitbringbrunch in Berlin?
Nach Angaben der Veranstalterin waren 553 Menschen vor Ort, angemeldet hatten sich rund 730. Die Bestmarke aus München mit 683 Personen wurde damit nicht übertroffen.
Was kostet der Eintritt?
Nichts, wenn du ein veganes Gericht für das Buffet mitbringst, genug für dich und ein bis zwei weitere Personen. Ohne mitgebrachtes Essen kostet der Eintritt 20 Euro.
Muss ich vegan leben, um mitzumachen?
Nein. Willkommen sind alle, denen weniger Tierprodukte ein Anliegen sind. Mitgebrachte Gerichte müssen allerdings vegan sein.
Was muss ich mitbringen?
Ein veganes Gericht mit einem Schild, auf dem Zutaten, Allergene und die Zubereitungszeit stehen, dazu eigenes Geschirr und eine Picknickdecke.
Wann ist der nächste vegane Mitbringbrunch?
Ein weiterer Brunch ist angekündigt, ein Termin stand zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht fest. Future Maps kündigt neue Termine über die eigenen Kanäle an.
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Transparenzhinweis: This Is Vegan war Medienpartner des veganen Mitbringbrunchs. Es ist kein Geld geflossen. Teilnehmerzahlen und Zitate stammen von Veranstalterin Sophie Friedrich, die Programmangaben von der offiziellen Eventseite. Fotos: Future Maps.
FAQ - Das fragen andere
Was 553 Menschen auf ein Buffet stellen?
Wer dahintersteckt: Future Maps?
Was wir mitnehmen?
Wie viele Menschen waren beim veganen Mitbringbrunch in Berlin?
Was kostet der Eintritt?
Muss ich vegan leben, um mitzumachen?
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