Es war ein Bild, das hängen bleibt: Paletten bis unter die Decke, eine Schlange bis auf die Straße, und mittendrin 75.000 vegane Schnitzel, die teilweise rund ein Jahr über dem Mindesthaltbarkeitsdatum lagen. Nicht schlecht. Nicht ungenießbar. Nur laut Papier nicht mehr verkäuflich.
Update 27. September 2026: Weltrekord geschafft! SIRPLUS hat am Holzmarkt 601.778 Packungen Nudeln gerettet, insgesamt 645.589 Lebensmittel, mit 6.423 Menschen und mehr als 300 Freiwilligen. 278.400 Nudelpackungen gehen als Spende an Tafeln, die Arche und weitere Vereine. Alle Zahlen und eine große Bildergalerie: Weltrekord geschafft: SIRPLUS rettet 601.778 Packungen Nudeln.
Wir waren im August 2025 als Medienpartner dabei. Jetzt geht es in die zweite Runde, und diesmal sind Nudeln dran.
Aktualisiert am 25. September 2026: Die 2.000 Goodie-Bags sind vergeben, anmelden kannst du dich in der SIRPLUS-App trotzdem noch. SIRPLUS spricht inzwischen von über 500.000 Nudelpackungen innerhalb von 48 Stunden. Wie du kurzfristig noch dabei bist, steht in unserem neuen Artikel: Über 2.700 Anmeldungen für den Nudel-Weltrekord.

Die Schlange reichte bis auf die Straße. Foto: Alexis Papageorgiou
Inhalt9 Kapitel
- 01Was im August 2025 in der Malzfabrik passiert ist
- 02Warum das für uns besonders bitter ist
- 03Der nächste Versuch: 26. September 2026 am Holzmarkt
- 04Zero Waste for Zero Hunger
- 05Warum SIRPLUS auf einen Weltrekord setzt
- 06Die angekündigte Petition
- 07Der Mann dahinter
- 08Wie du dabei sein kannst
- 09Häufige Fragen
Was im August 2025 in der Malzfabrik passiert ist
Am 19. August 2025 kamen in der Berliner Malzfabrik in Schöneberg mehr als 3.000 Menschen zusammen. An einem einzigen Tag wurden 187.076 Lebensmittel vor der Vernichtung gerettet, darunter die 75.000 veganen Schnitzel.
Bemerkenswert ist die Differenz zur Ankündigung: Geplant waren 15.000 Schnitzel und rund 100.000 weitere Produkte. Am Ende wurde deutlich mehr gerettet. Im Einsatz waren über 70 Freiwillige und 30 Partnerunternehmen.
Was als Rekordversuch begann, war vor allem eine öffentliche Beweisführung: Der größte Teil dessen, was in Deutschland weggeworfen wird, ist einwandfrei. Alle Produkte waren vorab im Labor auf Verzehrfähigkeit geprüft.
Wie wir das damals angekündigt und begleitet haben, steht in unserem Artikel Guinness-Weltrekord in Berlin: So haben wir vegane Schnitzel vor dem Müll gerettet.

Der Aufruf zum Rekordversuch an der Malzfabrik in Berlin-Schöneberg. Foto: Alexis Papageorgiou
Warum das für uns besonders bitter ist
Für eine vegane Leserschaft hat der Fall einen zusätzlichen Stachel.
Pflanzliche Alternativprodukte werden mit erheblichem Aufwand entwickelt und hergestellt, sie werden gern als Zukunft der Ernährung gefeiert, und dann landen sie containerweise in der Verwertung, weil ein aufgedrucktes Datum überschritten ist.
Dabei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Verfallsdatum. Es ist eine Garantie des Herstellers, dass Geschmack, Farbe und Konsistenz bis dahin unverändert bleiben. Nach diesem Datum endet die Garantie des Herstellers. Über die Genießbarkeit sagt das nichts. Der Unterschied zum Verbrauchsdatum, das es bei leicht verderblichen Lebensmitteln gibt, ist erheblich, wird im Alltag aber ständig verwechselt.
Der nächste Versuch: 26. September 2026 am Holzmarkt
Am 26. September 2026 startet der nächste Rekordversuch, wieder in Berlin.
Die Fakten zum Event
- Was: Weltrekordversuch im Nudelretten
- Wann: 26. September 2026, 11 bis 21 Uhr
- Wo: Holzmarkt, Berlin, direkt an der Spree
- Ziel: über 500.000 Nudelpackungen innerhalb von 48 Stunden, größtenteils vegan
- Eintritt: kostenlos. Goodie-Bag im Wert von über 70 Euro, die 2.000 Stück sind vergeben (Warteliste)
- Anmeldung: ausschließlich über die SIRPLUS-App
Das Ziel ist seit unserer ersten Meldung deutlich gewachsen: Angekündigt waren zunächst rund 200.000 Produkte, inzwischen spricht SIRPLUS auf der Eventseite von über 500.000 Nudelpackungen innerhalb von 48 Stunden (anfangs hieß es 24 Stunden), gemeinsam mit dem Nudelhersteller ratzfatz. Im Zentrum stehen gefrorene Nudelgerichte für Kinder. Der Grund, warum sie überhaupt zur Rettung anstehen, ist aufschlussreich: Der Einzelhandel hat sie bereits Monate vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr abgenommen, weil die Restlaufzeit für die eigenen Einkaufsregeln zu kurz war.
Es ging also nie darum, dass etwas verdorben wäre. Es ging um eine Handelslogik.
Und gefrorene Ware macht die Absurdität besonders greifbar: Bei minus 18 bis minus 21 Grad steht der mikrobiologische Verderb praktisch still. Ein Datum auf der Packung ändert daran nichts.
Wichtig für die Anmeldung: Die läuft inzwischen ausschließlich über die SIRPLUS-App, nicht mehr über ein Formular auf der Website. Dort bekommst du auch dein Ticket für die Abholung am Eventtag. Alle Infos stehen auf weltrekord.sirplus.de.
Die Goodie-Bags waren auf 2.000 Stück limitiert und sind laut Eventseite inzwischen alle vergeben. Wer sich jetzt noch anmeldet, kommt auf eine Warteliste. So klappt die Anmeldung in letzter Minute. Im Beutel stecken laut SIRPLUS unter anderem zehn Packungen ratzfatz-Nudeln, dazu gerettete Lebensmittel der Partner, größtenteils vegan.
Und noch eine Mechanik ist dazugekommen: Jede Anmeldung finanziert eine Schulmahlzeit über Mary’s Meals. Wer drei Leute einlädt, bekommt ein Premium-Goodie-Bag.

Über 70 Freiwillige und 30 Partnerunternehmen waren im Einsatz. Foto: Alexis Papageorgiou
Zero Waste for Zero Hunger
Der Leitsatz von SIRPLUS verbindet zwei Probleme, die selten zusammen gedacht werden: Überfluss hier, Mangel dort.
Über eine Partnerschaft mit Mary’s Meals finanziert jede Bestellung im SIRPLUS-Onlineshop zwei Schulmahlzeiten für Kinder im globalen Süden. Gerettetes Essen wirkt damit doppelt: Es verhindert Verschwendung und ermöglicht Schulbesuche. Für viele Kinder ist die Mahlzeit der eigentliche Grund, überhaupt in die Schule zu kommen.
Dazu passt, dass beim Rekordversuch 2026 Nudelgerichte für Kinder im Mittelpunkt stehen.
Warum SIRPLUS auf einen Weltrekord setzt
In Deutschland landen jedes Jahr rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das ist eine Größe, die im Kopf nichts auslöst. Greifbarer wird es pro Person: Jede und jeder wirft im Schnitt 74,5 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg.
Und noch ein Punkt gehört dazu, auch wenn er dem Event-Narrativ widerspricht: Der mit Abstand größte Anteil der Abfälle entsteht in privaten Haushalten, nämlich 58 Prozent. Der Handel macht 7 Prozent aus. Ein Rekordversuch in Berlin löst das Problem also nicht. Er macht es sichtbar, und er macht die Erfahrung möglich, dass gerettetes Essen völlig normales Essen ist. Der größere Hebel liegt danach im eigenen Kühlschrank.
75.000 Schnitzel, die man sehen, anfassen und mit nach Hause tragen kann, lösen etwas aus, was eine Statistik nicht schafft. Genau dafür ist so ein Rekord da.
Die angekündigte Petition
SIRPLUS will außerdem eine Petition starten, mit der die Mehrwertsteuer auf Pflanzendrinks von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden soll. Ursprünglich war der Start für den Tag des Rekordversuchs angekündigt. Auf der Eventseite heißt es inzwischen nur noch, der Petitionslink folge „in Kürze“. Einen Termin nennt SIRPLUS dort nicht mehr.
Das ist kein Nebenschauplatz. Auf Hafer-, Soja- und Mandeldrink fallen bislang 19 Prozent an, auf Kuhmilch nur der ermäßigte Satz von 7 Prozent. Wie stark das durchschlägt, zeigt der aktuelle Marktreport des Good Food Institute: Bei gleicher Besteuerung läge pflanzliche Milch preislich etwa gleichauf mit tierischer. Die Zahlen dazu haben wir hier aufgeschrieben: Deutschland führt Europas Markt für pflanzliche Lebensmittel an.

Eintritt kostenlos, alles vegan, alles gerettet. Foto: Alexis Papageorgiou
Der Mann dahinter
Raphael Fellmer ist Mitgründer und CEO von SIRPLUS. 2012 baute er die foodsharing-Bewegung mit auf, lebte fünf Jahre im Geldstreik und eröffnete 2017 den ersten Rettermarkt in Berlin. SIRPLUS hat seither über 6 Millionen Kilogramm Lebensmittel gerettet und eine Million Mahlzeiten für Menschen in Not ermöglicht.
Wir haben ihn für unseren Podcast getroffen. Das ganze Gespräch gibt es hier:
Wie er bei „The Green Deal Show” für seine Idee geworben hat, haben wir ebenfalls begleitet: SIRPLUS bei „The Green Deal Show”.
Wir haben den Rekordversuch auf Instagram aufbereitet, mit allen Eckdaten zum Durchblättern:
Einmal Weltrekord al dente, bitte.
Unser Karussell zum Weltrekord im Nudelretten, auf Instagram.
Wie du dabei sein kannst
Mitretten. Die kostenlose Anmeldung für den 26. September läuft über die SIRPLUS-App, alle Infos dazu auf weltrekord.sirplus.de. Solange der Vorrat reicht, ist ein Goodie-Bag dabei.
Mit anpacken. Für den Eventtag sucht SIRPLUS noch Köchinnen, Köche und Freiwillige, am Nudeltopf, beim Retten und an der Ausgabe. Kontakt: weltrekord@sirplus.de.
Weitersagen. Der Hashtag zur Aktion ist #nudelretten.
Als Unternehmen unterstützen. Für Sponsoring gibt es Optionen direkt bei SIRPLUS, Kontakt über die Event-Seite.
Und im Alltag mitmachen. Im SIRPLUS-Onlineshop gibt es gerettete Lebensmittel, vieles davon vegan, und jede Bestellung finanziert zwei Schulmahlzeiten. Mit unserem Link bekommst du 20 Prozent Rabatt auf alles: zum SIRPLUS-Shop * mit dem Code thisisvegan.
Häufige Fragen
Wann und wo findet der Weltrekordversuch 2026 statt?
Am 26. September 2026 von 11 bis 21 Uhr am Holzmarkt in Berlin. Der Eintritt ist kostenlos, die Anmeldung läuft ausschließlich über die SIRPLUS-App. Alle Infos stehen auf weltrekord.sirplus.de.
Was wurde 2025 gerettet?
Am 19. August 2025 wurden in der Berliner Malzfabrik 187.076 Lebensmittel vor der Vernichtung gerettet, darunter 75.000 vegane Schnitzel. Über 3.000 Menschen waren vor Ort.
Sind abgelaufene Lebensmittel noch essbar?
In sehr vielen Fällen ja. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Herstellergarantie für unveränderte Qualität, keine Angabe zur Verderblichkeit. Bei den Rekordaktionen wurden die Produkte zusätzlich im Labor geprüft.
Wie viele Nudeln sollen gerettet werden?
SIRPLUS nennt auf der Eventseite über 500.000 Nudelpackungen innerhalb von 48 Stunden, größtenteils vegan. Anfangs war von 24 Stunden die Rede. In der ersten Ankündigung waren es noch rund 200.000 Produkte.
Warum gerade Tiefkühlware?
Weil bei minus 18 bis minus 21 Grad der mikrobiologische Verderb praktisch stillsteht. Die 40.000 Packungen wurden vom Handel schon Monate vor Ablauf des MHD nicht mehr abgenommen, weil die Restlaufzeit zu kurz war.
Wie viele Lebensmittel landen in Deutschland im Müll?
Rund 10,9 Millionen Tonnen pro Jahr, das entspricht etwa 74,5 Kilogramm pro Kopf. Der größte Anteil entsteht mit 58 Prozent in privaten Haushalten.
Gibt es einen Rabatt für den SIRPLUS-Shop?
Ja, mit dem Code thisisvegan gibt es 20 Prozent auf alles.
Transparenzhinweis: This Is Vegan ist Medienpartner des Weltrekordversuchs. Dieser Artikel enthält außerdem Affiliate-Links, mit einem Stern markiert. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.
Quellen: Angaben von SIRPLUS zum Weltrekordversuch 2026 sowie zur Aktion vom 19. August 2025. Zahlen zu Lebensmittelabfällen nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung und des Umweltbundesamts, Berichtsjahr 2023 beziehungsweise 2022 für die Sektorverteilung. Fotos vom Rekordversuch 2025: Alexis Papageorgiou, zur Verfügung gestellt von SIRPLUS.
Du willst unsere Meldungen in den Google-Top-Stories weiter oben sehen? Füge This Is Vegan bei Google als bevorzugte Quelle hinzu.

