75.000 Schnitzel waren der Anfang: SIRPLUS geht wieder auf Rekordjagd
Transparenzhinweis: This Is Vegan ist Medienpartner des Weltrekordversuchs. Dieser Artikel enthält außerdem Affiliate-Links, mit einem Stern markiert. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.
Es war ein Bild, das hängen bleibt: Paletten bis unter die Decke, eine Schlange bis auf die Straße, und mittendrin 75.000 vegane Schnitzel, die teilweise rund ein Jahr über dem Mindesthaltbarkeitsdatum lagen. Nicht schlecht. Nicht ungenießbar. Nur laut Papier nicht mehr verkäuflich.
Wir waren im August 2025 als Medienpartner dabei. Jetzt geht es in die zweite Runde, und diesmal sind Nudeln dran.
Die Schlange reichte bis auf die Straße. Foto: Alexis Papageorgiou
Was im August 2025 in der Malzfabrik passiert ist
Am 19. August 2025 kamen in der Berliner Malzfabrik in Schöneberg mehr als 3.000 Menschen zusammen. An einem einzigen Tag wurden 187.076 Lebensmittel vor der Vernichtung gerettet, darunter die 75.000 veganen Schnitzel.
Bemerkenswert ist die Differenz zur Ankündigung: Geplant waren 15.000 Schnitzel und rund 100.000 weitere Produkte. Am Ende wurde deutlich mehr gerettet. Im Einsatz waren über 70 Freiwillige und 30 Partnerunternehmen.
Was als Rekordversuch begann, war vor allem eine öffentliche Beweisführung: Der größte Teil dessen, was in Deutschland weggeworfen wird, ist einwandfrei. Alle Produkte waren vorab im Labor auf Verzehrfähigkeit geprüft.
Wie wir das damals angekündigt und begleitet haben, steht in unserem Artikel Guinness-Weltrekord in Berlin: So haben wir vegane Schnitzel vor dem Müll gerettet.
Der Aufruf zum Rekordversuch an der Malzfabrik in Berlin-Schöneberg. Foto: Alexis Papageorgiou
Warum das für uns besonders bitter ist
Für eine vegane Leserschaft hat der Fall einen zusätzlichen Stachel.
Pflanzliche Alternativprodukte werden mit erheblichem Aufwand entwickelt und hergestellt, sie werden gern als Zukunft der Ernährung gefeiert, und dann landen sie containerweise in der Verwertung, weil ein aufgedrucktes Datum überschritten ist.
Dabei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Verfallsdatum. Es ist eine Garantie des Herstellers, dass Geschmack, Farbe und Konsistenz bis dahin unverändert bleiben. Danach ist ein Produkt nicht schlecht, es ist nur nicht mehr garantiert. Der Unterschied zum Verbrauchsdatum, das es bei leicht verderblichen Lebensmitteln gibt, ist erheblich, wird im Alltag aber ständig verwechselt.
Der nächste Versuch: 26. September 2026 am Holzmarkt
Am 26. September 2026 startet der nächste Rekordversuch, wieder in Berlin.
Die Fakten zum Event
- Was: Weltrekordversuch im Nudelretten
- Wann: 26. September 2026
- Wo: Holzmarkt, Berlin
- Ziel: über 200.000 Produkte retten, darunter 40.000 Packungen Nudelgerichte
- Eintritt: kostenlos, inklusive Goodie-Bag im Wert von rund 70 Euro
Im Zentrum stehen diesmal 40.000 Packungen gefrorene Nudelgerichte für Kinder. Der Grund, warum sie überhaupt zur Rettung anstehen, ist aufschlussreich: Der Einzelhandel hat sie bereits Monate vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr abgenommen, weil die Restlaufzeit für die eigenen Einkaufsregeln zu kurz war.
Es ging also nie darum, dass etwas verdorben wäre. Es ging um eine Handelslogik.
Und gefrorene Ware macht die Absurdität besonders greifbar: Bei minus 18 bis minus 21 Grad steht der mikrobiologische Verderb praktisch still. Ein Datum auf der Packung ändert daran nichts.
Tickets und Goodie-Bag gibt es kostenlos unter weltrekord.sirplus.de.
Regal-Funde direkt aufs Handy
Neue vegane Produkte, Deals und Regal-Alarm aus dem Supermarkt, kostenlos per WhatsApp.
Jetzt kostenlos anmeldenÜber 70 Freiwillige und 30 Partnerunternehmen waren im Einsatz. Foto: Alexis Papageorgiou
Zero Waste for Zero Hunger
Der Leitsatz von SIRPLUS verbindet zwei Probleme, die selten zusammen gedacht werden: Überfluss hier, Mangel dort.
Über eine Partnerschaft mit Mary’s Meals finanziert jede Bestellung im SIRPLUS-Onlineshop zwei Schulmahlzeiten für Kinder im globalen Süden. Gerettetes Essen wirkt damit doppelt: Es verhindert Verschwendung und ermöglicht Schulbesuche. Für viele Kinder ist die Mahlzeit der eigentliche Grund, überhaupt in die Schule zu kommen.
Dass ausgerechnet Kindermahlzeiten im Mittelpunkt des Rekordversuchs 2026 stehen, ist vor diesem Hintergrund kein Zufall.
Warum ein Weltrekord und keine Pressemitteilung
Weil Zahlen allein niemanden bewegen.
In Deutschland landen jedes Jahr rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das ist eine Größe, die im Kopf nichts auslöst. Greifbarer wird es pro Person: Jede und jeder wirft im Schnitt 74,5 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg.
Und noch ein Punkt gehört dazu, auch wenn er dem Event-Narrativ widerspricht: Der mit Abstand größte Anteil der Abfälle entsteht nicht im Handel, sondern in privaten Haushalten, nämlich 58 Prozent. Der Handel macht 7 Prozent aus. Ein Rekordversuch in Berlin löst das Problem also nicht. Er macht es sichtbar, und er macht die Erfahrung möglich, dass gerettetes Essen völlig normales Essen ist. Der größere Hebel liegt danach im eigenen Kühlschrank.
75.000 Schnitzel, die man sehen, anfassen und mit nach Hause tragen kann, lösen etwas aus, was eine Statistik nicht schafft. Genau dafür ist so ein Rekord da.
Die Petition, die am selben Tag startet
Am Tag des Rekordversuchs will SIRPLUS außerdem eine Bundestagspetition starten, mit der die Mehrwertsteuer auf Pflanzendrinks von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden soll.
Das ist kein Nebenschauplatz. Auf Hafer-, Soja- und Mandeldrink fallen bislang 19 Prozent an, auf Kuhmilch nur der ermäßigte Satz von 7 Prozent. Wie stark das durchschlägt, zeigt der aktuelle Marktreport des Good Food Institute: Bei gleicher Besteuerung läge pflanzliche Milch preislich etwa gleichauf mit tierischer. Die Zahlen dazu haben wir hier aufgeschrieben: Deutschland führt Europas Markt für pflanzliche Lebensmittel an.
Eintritt kostenlos, alles vegan, alles gerettet. Foto: Alexis Papageorgiou
Der Mann dahinter
Raphael Fellmer ist Mitgründer und CEO von SIRPLUS. 2012 baute er die foodsharing-Bewegung mit auf, lebte fünf Jahre im Geldstreik und eröffnete 2017 den ersten Rettermarkt in Berlin. SIRPLUS hat seither über 6 Millionen Kilogramm Lebensmittel gerettet und eine Million Mahlzeiten für Menschen in Not ermöglicht.
Wir haben ihn für unseren Podcast getroffen. Das ganze Gespräch gibt es hier:
Wie er bei „The Green Deal Show” für seine Idee geworben hat, haben wir ebenfalls begleitet: SIRPLUS bei „The Green Deal Show”.
Wie du dabei sein kannst
Mitretten. Kostenlose Anmeldung für den 26. September unter weltrekord.sirplus.de, inklusive Goodie-Bag.
Weitersagen. Der Hashtag zur Aktion ist #nudelretten.
Als Unternehmen unterstützen. Für Sponsoring gibt es Optionen direkt bei SIRPLUS, Kontakt über die Event-Seite.
Und im Alltag mitmachen. Im SIRPLUS-Onlineshop gibt es gerettete Lebensmittel, vieles davon vegan, und jede Bestellung finanziert zwei Schulmahlzeiten. Mit unserem Link bekommst du 30 Prozent Rabatt auf alles: zum SIRPLUS-Shop * mit dem Code thisisvegan.
Häufige Fragen
Wann und wo findet der Weltrekordversuch 2026 statt?
Am 26. September 2026 am Holzmarkt in Berlin. Der Eintritt ist kostenlos, Anmeldung über weltrekord.sirplus.de.
Was wurde 2025 gerettet?
Am 19. August 2025 wurden in der Berliner Malzfabrik 187.076 Lebensmittel vor der Vernichtung gerettet, darunter 75.000 vegane Schnitzel. Über 3.000 Menschen waren vor Ort.
Sind abgelaufene Lebensmittel noch essbar?
In sehr vielen Fällen ja. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum, sondern eine Herstellergarantie für unveränderte Qualität. Bei den Rekordaktionen wurden die Produkte zusätzlich im Labor geprüft.
Warum gerade Tiefkühlware?
Weil bei minus 18 bis minus 21 Grad der mikrobiologische Verderb praktisch stillsteht. Die 40.000 Packungen wurden vom Handel schon Monate vor Ablauf des MHD nicht mehr abgenommen, weil die Restlaufzeit zu kurz war.
Wie viele Lebensmittel landen in Deutschland im Müll?
Rund 10,9 Millionen Tonnen pro Jahr, das entspricht etwa 74,5 Kilogramm pro Kopf. Der größte Anteil entsteht mit 58 Prozent in privaten Haushalten.
Gibt es einen Rabatt für den SIRPLUS-Shop?
Ja, mit dem Code thisisvegan gibt es 30 Prozent auf alles.
Quellen: Angaben von SIRPLUS zum Weltrekordversuch 2026 sowie zur Aktion vom 19. August 2025. Zahlen zu Lebensmittelabfällen nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung und des Umweltbundesamts, Berichtsjahr 2023 beziehungsweise 2022 für die Sektorverteilung. Fotos vom Rekordversuch 2025: Alexis Papageorgiou, zur Verfügung gestellt von SIRPLUS.
FAQ - Das fragen andere
Was im August 2025 in der Malzfabrik passiert ist?
Warum das für uns besonders bitter ist?
Warum ein Weltrekord und keine Pressemitteilung?
Wie du dabei sein kannst?
Wann und wo findet der Weltrekordversuch 2026 statt?
Was wurde 2025 gerettet?
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