Bring Me The Horizon: Dehumanized: Warum der neue Song so verdächtig nach Schlachthaus klingt

Bring Me The Horizon haben mit „Dehumanized” einen brandneuen Song veröffentlicht, und wenn du genau hinhörst, klingt er stellenweise wie eine Doku über die Tierindustrie. Offiziell geht es um die Entmenschlichung des Menschen. Aber der Mann, der die Zeilen geschrieben hat, lebt seit über 20 Jahren vegan. Zufall? Eher nicht.
Am 25. Juni 2026 ist „Dehumanized” erschienen, der einzige komplett neue Track auf „Count Your Blessings: Repented”, der neu eingespielten Jubiläumsversion ihres Debütalbums von 2006. Der Song schließt die Platte ab, die am 10. Juli erscheint, und ist ein bewusster Rückgriff auf den brachialen Deathcore-Sound, mit dem die Sheffielder vor zwanzig Jahren angefangen haben. Produziert haben ihn Sänger Oli Sykes und Gitarrist Lee Malia selbst.
So weit die Fakten. Jetzt wird es interessant.
Bring Me The Horizon – Dehumanized (Official Video)Worum geht es in „Dehumanized”?
Thematisch dreht sich der Song um Entmenschlichung, gesellschaftlichen Verfall und eine ziemlich düstere Dystopie. In den Teaser-Videos zur Single sah man Menschen, die in einer Art industrieller Folterkammer entwürdigt werden. Der Refrain bringt es auf den Punkt: „We are becoming dehumanised.” Wir werden entmenschlicht.
Das Verstörende ist nicht die Botschaft an sich. Das Verstörende ist, mit welchen Bildern Oli Sykes sie transportiert.

Die Lyrics: Bilder, die direkt aus dem Schlachthof kommen
Wer sich mit Tierhaltung beschäftigt, dem stockt bei den ersten Zeilen kurz der Atem. Es ist von Wesen die Rede, die „bred to bleed” sind, gezüchtet zum Bluten, und die aus dem Mutterleib gerissen werden. Das ist nicht irgendeine Metapher. Das ist die buchstäbliche Realität jedes Kalbs in der Milchindustrie, das wenige Stunden nach der Geburt von seiner Mutter getrennt wird.

Es geht weiter mit „meat for the machine”, Fleisch für die Maschine. Und dann die Zeile, die jeden veganen Hörer aufhorchen lässt: die Rede von Schlachtern und Lämmern und der Bitte „send me to the abattoir”, schick mich zum Schlachthof.
Der Schlachthof ist hier das Schlimmste, was sich die Band vorstellen kann. Das ultimative Horror-Bild, um zu zeigen, wie kaputt der Mensch mit dem Menschen umgeht. Und genau hier liegt der Punkt, den kein anderes Musikmagazin so erzählen wird: Dieses Bild funktioniert nur deshalb so gut, weil das Grauen der Tierindustrie real ist und tief in uns sitzt. Jeder spürt sofort, wie brutal ein Schlachthof ist, solange ein Mensch darin steht.
Oli Sykes ist seit über 20 Jahren vegan
Hier kommt der Kontext, der alles verändert. Oli Sykes, Sänger und Haupttexter von Bring Me The Horizon, ist überzeugter Veganer. Und das nicht erst seit gestern.

Mit 16 Jahren, im Jahr 2003, wurde er Vegetarier. Der Auslöser war ein PETA-Flyer auf einem seiner ersten Hardcore-Konzerte. In Interviews hat er später erzählt, dass es bei ihm sofort „klick” gemacht hat, als ihm bewusst wurde, dass er als jemand, der sich als Tierliebhaber sah, gleichzeitig Tiere aß. Seine Worte: Als er gesehen habe, wie Tiere in Massentierhaltung gequält werden, habe er es nicht mehr rechtfertigen können, Teil dieser Grausamkeit zu sein.
Einige Jahre später wurde aus dem Vegetarier ein Veganer, unter anderem, weil ihm klar wurde, dass auch die Milchindustrie alles andere als harmlos ist. Heute ist Sykes einer der bekanntesten veganen Rockstars der Welt, und Veganismus zieht sich quer durch sein ganzes Schaffen.
Drop Dead: das vegane Modelabel
Sykes’ Modelabel Drop Dead Clothing ist von Tag eins an vegan und produziert nach dem Prinzip „Slow Fashion”, also bewusst gegen Massenware. Berühmt wurde unter anderem ein von ihm gestaltetes T-Shirt mit dem Slogan „Meat Sucks”, das er für eine Tierrechtskampagne entwarf und das immer wieder auf Bandfotos auftaucht.
Church: die vegane Bar in Sheffield
2018 eröffnete Sykes in Sheffield „Church – Temple of Fun”, eine zu 100 Prozent vegane Bar mit Arcade-Spielen, Live-Musik und Tattoo-Studio. Die Idee kam ihm auf einer Reise durch Brasilien. Das Konzept zeigt, wie er Veganismus denkt: nicht als Verzicht, sondern als Kultur, als Ort, an dem man Spaß hat und ganz nebenbei pflanzlich isst.
PETA und Tierrechtsaktivismus
Gemeinsam mit Bandkollegen arbeitet Sykes seit Jahren mit PETA und deren Jugendabteilung zusammen, unter anderem an Kampagnen gegen die Fast-Food-Industrie. Tierrechte sind für ihn kein Marketing-Gag, sondern ein roter Faden, der sich seit zwei Jahrzehnten durch sein Leben zieht.
Wie tief diese Tierliebe geht, zeigt sich auch ganz privat. Jahrelang war seine weiße Hündin Luna an seiner Seite, eine Bindung, die er immer wieder mit seinen Fans geteilt hat. Vor Kurzem ist Luna gestorben. Bilder wie diese machen deutlich, dass Mitgefühl mit Tieren für Oli Sykes kein Statement für die Kamera ist, sondern gelebter Alltag.


Ist „Dehumanized” jetzt ein veganer Song?
Ehrliche Antwort: Nein, zumindest nicht offiziell. Die Band hat den Track nirgends als Statement für Tierrechte gerahmt. Es geht erklärtermaßen um den Menschen.
Aber zu behaupten, die Schlachthaus-Bilder seien reiner Zufall, wäre naiv. Der Texter ist ein Mann, der seit über 20 Jahren mit dem Thema lebt, der ein veganes Restaurant betreibt, der für Tierrechte auf die Straße geht. Jemand wie Oli Sykes weiß ganz genau, woher Begriffe wie „abattoir” und „bred to bleed” kommen und welches Gewicht sie haben. Er nutzt das Leid der Tiere bewusst als stärkstes vorstellbares Bild, um menschliches Leid greifbar zu machen.

Und das ist eigentlich die spannendste Beobachtung an diesem Song: Unsere Kultur hat das Bild des Schlachthofs so verinnerlicht, dass es als Metapher für das absolut Schlimmste taugt. Wir alle verstehen sofort, wie verstörend das ist. Nur dass wir bei Milliarden Tieren, die das jeden Tag wirklich durchmachen, nicht von Horror reden, sondern von Mittagessen.
Olis Haltung: Mitgefühl statt erhobener Zeigefinger
Was Sykes so interessant macht, ist seine Art, über das Thema zu reden. In einem Interview mit Kerrang sagte er einmal sinngemäß, er verurteile niemanden, der Fleisch isst, denn es gehe um Mitgefühl, das man lehren müsse. Es sei leicht zu sagen „alle sollen aufhören, Fleisch zu essen”, aber damit ignoriere man, wie Menschen aufgewachsen sind und unter welchen Umständen sie leben. Sein Ziel sei es, Dinge so zu präsentieren, dass Leute darüber nachdenken, ohne überhaupt zu merken, dass sie nachdenken.

Genau das macht „Dehumanized”. Der Song predigt nicht. Er steckt das Bild einfach mitten in einen brutalen Deathcore-Track und überlässt dir den Rest. Wer hinhört, kommt nicht mehr drum herum.
Count Your Blessings: Repented: Wo du das Album hören kannst

Mit „Count Your Blessings: Repented” spielen Bring Me The Horizon ihr Debütalbum von 2006 zwanzig Jahre später komplett neu ein. „Dehumanized” ist der einzige brandneue Song und zugleich der Schlusstrack der Platte, die am 10. Juli 2026 erscheint. Wer hören will, wie roh und wuchtig die Band hier an ihre Deathcore-Anfänge anknüpft, findet das Album hier:
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Häufige Fragen zu „Dehumanized”
Wann ist „Dehumanized” von Bring Me The Horizon erschienen?
Die Single erschien am 25. Juni 2026 als einziger neuer Track auf der Neueinspielung „Count Your Blessings: Repented”, die am 10. Juli 2026 veröffentlicht wird.
Worum geht es in „Dehumanized”?
Offiziell um die Entmenschlichung des Menschen und gesellschaftlichen Verfall. Die Lyrics sind stark von Bildern aus der Tierindustrie geprägt, von Schlachthof über Zucht bis Massentierhaltung, die als Metapher für menschliches Leid dienen.
Ist Oli Sykes vegan?
Ja. Sykes wurde 2003 mit 16 Jahren Vegetarier und lebt seit Jahren vollständig vegan. Er betreibt das vegane Label Drop Dead und die vegane Bar Church in Sheffield und engagiert sich für Tierrechte.
Ist „Dehumanized” ein veganer Song?
Nicht als offizielle Botschaft. Aber die Tierindustrie-Bilder im Text sind angesichts von Sykes’ jahrzehntelangem Engagement für Tierrechte alles andere als zufällig gewählt.
Auf welchem Album ist „Dehumanized”?
Auf „Count Your Blessings: Repented”, der neu eingespielten 20-Jahre-Version des Debütalbums „Count Your Blessings” von 2006. „Dehumanized” ist der Schlusstrack.
Mehr von Oli Sykes
Wer tiefer in Olis veganes Universum eintauchen will, wird hier fündig:
- Sein veganes Modelabel: Drop Dead Clothing
- Seine 100 Prozent vegane Bar in Sheffield: Church – Temple of Fun
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