Plant Faced Clothing hört auf: Nach zehn Jahren schließt das vegane Streetwear-Label
Zehn Jahre lang war Plant Faced Clothing für viele der erste Berührungspunkt mit veganer Mode: schwarze Shirts mit „Plant Based” in japanischen Schriftzeichen, Hoodies mit „No Animals Consumed Club”, Socken mit Botschaft. Jetzt ist Schluss. Gründer Charlie McEvoy hat angekündigt, das Label zu schließen.
Wir haben ihn 2020 interviewt, als die Marke gerade international durchstartete. Der Abschiedstext auf der Website liest sich entsprechend bitter und ehrlich zugleich.
Was passiert mit Plant Faced?
Das Label aus London schließt nach zehn Jahren. Vorher läuft ein Abverkauf mit 40 bis 80 Prozent Rabatt auf den restlichen Bestand, laut Anbieter inklusive Steuern und Zoll für Bestellungen aus der EU, Großbritannien und den USA. Eine weitere Produktion wird es nicht geben.
Wie lange der Shop noch online bleibt, ist offen. McEvoy schreibt von „Tagen, Wochen oder vielleicht ein paar Monaten”, je nachdem, wie schnell die Ware weg ist.
Angefangen hat alles in einer WG-Küche
Die Geschichte von Plant Faced ist die Geschichte, die man sich für unabhängige Labels wünscht. McEvoy wurde vegan, suchte Kleidung, in der er seine Haltung tragen konnte, fand nichts, was ihm gefiel, und fing an, T-Shirts im Siebdruck in der Küche seiner WG zu bedrucken. Kein Plan, kein Team, keine Ahnung, wie man eine Modemarke aufbaut.
Was daraus wurde, hat er selbst kaum für möglich gehalten. Die Sachen landeten bei Miley Cyrus, bei Moby und beim Rapper Chingy. Sie hingen in Läden, standen auf Festivals, und immer wieder erzählten Kundinnen und Kunden, dass ein Shirt der Anlass für ein Gespräch war oder dass jemand über eine Botschaft auf der Brust überhaupt erst auf Veganismus gestoßen ist.
Wie McEvoy damals über Produktionsbedingungen, Werte und seine Wünsche an die Modebranche gesprochen hat, steht in unserem Interview von 2020: Urbane Streetwear für Veganer. Der Anspruch stand schon im Slogan der Marke: Streetwear ohne Sweatshops.
Warum jetzt Schluss ist
McEvoy nennt in seinem Abschiedstext mehrere Gründe, und er macht es sich dabei nicht leicht. Ein kleines unabhängiges Modelabel zu führen sei außerordentlich hart, schreibt er, und in den vergangenen Jahren sei es zunehmend schwierig geworden, Plant Faced am Laufen zu halten, finanziell wie persönlich.
„Die Welt der unabhängigen und veganen Mode hat sich enorm verändert. Die Kosten sind gestiegen, die Handelslandschaft hat sich verschoben, und eine kleine Marke zu führen ist in vielerlei Hinsicht schwieriger geworden.”
Charlie McEvoy, Gründer von Plant Faced Clothing (aus dem Englischen übersetzt)
Dazu kommt eine Selbsteinschätzung, die selten so offen ausgesprochen wird. Er habe vermutlich länger weitergemacht, als er hätte sollen: weil er nicht aufgeben wollte, weil er sich gegenüber allen verantwortlich fühlte, die die Marke unterstützt hatten, und weil er über die Jahre den Fehler gemacht habe, zu viel Ware einzukaufen. Wer zehn Jahre lang etwas aufbaue, dem falle es schwer, es loszulassen.
Neben der Traurigkeit stehe aber auch Erleichterung. Er wolle sich Raum nehmen, neu sortieren und irgendwann mit derselben Energie etwas Neues aufbauen.
Was das über vegane Mode sagt
Es wäre bequem, daraus eine Geschichte über nachlassendes Interesse an veganer Mode zu machen. Das gibt der Text nicht her, und die Marktzahlen auch nicht. Was McEvoy beschreibt, trifft unabhängige Modelabels quer durch alle Nischen: gestiegene Produktionskosten, ein Handel, der sich verschoben hat, Lagerbestände, die Kapital binden, und Plattformen, auf denen kleine Marken gegen sehr große Werbebudgets anlaufen.
Wer ethisch produziert, hat dabei die schlechteren Karten. Faire Löhne, Bio-Baumwolle und kleine Auflagen kosten mehr als der Gegenentwurf, und der Gegenentwurf verkauft inzwischen im Sekundentakt über Apps. Dass ausgerechnet eine Marke aufgibt, die zehn Jahre lang vorgemacht hat, dass es anders geht, ist deshalb weniger eine Nachricht über Veganismus als eine über die Bedingungen im Modehandel.
Wie es weitergeht
Ganz vorbei ist die Sache offenbar nicht. McEvoy schreibt, er wolle sich Zeit nehmen und überlegen, wie sich die Community und der Markenname in etwas Neues im veganen Bereich überführen lassen. Er habe Ideen, die er noch nicht verraten wolle, vielleicht etwas mit Essen, vielleicht etwas ganz anderes. Außerdem seien ein letzter Pop-up-Verkauf und Auftritte auf veganen Festivals im Gespräch.
Bis dahin gilt: Was ausverkauft ist, bleibt ausverkauft. Nachproduziert wird nichts mehr.
Wo du sonst vegane Mode findest
Die gute Nachricht: Plant Faced war nie allein, und der Rest der Nische macht weiter.
vesh collective macht vegane Streetwear und liegt in der Machart nah an dem, was Plant Faced ausgemacht hat: T-Shirts, Hoodies, Mützen, Botschaft inklusive. Nach eigenen Angaben spendet das Label fünf Prozent für den Tierschutz. Unser Gründer Yannick trägt die Cap mit „Speciesism”, einmal quer durchgestrichen, unter anderem auf den Fotos zum World Plant Milk Day. Eine Botschaft, die man ohne Erklärung versteht, und genau das war immer die Stärke dieser Art von Mode.
Giulia & Romeo geht die andere Richtung: vegane Mode im Luxussegment, gegründet von Daniela Brunner, ansässig in München. Verzichtet wird konsequent auf Leder, Wolle, Kaschmir, Mohair, Angora, Daunen, Seide und Pelz. Wir haben mit der Gründerin über ihren Anspruch gesprochen: Highfashion für Tierliebe. Wie das Label seinen Ansatz mit Tierschutzarbeit verbindet, haben wir außerdem bei einem Abend mit Andrea Sawatzki gesehen.
Warum vegane Mode mehr ist als ein Aufdruck
Bei Kleidung wird die Tierfrage schnell übersehen, weil man sie nicht isst. Der Kleiderschrank ist trotzdem einer der Orte, an denen Tiernutzung am selbstverständlichsten steckt: Leder aus der Rinderhaltung, Wolle aus der Schafzucht, Daunen aus der Geflügelhaltung, Seide aus der Zucht von Seidenspinnern, Pelz sowieso.
Dass Tiere Schmerz, Angst und Stress empfinden, ist keine Meinungsfrage. Artikel 13 des EU-Vertrags bezeichnet sie ausdrücklich als fühlende Wesen, und Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes verbietet es, ihnen ohne vernünftigen Grund Leiden zuzufügen. Ein Ledergürtel ist kein vernünftiger Grund, wenn es Alternativen gibt, und die gibt es reichlich.
Genau deshalb sind Labels wie diese mehr als Merchandise. Sie machen eine Entscheidung sichtbar, über die sonst niemand spricht. Dass eines davon jetzt aufhört, ist ein Verlust, und dass mehrere andere weitermachen, ist der Grund, warum man deswegen nicht in Trübsal verfallen muss.
Transparenz und Quellen
Grundlage ist die Abschiedsmitteilung von Charlie McEvoy auf plantfacedclothing.com, abgerufen am 31. August 2026. Die Zitate stammen aus diesem Text und wurden von uns aus dem Englischen übersetzt. Angaben zu Rabatthöhe, Zollübernahme und Laufzeit des Abverkaufs sind Angaben des Anbieters, die wir nicht unabhängig prüfen konnten. Wir verdienen an diesem Abverkauf nichts und verlinken ihn deshalb nicht als Kaufempfehlung.
Alle Fotos in diesem Artikel stammen aus unserem eigenen Shooting für das Interview mit Charlie McEvoy im Jahr 2020.
FAQ - Das fragen andere
Warum jetzt Schluss ist?
Was das über vegane Mode sagt?
Wie es weitergeht?
Wo du sonst vegane Mode findest?
Warum vegane Mode mehr ist als ein Aufdruck?
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